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Diebstahlsversuche auf Mecklenbecker Friedhof

Täter wollten Bronzeskulptur stehlen

Münster-Mecklenbeck

In den vergangenen Jahrzehnten war es auf dem Mecklenbecker Friedhof stets beneidenswert ruhig. Doch jetzt versuchten Täter dort Beute zu machen – glücklicherweise erfolglos.

Von Thomas Schubert

Wilhelm Mester (oberes Bild l.)und Reinhold Gehrke am Grab, auf dem die Madonna aus der Verankerung gebrochen wurde. Foto: sch

Ei­gentlich ist der Mecklenbecker Friedhof ein ruhiger Ort, der äußerst selten von Langfingern heimgesucht wird und auf dem auch sonst keine schlimmen Vorfälle zu beklagen sind. In den vergangenen Tagen ist es nun doch dazu gekommen: Dreiste Täter versuchten offenbar, Bronze-Objekte von Grabstellen zu stehlen, um sie zu Geld zu machen, was glücklicherweise jedoch misslang.

Als sie über unsere Zeitung davon erfahren hatten, dass Metalldiebe über Pfingsten des Nachts von der Mecklenbecker Martin-Luther-Kirche zwei Kupferrohre entwendet hatten, meldeten sich Wilhelm Mester und der von ihm betreute Schwerbehinderte Reinhold Gehrke bei der Redaktion: Ihnen sei auf dem Friedhof am Dingbängerweg beinahe Ähnliches widerfahren, schilderte das Duo.

Skulptur aus der Bodenverankerung gebrochen

Bislang unbekannte Diebestäter machten sich, vermutlich zur Nachtzeit, am Familiengrab der Gehrkes zu schaffen. Auf diesem stand bislang eine etwa 75 Kilogramm schwere bronzene Madonnen-Skulptur, die im Jahr 2006 für damals 4000 D-Mark angeschafft worden sei, so Wilhelm Mester.

Die Diebe brachen sie aus der Bodenverankerung und schleppten die Madonna hinunter zur Friedhofshecke am Dingbängerweg. Diese hatten sie laut Friedhofsgärtner Björn Koch augenscheinlich seitlich so präpariert, dass die Bronze-Skulptur durchgereicht und abtransportiert werden konnte. Doch das schlug – aus welchen Gründen auch immer – fehl:

Die Grabskulptur wurde am Folgetag dort vor dem Zaun gefunden und von Koch in sichere Verwahrung gebracht. Wilhelm Mester vermutet, dass die Madonna den Friedhofsdieben zu schwer wurde und sie deshalb liegen blieb. Daran, dass die Täter gezielt Beute machen wollten, hegt der Mecklenbecker keinen Zweifel: „Ich breche ein solches Objekt doch nicht heraus, wenn ich es nicht mitnehmen und zu Geld machen will!“

Wollten Täter gezielt Beute machen?

Bereits einige Tage zuvor war es auf dem für alle offenen christlich-katholischen Friedhof in Mecklenbeck zu einem ähnlichen Vorfall gekommen: Auf einen anderen Grab gibt es ein schweres Bronze-Kreuz. Augenscheinlich versuchten Unbekannte auch dieses samt Sockel mitzunehmen, was glücklicherweise ebenfalls scheiterte. Das zirka 50 Kilo schwere Kruzifix wurde mitten auf dem Weg neben dem Grab zurückgelassen. Es befindet sich mittlerweile wieder am angestammten Platz.

Keine nennenswerten Diebstähle in den vergangenen 50 Jahren

Derartige Vorfälle seien aus seiner Sicht schlichtweg pietätlos sagt Ruheständler Reiner Marx, der sich – wie berichtet – in diesem Februar nach rund 50 Jahren vom Posten des Friedhofsgärtners der katholischen Pfarrei St. Liudger verabschiedete.

In all dieser Zeit habe es auf dem Mecklenbecker „Gottesacker“ keinen Vandalismus und auch keine nennenswerten Diebstähle gegeben. Einmal sei ein Grabstein umgekippt worden, mitunter seien auch schon mal Vasen oder Blumen gestohlen worden. Doch dass Skulpturen oder Kreuze entwendet werden sollten, das habe es in den vergangenen fünf Jahrzehnten seines Wissens nach nicht gegeben.

Nicht ausreichend stark befestigt?

Dass die Madonna Diebesbeute werden sollte, hat Reiner Marx zu denken gegeben. Ob man es den im Endeffekt erfolglosen Tätern zu leicht gemacht habe?, fragt sich der ehemalige Friedhofsgärtner. Sei die Skulptur vom Bildhauer nicht ausreichend stark befestigt worden?

Wie dem auch sei: Innerhalb der nächsten acht Tage, so der Plan, solle die Madonna aufs Grab der Familie Gehrke zurückkehren, sagt Wilhelm Mester: „Wir werden jetzt dafür sorgen, dass sie nicht geklaut werden kann.“ Es soll ein solides Betonfundament gegossen und die Skulptur mit einer schweren Verankerung diebstahlsicher befestigt werden.

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