Festival „Kunst in Mecklenbeck“

Sie malt und strickt ihre Bilder

Münster-Mecklenbeck

Schon im Jahr 2010 wollte Regina Schlöpker-Richtscheid am KiM-Festival teilnehmen. Damals klappte es für die Hobby-Künstlerin nicht. In diesem Jahr ist die Teilnahme jedoch in trockenen Tüchern.

Annegret Lingemann

Übermalte Zeitungsbilder kombiniert Regina Schlöpker-Richtscheid mit Fotos ihrer Umgebung. Foto: ann

Die Ausstellung KiM – Kunst in Mecklenbeck – zeigt das kreative Potential von künstlerisch tätigen Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils. Manchmal setzt die Ausstellung aber auch Kräfte erst frei, so wie bei Regina Schlöpker-Richtscheid: Die Friseurmeisterin sowie Stil- und Typberaterin war 2010 begeistert von dieser Talentschau. „Da wollte ich einsteigen. Ich hatte ganz viele Ideen im Kopf, aber leider nichts fertig“, erinnert sie sich.

Bei einem anschließenden Urlaub stieß sie per Zufall auf ganz besondere Bilder. Die waren nämlich gestrickt. „Die waren einfach toll. Da wusste ich: Das ist es! So was will ich machen. Ich habe die farblich sehr differenzierten Kunstwerke abfotografiert und mir gedacht, das bringe ich mir selber bei.“ Ganz so einfach war es dann aber doch nicht.

Die Mutter von drei Söhnen, die viel Farbgefühl, Geschicklichkeit und Ausdauer mitbrachte, buchte in Berlin und Osnabrück verschiedene Kurse und Workshops, nahm im Internet an Lehrgängen teil und tauschte sich in Foren mit andern Strickerinnen aus. So wuchs die Leidenschaft zu einer besonderen Stricktechnik, die von der Berliner Designerin Gabriele Kluge erfunden wurde und von ihr „Strickrausch“ genannt wird.

Regina Schlöpker-Richtscheid hat glücklicherweise einen verständnisvollen Ehemann, denn das Wohnzimmer wandelte sich nach und nach zu einem Atelier. Ihr Prachtstück und erstes Werk hängt über dem Sofa. „Mutter Erde“ hat sie es genannt. Es ist ein abstraktes Bild mit unterschiedlichen Farbstrukturen, die an Erdschichten, Gesteinslagen oder Wüsten- und Dünenformationen erinnern. Aus insgesamt 13 farblich verschiedenen Garnen hat sie das Objekt gestrickt, wobei einzelne Strickfelder nach einer individuell festgelegten Überspielregel, dem „Genetischen Code“ mit jeweils vier verschiedenen Farbfäden mit verkürzten Reihen, gestrickt werden.

Die Farbzusammenstellung wechselt ständig, sodass über 700 Abstufungen zustande kommen, von denen sich keine wiederholt. Die Stricknadel der Stärke II ist einen Meter lang, und es gibt viele einzelne bunte Hilfsnadeln, die die Menge der 420 Maschen in kleine Felder gliedern und aufteilen. „Was letzten Endes dabei herauskommt, ist nicht vorhersehbar. Und es ist auch nicht kopierbar, diese Individualität ist das Spannende dabei“, sagt die Mecklenbeckern Künstlerin.

Aktuell wendet sie sich allerdings gerade wieder mehr dem Malen und Zeichnen zu. Ihre Porträtzeichnungen mit Bleistift und Kohle wird sie bei der KiM ebenso zeigen wie ihre jüngsten Kollagen, bei denen sie Zeitungsbilder bekannter Persönlichkeiten übermalt und mit eigenen Fotos ihrer Umgebung kombiniert hat. So entdeckte die sie bei den Gesichtern die besondere individuelle Farbtemperatur und ordnete sie in typische jahreszeitliche Farbfamilien ein. Ganz Typberaterin eben.

Zum Thema

Das öffentliche Festival „Kunst in Mecklenbeck“ findet am Wochenende vom 13. bis 15. September im örtlichen Bürgerzentrum Hof Hesselmann (Am Hof Hesselmann 10) statt.

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