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Ostermontag vor 70 Jahren: Gastwirt Theo Lohmann erlebte das Kriegsende in seinem Heimatort mit

Weiße Fahnen in Mecklenbeck

Münster-Mecklenbeck

Mecklenbeck hätte zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche liegen können. Dafür, dass es nicht dazu kam, war Dr. Ferdinand Vorholt, Pastor und Schulrektor des Orts, verantwortlich.

Annegret Lingemann

Ruheständler Theo Lohmann – hier vor dem Fenster der früheren Gaststätte Lohmann – erinnert sich noch genau an die Geschehnisse in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs in Mecklenbeck. Er war damals neun Jahre alt. Foto: ann

Am Karfreitag vor 70 Jahren ist Mecklenbeck nur knapp einer Katastrophe entgangen: Am Abend des 30. März 1945 – in den letzten Wochen des Krieges – sollte mit dem Vorrücken der alliierten Truppen das Großfeuer auf Mecklenbeck mit der Flakstellung auf dem Gelände an der Egelshove eröffnet werden. Gastwirt Theo Lohmann, der damals neun Jahre alt war, erinnert sich gut.

„Dr. Ferdinand Vorholt war unser Pastor und Schulrektor. Er gab sich als Bürgermeister aus und handelte mit den vorrückenden Kanadiern aus, dass sich der gesamte Ort zwei Tage später ergeben würde.“ So wehten am Ostermontag überall weiße Fahnen, die Truppen kamen, aber der Feuersturm blieb erspart. „Wir haben es Pfarrrektor Zurholt zu verdanken, dass wir alle überlebt haben. Das war unser persönliches Auferstehungsfest.“

Auf der Weseler Straße rollten die Panzer, während am Sentmaringer Weg eine deutsche Batterie mit vier Geschützen die Kolonne aufhalten sollte. Das war natürlich eine schreckliche Illusion, denn sie kostete nicht nur die Mannschaften das Leben, sondern die Granaten richteten auch in Mecklenbeck erheblichen Schaden an. „Vier Gebäude brannten ab, darunter auch der Paulushof, der 1946 wieder aufgebaut wurde“, erinnert sich Theo Lohmann. Auch sein Elternhaus wurde getroffen.

Den Vater, der schon in Verdun gekämpft hatte, verfehlte eine Granate nur knapp, sie drang bis in den Kohlenkeller ein, detonierte aber nicht. „Meine Brüder haben das Geschoss später aus dem Haus getragen. Die Gefahr haben wir nicht realisiert. Man war ziemlich abgestumpft in dieser Zeit.“

Ein schwerer Lkw durchbrach beim Einmarsch am Ostermontag das Lohmannsche Hoftor, kanadische Soldaten drangen ins Haus ein. „Wir blickten in die Mündung von Maschinenpistolen. Meine Mutter hatte gerade Fleisch gebraten, das hielt sie den Soldaten unerschrocken entgegen. Sie haben uns nichts getan, sie haben uns fair behandelt. Später haben wir Kinder Kaugummi bekommen und Marschpäckchen, da war staubtrockenes Brot aus Mais und Weizen drin. Die Amis und Kanadier haben lieber unser Brot gegessen, das war für die wie Marzipan“, sagt Lohmann.

Fair behandelt worden ist auch der französische Kriegsgefangene Emile Hibon, den Familie Lohmann zugeteilt bekommen hatte. Gegen die Vorschrift aß er mit am Tisch und ging nur auf Tauchstation, wenn die Helme der SS-Schergen zur Kontrolle am Küchenfenster auftauchten. Er musste – dank der Intervention von Pastor Zurholt – abends auch nicht ins Gefangenenlager, das im Hof Hesselmann war.

Einmal versteckte Mutter Lohmann ihn und seinen Freund drei Tage und Nächte unter großen Papierrollen, die für die Zeitung in Münster auf der Kegelbahn gelagert wurden. Nach dem Krieg hat ihn Theo Lohmann mit seinem Bruder Emile in Calais besucht: „Da war große Begeisterung und tolle Gastfreundschaft.“

Nach dem Krieg wurden zunächst noch Italiener und danach Holländer im Gasthaus der Familie Lohmann einquartiert, bevor sie in ihre Heimatländer zurückgebracht wurden. „Wo die Feldküche im Hof stand, kann man noch erahnen“, sagte Lohmann. „Die haben sich mit dem Vieh auf den Weiden selber versorgt, aber wir Kinder haben manchen Bissen zugesteckt bekommen.“

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