„Arnings Kindersportkarussell“ seit 1937

Kirmesvergnügen für Generationen

Münster-Nienberge

Schausteller haben gelernt, mit Risiken zu leben. Mit Regen müsse die Branche immer rechnen, auch stürmisches Wetter werde verkraftet. Doch mit dem Lockdown fehlt dem Nienberger Ehepaar vor allem eins: das Lachen der Kinder.

Hubertus Kost

Die Fotos erinnern an gute Zeiten: Ursula Arning-Konopczynski und ihr Ehemann Andreas richten den Blick auf das 100. Jubiläum. Foto: hko

Auf die Frage, was sie in der Pandemie-Zeit besonders vermisst, antwortet Ursula Arning-Konopczynski spontan: „Das fröhliche Lachen der Kinder.“ Damit sind die Jungen und Mädchen gemeint, die sich immer wieder darauf freuen, wenn sie auf dem Send oder dem Weihnachtsmarkt mit „Arnings Kindersportkarussell“ ihre Runden drehen dürfen. Nach dem Weihnachtsmarkt 2019 drehte sich nichts mehr, denn vor dem ersten Send-Termin 2020 kam Corona und beendete für alle Schaustellerbetriebe auf unbestimmte Zeit das Geschäft.

Aufgeben werden Ursula Arning-Konopczynski und ihr Ehemann Andreas den kleinen Familienbetrieb, der in Nienberge beheimatet ist, aber auf keinen Fall: „Wir haben eine Tradition und die werden wir weiterführen.“

Die Tradition beginnt 1937. August Arning, ein gelernter Holzschuhmacher, und seine Ehefrau, die Witwe eines Schaustellers, die mit ihrem ersten Ehemann ein Pferdekarussell betrieben hatte, kauften ein modernes Fahrgeschäft. Erster Einsatz war auf der Kirmes in Greven. Seitdem dreht sich das Kinderkarussell auf Kirmesplätzen im Münsterland und seit 1948 auf dem Send in Münster, der damals auf dem Domplatz stattfand.

Feuerwehrauto ist der „Klassiker“

Die kleinen hölzernen Autos – alle handgefertigt – sind im Ursprung erhalten, irgendwann gab es ein paar neue Exemplare. Holzpferde und Fahrräder drehen sich auch auf der Karussell-Plattform. Der „Klassiker“ ist übrigens seit Jahrzehnten das Feuerwehrauto.

Schausteller haben gelernt, mit Risiken zu leben. Mit Regen müsse die Branche immer rechnen, auch stürmisches Wetter werde verkraftet, sagt Ursula Arning-Konopczyinski, „dann kommen weniger Besucher.“ Ein besonders dramatisches Ereignis wird der Familie auf Dauer in Erinnerung bleiben: Durch einen Brand wurde das Karussell auf dem Send im Oktober 2017 stark beschädigt. Schnell stellte sich heraus: Es war Brandstiftung. Besonders Schausteller-Kollegen und Handwerker halfen in dieser Notlage und sorgten durch ihren Einsatz dafür, dass bis zum Weihnachtsmarkt alles wieder „rund“ lief.

Ursula Arning-Konopczynski

Bei Corona ist das anders. „Da können wir nichts reparieren und niemand weiß, wann wir wieder beginnen können,“ sagt das Nienberger Ehepaar. Beide loben ausdrücklich die öffentliche Unterstützung und sind „sehr dankbar“ für die Soforthilfe und die Überbrückungshilfen, die unbürokratisch geflossen seien. Damit hätten sie auch den zwei fest angestellten Mitarbeitern helfen können.

Die „Kundenbindung“ erstreckt sich inzwischen über vier Generationen. Bereits die Urgroßeltern der Kinder, die mit dem Feuerwehrauto oder auf einem Holzpferd ihre Runden drehen, hatten in „Arnings Kindersportkarussell“ ihren Spaß. Und das soll auch so bleiben. Die klare Ansage lautet: „Wir haben nach dem Brand nicht aufgegeben, und wir werden auch nach Corona wieder präsent sein.“ Der Blick der Schausteller-Familie aus Nienberge richtet sich sogar schon auf das Jahr 2037. Denn dann feiert „Arnings Kindersportkarussell“ das 100-Jährige. Ursula Arning-Konopczynski und ihr Ehemannhaben sich vorgenommen, mit dabei zu sein.

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