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Achtsamkeit gegenüber Einsamen

Kuchen, Gespräche und Geselligkeit

Münster-West/Nord

Jeder vierte Mensch in Deutschland fühlt sich einsam. Unter dem Motto „Jetzt-Hoffnung-Schenken“ ruft die katholische Kirche in der Advents- und Weihnachtszeit dazu auf, mehr Achtsamkeit gegenüber einsamen Menschen zu zeigen.

Von Iris Sauer-Waltermann

Die 89-jährige Rosemarie Fark versorgt die Besucher des „Marktkaffees“ in Nienberge mit Kaffee und selbst gebackenen Brötchen. Auch in Kinderhaus, Sprakel und an vielen anderen Orten gibt es beispielhaftes Engagement gegen die Einsamkeit. Foto: Bistum Münster

Zwei Kilogramm Mehl verarbeitet Rosemarie Fark jeden Donnerstag. Im Akkord backt sie Brötchen und Brot – nicht für sich selbst, sondern, um sie am nächsten Tag mit nach Nienberge zu nehmen. Denn am Freitag ist dort Marktkaffee-Zeit. Parallel zum Wochenmarkt, der vormittags auf dem Kirchplatz stattfindet, öffnet das Pfarrzentrum St. Sebastian seine Pforten für alle, die in Gesellschaft eine Tasse Kaffee oder Tee, ein belegtes Brötchen oder ein Stück Kuchen genießen wollen.

Jeder vierte Mensch in Deutschland fühlt sich einsam, quer durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten. Unter dem Motto „Jetzt-Hoffnung-Schenken“ ruft die katholische Kirche in der Advents- und Weihnachtszeit dazu auf, mehr Achtsamkeit gegenüber einsamen Menschen zu zeigen. In den Pfarrgemeinden gibt es zahlreiche nachahmenswerte Angebote, die zeigen, wie man Menschen zu Begegnung und Austausch einladen kann. Einige Projekte aus den Gemeinden St. Sebastian und St. Marien und St. Josef werden hier vorgestellt. Sie seien exemplarisch für viele, die Tag für Tag von Ehrenamtlichen realisiert werden, so das Bistum.

Zwei Kilo Mehl werden verarbeitet

Die Idee zum Nienberger „Marktkaffee“ kam vor 20 Jahren im Arbeitskreis „Offene Gemeinde“ der St.-Sebastian-Gemeinde auf. „Damals gab es noch kein Café im Ort, keine Möglichkeit, nach dem Marktbummel noch ein wenig zusammenzubleiben“, blickt Rosemarie Fark auf die Anfänge zurück. Die 89-Jährige gehört zu den Gründerinnen des Angebots „Marktkaffee“ – und packt noch immer kräftig mit an.

Weitere Angebote in Nienberge, die Menschen zur Begegnung einladen, sind etwa die Teestube, das Café International, der ökumenische Seniorenkreis, der Offene Mittagstreff und der Strickkreis. „Sensibel sein für die Anliegen der Menschen“, darauf komme es an, weiß Pastoralreferent und Diakon Reinhard Kemper. Er ist dankbar, dass es in Nienberge so viele Ehrenamtliche gibt, die Ideen haben und diese engagiert umsetzen – „das ist eine Grundvoraussetzung“.

Paula Hamel

So hat Kemper es auch vor zehn Jahren getan, als er zwei verwitweten Personen auf dem Friedhof begegnete, mit ihnen ins Gespräch kam und spürte, dass ein regelmäßiger Austausch guttun würde. Das Trauercafé der St.-Sebastian-Gemeinde war geboren. Seitdem treffen sich etwa zehn Personen, die einen geliebten Menschen verloren haben, einmal im Monat. Paula Hamel ist seit sechs Jahren dabei. Als ihr Mann starb, suchte sie die Gemeinschaft, Gleichgesinnte zum Reden. „Hier haben alle einen Verlust erlebt“, sagt die heute 89-Jährige. Das verbinde und gebe Halt.

In Kinderhaus finden sich jede Woche 40 bis 60 Seniorinnen und Senioren im großen Saal im Pfarrzentrum an der Kristiansandstraße zusammen. „Zumindest beschreibt das Bild die Situation vor Corona ganz gut“, erklärt Elisabeth Trenkamp. Die 71-Jährige, die an ihrer Seite mehrere Ehrenamtliche hat, moderiert die Seniorennachmittage der Pfarrei St. Marien und St. Josef. „Für manche Teilnehmenden ist es der einzige Termin in der Woche“, weiß sie.

Spielenachmittag mit Rommé, Skat und Canasta

Einmal im Monat wird aus dem Seniorennachmittag ein Spielenachmittag mit Rommé, Skat, Canasta und mehr. Ebenfalls im monatlichen Rhythmus feiern die Senioren gemeinsam Gottesdienst, im Anschluss gibt es – wie an jedem Seniorennachmittag – Kaffee und Kuchen. Karnevalsfeiern, Ausflüge und mehr bereichern das Programm.

In Sprakel lädt die Gruppe mit dem passenden Titel „Gemeinsam, nicht einsam“ alle Menschen um die 65 Jahre ein, die Geselligkeit, kreatives Tun, Feiern, Fahrten und verschiedene Veranstaltungen schätzen. Die Gruppe trifft sich in der Regel an jedem zweiten Dienstag im Monat. Nach einem Gottesdienst in der St.-Marien-Kirche und dem Kaffeetrinken im Marienheim folgt ein aktuelles Tagesthema. Außerdem gibt es für Senioren einen offenen Mittagstisch, eine Tanzgruppe sowie eine Computergruppe.

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