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Flutopfer fordern Sofortmaßnahmen an der Hunnebecke

Meldeanlage und Gitter sollen her

Münster-Nienberge

Viele Flutopfer im Wohngebiet Waltruper Weg sorgen sich vor einer weiteren Überschwemmung. Sie fordern deshalb möglichst rasch Maßnahmen, um dies zu verhindern.

Markus Kampmann

Für den Hochwasserschutz sei das Gitter am Durchlass der Hunnebecke unter dem Waltruper Weg richtig gebaut, meinen Anwohnerin Rebecca Oliveira und ihr Vater Manfred Fritschen. Aber die Bäume und Sträucher im Graben müssten entfernt werden. Das Wasser stand in der Unwetter-Nacht so hoch, dass der Bauzaun am künftigen Flüchtlingsheim verschluckt wurde.
Für den Hochwasserschutz sei das Gitter am Durchlass der Hunnebecke unter dem Waltruper Weg richtig gebaut, meinen Anwohnerin Rebecca Oliveira und ihr Vater Manfred Fritschen. Aber die Bäume und Sträucher im Graben müssten entfernt werden. Das Wasser stand in der Unwetter-Nacht so hoch, dass der Bauzaun am künftigen Flüchtlingsheim verschluckt wurde. Foto: mfk

Gemächlich plätschert der Bach Hunnebecke zwischen dem Käthe-Ernst- und Karl-Neuendorff-Weg dahin, eingebettet in einen breiten renaturierten Graben. Ein idyllisches Szenario, das allerdings durch den Lärm der Presslufthämmer in angrenzenden Häusern und den Schutt und Hausrat davor getrübt wird. Kaum zu glauben, dass sich das Wasser dort bis zu 4,60 Meter hoch aufstaunte. Doch ein gelber Streifen an einer Laterne am angrenzenden Fußweg zeigt: Selbst ein Riese hätte keinen Fuß mehr auf die Erde bekommen. Kein Wunder, dass viele Anwohner nachts kaum ein Auge zu kriegen vor Angst vor einer Wiederholung. Dabei könnten die Behörden dagegen schnell und kostengünstig etwas unternehmen, meint Manfred Fritschen.

Fritschen ist der Vater von Rebecca Oliveira. Ihr gelbes Niedrigenergie-Haus hinter der Laterne hat die Flut besonders schlimm getroffen. Das Erdgeschoss ist inzwischen – dank der Hilfe vieler Nachbarn, Freunde, Verwandter und Wildfremder – größtenteils entkernt. Selbst die feuchte Dämmwolle in den Wänden musste raus. Mit einem Schaden von „200 000 Euro plus“ rechnet Oliveira – die Finanzierung: ungewiss.

Eine Elementarversicherung hat die Familie nicht. Aber die Hoffnung, dass der Schaden durch die gewöhnlichen Wohngebäude- und Hausratsversicherungen gedeckt sein könnte. Das sei nämlich der Fall, wenn sich herausstelle, dass Mängel des Entwässerungssystems zu einem Rückstau geführt haben, sagt die Mutter. „Dann bin ich versichert.“

Für Fritschen, der von Berufs wegen mit Katastrophenschutz beschäftigt war, ist das eine klare Sache: Nicht nur, weil das Durchlassrohr der Hunnebecke unter der B 54/Hülshoffstraße nach Meinung eigentlich aller Anwohner zu klein sei. Auch das Gitter davor sei falsch konstruiert. Anders als am vorgelagerten – und größeren – Durchlass unter dem Waltruper Weg verlaufen die Gitterstäbe nämlich nicht schräg, sodass Treibgut mit steigendem Wasserpegel nach oben weggeschoben werde, sondern senkrecht. Die Folge sei, dass Äste, Tüten und Co. den Durchlass verstopfen, was laut Anwohnern immer wieder vorkomme.

Deshalb müsse dort schnell ein richtig konstruiertes Gitter angebracht werden. Als weitere schnell umzusetzende Maßnahme schlägt Fritschen eine Meldeanlage vor: Durch einen einfachen Schwimmer könne beispielsweise die Feuerwehr bei einem bestimmten Pegelstand automatisch benachrichtigt werden. „Das kostet vielleicht 2000 Euro für eine vernünftige Lösung“, sagt Fritschen.

Auch die Wassererlen und Sträucher im Bachbett müssten weg, betont Rebecca Oliveira. Noch vor rund drei Jahren sei der Graben frei gewesen. Die Anwohner hätten die Stadt auch darauf mehrfach hingewiesen, bei einem Treffen mit zuständigen Behördenvertretern sogar angeboten, die Pflege zu übernehmen, was aber abgelehnt worden sei. „Die Stadt hat sich aber nicht drum gekümmert“, sagt Oliveira – sie vermutet Kostengründe.

Das Presseamt konnte sich hierzu am Freitag nicht mehr äußern: Die zuständigen Mitarbeiter des Grünflächenamtes seien wegen der Unwetter-Schäden beschäftigt, hieß es.

Seine Vorschläge hatte Fritschen NRW-Bauminister Michael Groschek und dem Tross der Stadtverwaltung bei ihrem Besuch am Mittwoch mit auf den Weg gegeben. Was daraus wird, bleibt abzuwarten. Und eine weitere Forderung hat Rebecca Oliveira beim Minister-Besuch gestellt: Solange sich an der Entwässerungs-Situation nichts ändere und keine höher gelegenen Fluchtmöglichkeiten bestünden, dürften keine Menschen im Erdgeschoss des Flüchtlingsheims untergebracht werden, das neben ihrem Haus errichtet wird.

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