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Nach drei Jahren Start in die Selbstständigkeit

Neuanfang nach der Flucht

Münster-Nienberge

„Ohne Arbeit kann ich nicht leben.“ Das sagt Mohammad Darkalt besonders deutlich. Deshalb wollte er auch so bald wie möglich arbeiten, als er im November 2015 mit seiner Frau und drei Kindern aus Syrien nach Deutschland kam. Und er wollte so schnell wie möglich die deutsche Sprache lernen. Beides ist gelungen.

Hubertus Kost

Mohammad Darkalt arbeitet gern. In Nienberge hat er sich mit einer Änderungsschneiderei selbstständig gemacht. Foto: hko

Nach vielen Sprachkursen und einigen Jobs hat sich Mohammad Darkelt mit einer Änderungsschneiderei an der Altenberger Straße in Nienberge selbstständig gemacht und schon einen kleinen Kundenkreis gewonnen.

Die Familie stammt aus Aleppo. Dort hatte der 48-jährige Designer eine Textilfirma aufgebaut. 50 Beschäftigte stellten Kleider, Pullover und T-Shirts aus Baumwolle her, ein Teil wurde in die USA exportiert.

„Wir wollten noch viel unternehmen,“ sagt er, und dann: „Der Krieg hat alles kaputt gemacht.“ Die Firma ist zerstört, es gab keine Arbeit mehr, das Leben wurde immer schwieriger für viele Menschen, auch für seine Familie. Sein nächster Satz: „Dann haben wir eine sehr schwere Entscheidung getroffen.“

Die Entscheidung war die Flucht. Über den Libanon und dann über die Balkanländer gelangte die Familie nach Deutschland. Ihr Asylantrag wurde anerkannt, sofort suchte sich Mohammad Darkalt eine Arbeit. Zunächst war er als Änderungsschneider in einer Modefirma beschäftigt, dann arbeitete er als Kassierer in einem Supermarkt. Ziel war die Selbstständigkeit.

Über einen deutschen Freund lernte er die Textilreinigung Bergmann kennen, die ihm anbot, in ihrer Filiale in Nienberge eine Änderungsschneiderei einzurichten. Zugleich übernahm Mohammad Darkalt die Filiale des Textilreinigers.

„In der Firma in Aleppo habe ich mich um alles gekümmert,“ sagt der Designer, der eigentlich Ingenieur werden wollte, aber das Studium abbrach. Seine beruflichen Erfahrungen kommen ihm jetzt in Nienberge zugute. Bei der Betriebsgründung hat ihm die Unternehmensberatung der Handwerkskammer Hilfestellung gegeben.

In Syrien musste Mohammad Darkalt Nachbarn, Verwandte und Freunde verlassen. In Deutschland hat die Familie neue Freunde gefunden – Deutsche und Syrer. „Wir sprechen überall nur Deutsch,“ das ist für ihn ganz wichtig. Er ist davon überzeugt: „Wer aus einem anderen Land kommt und hier leben will, der muss ganz schnell die Sprache lernen und eine Arbeit suchen.“

Ob er sich vorstellen kann, irgendwann nach Syrien zurückzukehren? Das könne er jetzt nicht sagen, aber: „Syrien ist meine Heimat.“

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