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Das Roxeler Sozialbüro ist eine Institution

Ein Herz für die Nöte der Menschen

Münster-Roxel

Seit Jahrzehnten kümmert sich das Roxeler Sozialbüro um die Menschen vor Ort. Und täglich begegnen den ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen neue Sorgen.

Von Annegret Lingemann

Führungswechsel: Walter Imping (l.) hat die Leitung des Roxeler Sozialbüros an Sigrid Freckmann und Bernd Rott übergeben Foto: ann

Das Roxeler Sozialbüro ist eine Institution – und das schon seit vielen Jahren. Im April 1999 lud der „Motor“, die mittlerweile verstorbene Maria Eiling, zum ersten Treffen des Roxeler Sozialbüros ein.

Vorausgegangen war ein Vorlaufjahr, in dem acht Roxeler und Roxelerinnen von der Caritas mit Beratungen und Seminaren geschult wurden – denn auch Helfen will gelernt sein.

Ein Mann der ersten Stunde ist Walter Imping, bei seiner ehrenamtlichen Mitarbeit fehlt nur wenig an einem Vierteljahrhundert. Ebenso lange ist Lore Heinecke mit von der Partie. Als zeitweilige Pfarrsekretärin der evangelischen Kirchengemeinde vertritt sie den protestantischen Part in dem ökumenischen Sozialbüro.

Walter Imping übernahm nach dem Tod von Maria Eiling 2020 die Leitungsfunktion, der Wechsel zwischen Vorsitz und stellvertretendem Vorsitz hatte zwischen ihnen ohnehin immer stattgefunden. „Wir haben im ganzen Team immer Hand in Hand gearbeitet, bis heute. Das klappt wirklich gut. Jeder bringt seine Fachkenntnis ein – als Juristin, als Sozialarbeiter, als Bürokauffrau oder als Banker.“

Gemeinsame Küche mit der Schwiegermutter

An seine erste Beratung kann Imping sich noch gut erinnern: Eine verzweifelte Frau habe da vor ihm gesessen, die die gemeinsame Küche mit ihrer Schwiegermutter nur als einen Kriegsschauplatz erlebte. „Ich habe sie zur Eheberatung geschickt“, lächelt er. „Wie überhaupt die Vermittlung an Fachleute wie Schuldner-, Erziehungs-, oder Energieberatungen ein wesentlicher Teil unserer Arbeit ist.“

Das ist sehr oft der „eine Schritt weiter“, der aus einer Talsohle im Leben wieder ein Stückchen heraus führt und vielleicht zu einer neuen Perspektive verhilft. Die materielle Not habe aber im Laufe der Zeit zugenommen, resümiert Imping.

„Die meisten möchten Geld von uns haben. Das gibt es aber nicht. In begründeten Notlagen geben wir manchmal einen Teil zu einer Anschaffung dazu, zum Beispiel zur Waschmaschine oder einem anderen notwendigen Gerät. Das wird geprüft.“

Gelegentlich hilft dabei der Sprachübersetzer im Handy, wenn das Team mit Deutsch oder Englisch nicht mehr weiter kommt. Zum Team zählen Steffi Argondizzo, Silvia Aupers, Sigrid Freckmann, Lore Heinecke, Micky Heinrich, Georg Ludewig und Bernd Rott. Sie sind Ansprechpartner für Ratsuchende und engagieren sich bei der Einsammlung und Verteilung von Lebensmittelspenden.

Im April zog sich Walter Imping von seinem langjährigen Engagement zurück. „Ich bin müde geworden“ sagt er. „Es ist gut, wenn die Leitung jetzt in jüngeren Händen liegt.“

„Was die Politik uns vormacht, das können wir doch auch“, sagen Sigrid Freckmann und Bernd Rott. Sie formierten sich als Nachfolger im Amt zur Doppelspitze.

Bei Bernd Rott, Banker im „Unruhestand“, klingelt inzwischen der Wecker zuweilen morgens um 6 Uhr. „Dann muss ich los und für die Lebensmittelausgabe die Spenden bei Marktkauf, Jankord, Fruchtimport Histermann oder am Hof Wildermann abholen“, sagt er fröhlich und sieht das als eine Art sportliche Betätigung.

Große Zufriedenheit ist auch bei Sigrid Freckmann zu spüren. Sie hat als Immobilienkauffrau eine Menge Verpflichtungen und Termine. „Aber das Netzwerken und Koordinieren ist mein Ding“, sagt sie. Sie setzt sich gern ein und organisiert und akquiriert Spenden für das Sozialbüro.

Einen Wunsch aber haben alle im Team: Sie brauchen Verstärkung. Wenn man sieht, wie viel Freude, Befriedigung und Sinn das Helfen ganz offensichtlich für alle bedeutet, dann ist das wohl die überzeugendste Werbung fürs Sozialbüro.

Das Roxeler Sozialbüro ist dienstags in der Zeit von 16 bis 17 Uhr im Pfarrheim am Pantaleonplatz zur Beratung offen oder in dieser Zeit unter

 0174/56 248 94 zu erreichen.

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