Unterstützung von Naturschützern und Land NRW

So helfen Bauern den Kiebitzen

Münster-Amelsbüren

Nahe am Emmerbach an der Davertstraße gibt es eine kleine Sensation zu vermelden. Neun erwachsene Kiebitze sind gleichzeitig bei ihren abenteuerlichen Flugmanövern zu sehen. Die Feldvögel finden hier gute Bedingungen vor. Landwirte und Vogelschützer haben etwas nachgeholfen.

Michael Grottendieck

Viktoria und Thorsten Brüning-Sudhoff freuen sich über die vielen Kiebitze, die sich auf ihrem Acker heimisch fühlen. Für das Foto halten sie ein präpariertes Tier hoch. Früher waren Kiebitze Allerweltsvögel, heute sind sie akut vom Aussterben bedroht. Foto: gro

Es ist fast so, wie es früher gewesen sein muss. Als es die Kiebitze noch in großer Zahl gab. Heute darf man sich glücklich schätzen, wenn man ein Pärchen oder einen einzelnen Feldvogel dieser bedrohten Art erblickt.

Nahe am Emmerbach an der Davertstraße gibt es eine kleine Sensation zu vermelden. Neun erwachsene Kiebitze sind zu sehen. In abenteuerlichen Flugmanövern jagen sie durch die Luft. Ihr typischer Ruf „kie-witt“ ist unüberhörbar. Ist der Kiebitz zurück?

Ist der Kiebitz zurück?

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Der Nabu ermittelt jedes Jahr die Zahl der Brutpaare. Es sieht nicht gut aus um das Überleben der Feldvögel: Im Jahr 2003 gab es 346 Paare in Münster, 2020 waren es 60 Paare. „Der Bestand dürfte in diesem Jahr ähnlich hoch sein“, vermutet Anuschka Tecker von der Nabu-Naturschutzstation auf Haus Heidhorn. Sie hofft, dass sich der Negativtrend umkehren lässt.

Vor vier Jahren sahen Nabu-Mitarbeiter erstmals Kiebitze auf der Ackerfläche an der Davertstraße. In diesem Jahr trauten sie ihren Augen nicht. Sie zählten im April sechs oder sieben Brutpaare. „Das gibt in Münster kaum noch“, stellt Tecker erfreut fest.

Kibietzinseln bleibenb unangetastet

„Bei der Vorbereitung der Maisfläche haben wir mindestens sechs Küken angetroffen“, ergänzt Viktoria Brüning-Sudhoff und erzählt, wie sie die Jungtiere vorsichtig auf eine Insel getragen haben. Eine Insel ist eine kleine Fläche auf dem Acker, die bewusst nicht umgepflügt wird. Erhalten bleibt so die natürliche Vegetation und damit die Chance für die Jungtiere, in unmittelbarer Nähe der Nester Nahrung vorzufinden.

Viktoria und Thorsten Brüning-Sudhoff beließen es nicht bei einer kleinen Insel rund um die einzelnen Gelege. Sie lassen in diesem Jahr auf dem Maisacker bewusst eine Fläche von einem Hektar Größe unbearbeitet.

Die Landwirte beteiligen sich an dem Naturschutzprojekt Feldvogelinseln des Landes NRW. Auf das Programm und die finanziellen Entschädigungen für den Ernteausfall hatte sie der Nabu aufmerksam gemacht. Dieser Bereich des Ackers wird komplett in Ruhe gelassen. So haben die Jungtiere die Chance, die Insekten vorzufinden, die sie unbedingt benötigen, um selber überleben zu können. Allein auf der abgesteckten Brache haben sie vier Nester gefunden.

Landwirt Thorsten Brüning-Sudhoff

„Wir haben einfach Freude daran zu sehen, wie die Kiebitze zurückkehren“, stellt Thorsten Brüning-Sudhoff fest. Zufall ist es nicht, dass sich die Kiebitze hier wohlfühlen. Sie lieben grundsätzlich eine feuchte Umgebung, wie sie die Davert bietet.

Weiterhin hält sich die Auffassung, dass Zugvögel wie die Kiebitze nur deshalb so gefährdet seien, weil sie im Süden Europas bejagt werden. Dieses Problem ist nicht von der Hand zu weisen. Aber Anuschka Tecker weiß, dass für den Bruterfolg mehr getan werden muss. Vier Eier werden pro Nest abgelegt, doch nur 0,4 Küken pro Paar überleben durchschnittlich die ersten Lebenswochen. Naturschützer und Landwirte wollen hier nachhelfen. Es geht nur gemeinsam, sagen sie.

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