1. www.wn.de
  2. >
  3. Muenster
  4. >
  5. Sprakel
  6. >
  7. Frische Farben fürs Fest

  8. >

Die Kirchenkrippe von St. Marien

Frische Farben fürs Fest

Münster-Sprakel

Die knapp 100 Jahre alten Krippenfiguren von St. Marien sind frisch restauriert. Am Sonntag ist nun das Krippenteam am Zug.

Dietmar Jeschke

Dank der Feinarbeit von Günter Koch glänzen die fast 100 Jahre alten Figuren wie am ersten Tag. Foto: Dietmar Jeschke

Die Figuren von Maria und Josef sind fertig. Und natürlich auch die vom Jesus-Kind. Dazu glänzen die Hirten, als ob sie erst gerade die Handwerkstatt verlassen hätten. Und irgendwie haben sie das ja auch. Denn Günter Koch hat viel Zeit in seinem Hobby-Keller dafür verwand, um die knapp 100 Jahre alten Krippenfiguren der Gemeinde St. Marien und St. Josef in Münsters Norden wieder auf Hochglanz zu bringen. Zuletzt fehlten nur noch Kamel, Ochse, Esel und Hunde. Der passionierte Bastler hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem durch seine detailgetreuen Drensteinfurter Häusermodelle einen Namen gemacht.

Von historischen Bauten zu Krippenfiguren? Ja, für den Drensteinfurter Günter Koch irgendwie ein durchaus logischer Schritt. Denn schließlich hat beides mit sehr viel Feinarbeit und Liebe zum Detail zu tun. Und genau derer bedurfte es, um die alten Figuren aus Münsters Norden wieder herzurichten. Hier fehlte eine Nase. Dort war es die Hand.

Und auch an manchen Gewändern hatte der Zahn der Zeit – oder die jeweilige Verpackungskiste für die „krippenfreie Zeit“ – seine oder ihre Spuren hinterlassen. Um die beschädigten Stellen der Gipsfiguren auszubessern, hat Koch übrigens sein ganz eigenes Rezept: „Eine Mischung aus Gips und Porzellan“, verrät er. „Die hält deutlich besser als reiner Gips.“

Dass der Drensteinfurter Bastler sich um eine münsterische Krippe kümmert, hat übrigens einen einfachen Grund. Denn bereits seit einigen Jahren arbeitete Koch auch für Hildegard und Bernhard Kuhlmann, die an der Salzstraße das bekannte Fachgeschäft für Kerzen, Devotionalien und Kunst betreiben, das, wie berichtet, zum Jahresende schließt. Und wenn einer von Kuhlmanns Stammkunden Hilfe bei der fachgerechten Restauration alter Kunstwerke gesucht hatte, dann klingelte bei Günter Koch das Telefon.

So auch, als es um die alten Krippenfiguren aus St. Marien ging, mit der Küsterin Walburga Balsliemke im Traditionsgeschäft an der Salzstraße vorstellig geworden war – und die wenig später im Kochschen Keller am Ahlener Weg in Drensteinfurt lagen.

Die Geschichte der sogenannten „Krippe von St. Marien“ ist übrigens eng mit der Historie der münsterischen Pfarrgemeinde verbunden. Wie den Aufzeichnungen dazu zu entnehmen ist, fand im Jahr 1929 der erste Gottesdienst in Sprakel statt – und zwar in einem Klassenraum der alten Sandruper Schule, die sich neben der Gaststätte „Sandruper Baum“ befand. Im selben Jahr zogen die damalige Lehrerin Änne Veltkamp und ihre Schwester Josephine Stockmann von Haus zu Haus, um Spenden für eine Weihnachtskrippe zu sammeln. Gekauft wurde sie schließlich in einer münsterischen Kunsthandlung.

Rechtzeitig zum Weihnachtfest im Jahr 1929 baute der spätere Küster Joseph Möllers dann auch einen passenden Stall aus Birkenholz, den er jedoch bereits im Jahr darauf durch eine Grotte aus „Knubben“ ersetzte. Die dafür notwendigen Baumwurzeln sammelte Möllers nach und nach von den umliegenden Bauernhöfen.

Die etwa 45 Zentimeter großen Gipsfiguren – zur Zeit der Herstellung in den 1920er-Jahren galt Gips noch nicht als Massenware – glänzen nun wieder wie am ersten Tag. In mühevoller Feinarbeit hat Günter Koch die Statuen zunächst von Schmutz, Staub und Kerzenwachs befreit, um danach fehlende Ecken, Kanten und Gliedmaßen neu zu formen, sie anzubringen und natürlich auch zu bemalen. „Die Farben dafür wurden extra angerührt, damit sie möglichst original aussehen“, erzählt der Tüftler, der mit dem Ergebnis zufrieden ist. Wie auch Küsterin Walburga Balsliemke, die die fertig restaurierten Figuren sorgsam in ihren Kofferraum gepackt hatte, um sie zurück in ihre angestammte Heimat zu bringen.

Dort liegen sie nun wieder in den bewährten Händen des Krippenbauteams von St. Marien, dessen Mitglieder das Weihnachtsensemble am morgigen Sonntag rechtzeitig zum Fest wieder in der St.-Marien-Kirche aufbauen und präsentieren wird.

Startseite