Wie das Freie Musical Ensemble die Corona-Pandemie übersteht

„Wir brauchen Planungssicherheit“

Münster-Gievenbeck

Das „Freie Musical Ensemble Münster“ mit Sitz in Gievenbeck besteht seit über 20 Jahren – rein ehrenamtlich – und entwickelt sich von Jahr zu Jahr mit wachsender Leidenschaft und Begeisterung. „In dieser Zeit haben wir mehrere deutsche Erstaufführungen in eigenen Übersetzungen auf die Bühne gebracht“, freut sich Ensemblesprecher Marvin Stoppelkötter. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Wir sprachen mit Marvin Stoppelkötter über die vergangenen 15 Monate und die Zukunft.

Von Peter Sauer

Beim Schlussbild der 2019-Aufführung des Stücks „Titanic“ freute sich das Freie Musical Ensemble Münster bereits auf ihr nächstes Stück im Jahre 2020. Derzeit ist noch offen, ob aufgrund der Corona-Pandemie 2021 ein eigenes Stück zur Aufführung gelangt.. Foto: Christian Dabringhaus/FME

Wer ein Instrument beherrscht, seine Stimme für bühnentauglich hält und Musiktheater liebt ist, der findet eine gute Heimat beim Freien Musical Ensemble Münster e.V (kurz: FME) mit Sitz in Gievenbeck. In 18 Musical-Produktionen haben die 75 Sänger und das 60-köpfige Orchester in mehr als 175 Aufführungen bislang über 60 000 Zuschauer begeistert. Doch dann kam im März 2020 der Kulturbetrieb durch die Corona-Pandemie zum Erliegen. Jetzt sinken die Inzidenzen. Gibt es Licht am Kultur-Horizont? WN-Mitarbeiter Peter Sauer sprach mit Marvin Stoppelkötter. Er ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des FME.

Welche Auswirkungen hat Corona auf Ihre Arbeit, vom März 2020 bis heute?

Stoppelkötter: Vor knapp 15 Monaten hatten wir unsere letzte gemeinsame Probe mit dem Ensemble und wenn uns jemand zu diesem Termin gesagt hätte, dass wir uns alle nun so lange nicht wiedersehen dürfen - vermutlich hätten wir alle einmal herzlich gelacht und mit der Probenarbeit fortgefahren. Angesichts der Größe unseres Ensembles – aktuell sind wir rund 70 Bühnendarsteller und um die 60 Orchestermusiker – haben die Beschränkungen erhebliche Auswirkungen auf unsere Arbeit, genauer: haben sie unmöglich gemacht.

Wie kann ich mir das vorstellen, zum Beispiel bei den Gesangsproben?

Stoppelkötter: Die Auflagen für Gesangsproben sahen im Sommer 2020 vor: Abstände von drei Metern zur Seite und vier Meter nach vorne. Damit ergab sich für uns eine notwendige Fläche von etwa 1 200 Quadratmetern. Zum Vergleich: die Bühne der Waldorfschule, auf der wir seit jeher spielen, hat etwa 120 Quadratmeter, eine Einfeld-Turnhalle liegt bei 400 Quadratmetern. Die Abstände sind zwar im Laufe der Corona-Zeit auf zwei Meter zu jeder Seite reduziert worden. Das hat uns aber leider auch nicht weitergeholfen. Zudem wurden die reduzierten Abstände so spät beschlossen, dass wir für die Ausarbeitung eines Bühnenprojektes nicht mehr genug Zeit hatten.

Marvin Stoppelkötter ist Pressesprecher des Freien Musical Ensembles mit Sitz in Gievenvbeck Foto: privat

Wie hat der Lockdown im November 2020 ihre weitere Arbeit erschwert?

Stoppelkötter: Aufführungen waren nicht möglich, wie auch unsere liebgewonnene Tradition des jährlichen Adventssingens. Auch konnte unser üblicher Jahresstart im Januar 2021 nicht stattfinden.

Was haben Sie stattdessen gemacht?

Stoppelkötter: Wir konnten ein wenig außerhalb der Bühne arbeiten. Unsere großartigen Choreographinnen haben über das letzte Jahr wöchentliche Zoom-Termine mit wechselnden Programmen angeboten: von gemeinsamen Work-outs über Schauspielproben und Yoga- oder Impro-Abenden bis zu Quiz- und Kochabenden wurden die Termine dankbar aufgenommen.

Das Freie Musical Ensemble Münster (FME) ist bereit für ein neues Stück.Das Foto zeigt das FME bei einem Treffen vor der Pandemie. Foto: privat

Waren denn Treffen möglich?

Stoppelkötter: Im Sommer 2020 haben wir, unter Einhaltung aller Regularien und mit Hygienekonzepten, zwei Wochenenden in unserem Bühnenlager verbringen und an unserem gewohnten Probenort immerhin einen Filmabend veranstalten können.

Jetzt gehen die Corona-Inzidenzen merklich runter. Wie geht es jetzt mit dem Freien Musical Ensemble Münster weiter?

Stoppelkötter: Der Vorstand trifft sich regelmäßig über Zoom, um über die Situation zu beraten. Aktuell können wir noch nicht mit Sicherheit sagen, wie sich das Jahr für uns entwickeln wird. Wir blicken jedoch hoffnungsvoll in die Zukunft. Die verfügbare Zeit für Proben wird natürlich immer knapper. Hinzu kommt, dass die Vorgaben aktuell Proben mit maximal 30 Personen zulassen.

Das klingt doch gut, oder?

Stoppelkötter: Klingt gut, ja, allerdings muss man sich vor Augen führen, dass wir sonst immer schon im Januar mit dem gesamten Ensemble proben, um den für uns charakteristischen Chorklang zu entwickeln. Nichtsdestotrotz geben wir unser Möglichstes und hoffen, dass wir noch in diesem Jahr zu unserem üblichen Turnus von einem Bühnenprojekt im Jahr zurückkehren können.

Wann nimmt das Freie Musical Ensemble Münster wieder den Probebetrieb auf?

Stoppelkötter: Wir sind seit Mai 2021 in regelmäßigen Treffen in der Vorbereitung einer neuen möglichen Spielsaison. Noch ist nicht klar, wann wir einen Probenbetrieb wieder aufnehmen können und wir möchten auch noch nicht verraten, worauf es in diesem Jahr hinauslaufen wird. Wir möchten jedoch so bald als möglich wieder zu unserem normalen Rhythmus, also ein Stück pro Jahr, zurückkehren

Wie hat sich das FME die ganze Zeit über Wasser gehalten?

Stoppelkötter: Durch unser Jubiläumsjahr 2019 haben wir ein kleines finanzielles Polster aufbauen können, welches es uns ermöglicht hat, unsere Fixkosten zu tragen. Das sind beispielsweise Kosten für unser Bühnenlager, unseren Fundus oder auch Mitgliedsbeiträge beim Chorverband. Hinzu kommt, dass wir vom Land NRW Unterstützung aus dem Fonds für die Kulturschaffenden erhalten haben.

Was benötigt das FME am Dringendsten an Hilfe?

Stoppelkötter: Was wir wirklich dringend brauchen ist eine signifikante, nachhaltige Entspannung der Situation, so dass wir unseren üblichen Probenturnus in der üblichen Stärke aufnehmen können. Wir brauchen Planungssicherheit für den Proben- und den Aufführungsbetrieb. Und natürlich freuen wir uns über finanzielle Unterstützung, damit wir unsere Reserven nicht bis aufs äußerste ausreizen müssen und genug Rücklagen für die für ein Bühnenstück notwendige Ausstattung vorhanden sind.

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