1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Wolbeck
  6. >
  7. Deutsch ohne Stelzen: Ottilie Baranowski erzählt up Platt

  8. >

Wolbeck

Deutsch ohne Stelzen: Ottilie Baranowski erzählt up Platt

Andreas Hasenkamp

Münster-Wolbeck - Selten fällt Ottilie Baranowski ins „Dütsk up Stelten“, das „Deutsch auf Stelzen“. Auf Plattdeutsch erzählt sie, frei über ihr Leben, vorlesend aus eigenen und fremden Gedichten und Geschichten. Mit den ersten Sätzen zaubert sie am Donnerstag schon Freude in den Awo-Treff, später wird trotz „Apenhitze“ viel gelacht.

Einige gute Bekannte heißen sie willkommen, darunter Hildegard Müller, die als Lehrerin selbst Platt unterrichtete, und zwei ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins, Bernhard Bußmann und Bernhard Roer. Und als sie ein Gedicht über ein Neugeborenes vorliest, spricht Elisabeth Reichelt aus Angelmodde es lautlos mit, auswendig. Und rät: „Drink men Water!“

Die Familiengeschichte verbindet Baranowski mit Westpreußen: Der Vater kam aus Karthaus nahe Danzig. So kennt sie auch den Drostenhof mit dem Westpreußischen Landesmuseum. Über Bevergern und dessen Täufer ist sie ebenfalls mit Wolbeck verbunden. Gut kannte sie den Redakteur Heinrich Füser aus Wolbeck, ebenso Augustin Wibbelt und Anton Aulke.

Die Schulzeit stand für die 1925 Geborene unter dem Einfluss des Nationalsozialismus, erinnert sie sich mit Abscheu. Sie hatte in der Schreibabteilung die Wehrmacht zu unterstützen. Im Vorzimmer ihres Majors beim Luftgau-Kommando an der Manfred-von-Richthofen-Straße stand sie Wache, wenn der englische „Feindsender“ hörte. Am 20. Juli 1944 eröffnete der Major der 18-Jährigen, dass er beim Widerstand sei. „Sagen Sie bloß nichts, sonst sind wir beide dran.“

Baranowski wollte immer Lehrerin werden, doch nach dem Krieg hieß es: „Wir müssen zuerst die Männer unterbringen.“ Mit 70 begann sie, die plattdeutsche Sprachschule im Mühlenhof zu leiten. Ihr eigenes Platt, sagt sie, liege zwischen dem Bevergerner Platt und dem zentral-münsterlander Platt.

Geboren ist Ottilie Baranowski in Bevergern, 40 Jahre hat sie in Münster gearbeitet. Zunächst in der Arbeitsverwaltung, dann war sie beim LWL zuständig für überörtliche Sozialhilfe.

Baranowski war von 1984 bis 1997 Geschäftsführerin der Augustin-Wibbelt-Gesellschaft. Häufig trat sie als Schauspielerin bei der Niederdeutschen Bühne Münster auf.„Max und Moritz“ hat sie ins Plattdeutsche übersetzt, auch englische Literatur. Sie erhielt zahlreiche Preise. Heute lebt sie in Brochterbeck bei ihrem Bruder.

Startseite
ANZEIGE