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Jugendliche gestalten nachdenkliche Rede und singen jüdische Lieder im Schulzentrum

„Helmut Pins war einer von uns“

Münster-Wolbeck

Zahlreiche Schüler und Schülerinnen nahmen an der Gedenkveranstaltung im Schulzentrum Wolbeck teil

Iris Sauer-Waltermann

Unter Leitung des Musikkurses der Q2 sangen die Schülerinnen und Schüler zwei jüdische Lieder, die vom Frieden handelten. Foto: isa

„Helmut Pins war 19 Jahre alt, als er am 13. Oktober 1941 nach Riga deportiert wurde.“ Jasper Wieczorek schlug seine Zuhörer in den Bann, als er gestern Vormittag die Geschichte der Juden im Nationalsozialismus anhand lokaler Fälle skizzierte. Helmut Pins sei als Opfer ebenso „einer von uns gewesen“ wie viele seiner Wolbecker Nachbarn, die ihn nach und nach ausgegrenzt hatten, berichtete der Schüler. Wie in vielen anderen Einrichtungen wurde auch im Wolbecker Schulzentrum der 75. Jahrestag der Befreiung der Opfer des Konzentrationslagers Auschwitz begangen.

Gemeinsam mit seinem .Mitschüler Robin Brandt erinnerte Jasper Wieczorek zunächst an die Geschichte der Wolbecker Familie Pins: Wie seine Eltern und Geschwister wurde Helmut Pins von den Nationalsozialisten deportiert, er überlebte als einziger. „An dem heutigen Gedenktag erinnern wir an das wohl schrecklichste Verbrechen der Menschheit“, unterstrich Wieczorek. Nie wieder dürfe es „eine gesellschaftliche Akzeptanz für Ausgrenzung, Feindbilder und Rassismus geben“.

Eingeladen zu der Veranstaltung hatte Susanne Brinkmann, deren Musikkurs Q2 einen weiteren wesentlichen Bestandteil zum Programm beitrug. Die Schülerinnen und Schüler hatten zwei jüdische Lieder einstudiert und banden die Zuhörer in den Gesang mit ein. Außerdem stand die Gedenkveranstaltung in engem Zusammenhang mit zwei Geschichtskurs-Aktionen des Gymnasiums: einer Ausstellung im Schulzentrum zum Thema „ Die Geschichte der Wolbecker Juden während des Dritten Reiches“, die noch etwa zwei Wochen zu sehen ist. Und mit einem digitalen Stadtrundgang durch Wolbeck unter dem Titel „Nachbarschaft während der NS-Zeit.“

Bei den Kindern und Jugendlichen, die sich in der Pause im pädagogischen Zentrum von Hauptschule, Realschule und Gymnasium einfanden, traf die Gedenkveranstaltung auf ein positives Echo. „Die furchtbaren Ereignisse muss man immer im Gedächtnis behalten“, erklärte etwa der 16-Jährige Simon. Es sei schlimm, was Deutsche Deutschen angetan hätten. „Wichtig ist, dass wir alle zusammen immer wieder darüber sprechen“, pflichtet ihm seine 18-jährige Nachbarin bei.

„Wir haben die Geschichte der NS-Zeit auf das lokale Geschehen heruntergebrochen“, bekräftigte Schulleiterin Edith Verweyen-Hackmann, die sich „sehr stolz“ auf die Schülerinnen und Schüler zeigte. Die Initiative zu der Veranstaltung sei von den jungen Leuten ausgegangen. „Damit haben wir unser Erziehungsziel erreicht“, so die Schulleiterin.

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