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Erinnerungen an die immergrüne „Hüterin“ des Drostenhofparks

In Wolbeck steht die älteste Eibe

Münster-Wolbeck

Im Garten des Drostenhofs steht ein ganz besonderes Naturdenkmal: Eine 350 bis 400 Jahre alte Eibe. Franz-Pius Graf von Merveldt kennt sie schon aus der Zeit, als er seine Großeltern dort besuchte.

Peter Sauer

Franz-Pius Graf von Merveldt, dessen Familie seit 1389 in Wolbeck nachgewiesen ist, kennt die alte Eibe seit seiner Kindheit, als er seine Großeltern regelmäßig in Wolbeck besuchte. Eiben sind mittlerweile vom Aussterben bedroht

Bevor nach Aussagen des Hausherrn Benedikt Graf von Merveldt am 31. März der Drostenhofpark geschlossen wird, lohnt ein Blick auf die Geschichte des Parks – auch als Anregung für Last-Minute-Spaziergänge.

Während Torhaus und Herrenhaus Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet wurden, gibt es für den Park bislang keine Belege aus jenen Tagen. Das älteste Zeugnis kann man aber auch heute noch bestaunen.

Folgt man vom Drostenhof aus dem Mittelweg, erblickt man im hinteren Teil auf der linken Seite eine alte Eibe, die immer noch gut im (breiten) Wuchs ist. Die „größte, älteste und schönste Eibe in Münster“ (Gartenbauamt Münster) wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Naturdenkmal eingestuft. Ihr Alter wird auf etwa 350 bis 400 Jahre geschätzt.

Laut Einschätzung von LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen soll die Fläche hinter dem Drostenhof seit dem späten 18. Jahrhundert als Garten genutzt worden sein. Der Maler Bernhard Pankok zeichnete 1891 mit Bleistift eine weite Wiese mit jenen locker gepflanzten Rotbuchen, Eichen und Lärchen, die auch heute noch dort stehen.

Ortschronist Ferdinand Zumbusch, der damals als Oberrentmeister des Amtes Wolbeck im Torhaus des Drostenhofes wohnte, berichtet 1902 von einen „Hauptgarten“ und einem „Niederen Garten“, der im Süden des Anwesens zur Anzucht von Gemüse und Obst bewirtschaftet wurde. Das belegen auch Fotos aus der Zeit um 1930, die im Besitz von Franz-Pius Graf von Merveldt sind.

Da der Eigentümerfamilie von Merveldt der Aufwand zur Bewirtschaftung und Pflege zu groß wurde, verpachteten sie den Garten in den 1960er Jahren an die Gemeinde. Mit der Anerkennung von Wolbeck als Kneipp-Kurort 1966 wurde der Drostenhofpark zu der öffentlichen Grünanlage umgestaltet, die man heute kennt.

Mit dem Durchbruch an der nördlichen Gartenmauer wurde eine Wegeverbindung in den Ort geschaffen. Die alte Umflut wurde als Teich ausgebaut. Im Schatten der Eibe gab es für wenige Jahre ein Wasserbecken für Armbäder und ein Wassertretbecken – bis die Kurort-Idee regelrecht baden ging.

Seit ein paar Jahren steht die Eibe auf dem Privatgrundstück von Franz-Pius Graf von Merveldt, der seinen barrierefreien Alterswohnsitz aus dem Park ausparzellierte. „Es ist Teil des früheren Obst- und Gemüsegartens meiner Großeltern Franz und Helene“, erinnert sich von Merveldt im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der 78-Jährige kennt die Eibe seit seiner Kindheit, als er seine Großeltern das erste Mal in Wolbeck besucht hatte. „Die Eibe fiel mir sofort auf.“

Von 1946 bis 1972 wohnte Merveldt auf Haus Lütkenbeck. „Ich erinnere mich noch daran, dass hier früher eine Maulbeerbaumreihe war und wir immer die leckeren Beeren gegessen haben. Und Mirabellen gab es auch.“

Mittlerweile steht die Eibe, deren Nadeln, Holz und Beeren übrigens giftig sind, in seinem Privatgarten. „Die Stadt hat sich aber ausbedungen, dass sie ungehinderten Zugang zu dem Baum als Naturdenkmal hat und die Eibe nicht bearbeitet werden darf.“

So entfaltet sich die Eibe so frei, wie sie will. Trotz niedriger Hecke und Zaun: Jeder Besucher des Drostenhofparks kann das Prachtexemplar schon von weitem gut erkennen.

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