1. www.wn.de
  2. >
  3. Muenster
  4. >
  5. Wolbeck
  6. >
  7. Ist der Glaube noch alltagstauglich?

  8. >

Buchautorin Christine Schniedermann 

Ist der Glaube noch alltagstauglich?

Münster-Wolbeck

Christine Schniedermann hat einen Teil ihrer Kindheit in Wolbeck verlebt, heute wohnt die Journalistin in München. Wie Glaube und Kirche am besten in den Alltag eines Kindes eingebunden werden, darum geht es in ihrem neuem Buch.

Von Markus Lütkemeyer

Christine Schniedermann wuchs im Münsterland auf, besuchte das Gymnasium in Wolbeck und arbeitete für verschiedene Zeitungen sowie als Büroleiterin im Bundestag. Als freie Journalistin lebt sie mit ihrer Familie in München. Foto: Nina Stehr

Was, wenn morgen Jesus vor der Tür steht? Christine Schniedermann hat diese Frage einer Gruppe Kindern gestellt, die sie auf die Erstkommunion vorbereitet. Ein Kind hatte eine besonders interessante Antwort: „Ich würde Jesus meinen Hamster zeigen.“ Der Satz hat es auf das Cover ihres neuen Buchs geschafft.

„Der Satz scheint etwas mit den Menschen zu machen“, schmunzelt sie. Und so falsch ist er ja schließlich nicht: Sein Haustier zeigt man vielleicht nur Familien und Freunden. Es ist auch ein Vertrauensbeweis.

Die Autorin Christine Schniedermann ist in Wolbeck zur Schule gegangen. „Ich habe noch lebhafte an Erinnerungen an die Schulgottesdienste in der St.-Nikolaus-Kirche. Das ist wirklich eine sehr schöne Kirche.“ Ihr neues Buch beschäftigt sich mit dem Glaubensalltag mit Kindern. „Vieles von dem, was in der Bibel steht, eignet sich als Rüstzeug für den gesamten Lebensweg.“

Zwischen Taufe und weiterführender Schule

Sie ist allerdings auch der Meinung: Der Glaube müsse heute anders gelebt und die Geschichten neu erzählt werden. Ihr Buch richtet sich an Familien mit Kindern im Grundschulalter, es deckt die Zeit zwischen der Taufe und der weiterführenden Schule ab. Es ist ihr erstes Fachbuch. Und überhaupt das erste Buch mit einem Glaubensthema. Fremd sind ihr die Themen aber nicht: „Jahrelang habe ich eine Familienkolumne für die Familienseite der Kirchenzeitung Kirche und Leben geschrieben.“ Auf der Frankfurter Buchmesse entstand die Idee, ein Buch über die Glaubensvermittlung in heutiger Zeit zu schreiben.

Das Buch erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem selbst im beschaulich-katholischen Münster lebhaft und sehr kritisch über kirchenpolitische Themen gestritten wird. „Dass Frauen nicht in allen Ämtern der katholischen Kirche zugelassen sind, fand ich schon als Teenager unsinnig“, kommentiert Schniedermann die Debatte um „Maria 2.0“. „Meine Tochter sagt immer: Gott kann auch eine Frau sein.“

Individuelle Glaubensvermittelung

Das Buch ist Zeugnis dafür, dass Glaubensvermittlung heute individueller ist als in vergangenen Jahrzehnten. „Für meine Oma war klar: Sonntags geht es zur Kirche.“ Aber das war es dann auch schon – privat habe der Glauben und die Bibel kaum eine Rolle gespielt.

Das ist in ihrer Familie anders. „In der Coronazeit konnte Religion fast nur noch privat stattfinden und wir haben öfter zur Kinderbibel gegriffen.“ Ist der Glauben denn heute noch alltagstauglich? Mit vielen witzigen Anekdoten aus ihrem Familienalltag will Christine Schniedermann genau das beweisen.

Christine Schniedermann

Es geht um Tischgebete, Abendrituale sowie liebevolle Familientraditionen rund um das Kirchenjahr. Eine ihrer Lieblingsgeschichten (und die ihrer Kinder) ist die Geschichte vom Außenseiter Zachäus. Letztendlich geht es darin um Mobbing – und Vergebung. Christine Schniedermann ist überzeugt: „Die Inhalte des Glaubens sind alltagstauglich.“

Sogar in einer ganz typischen modernen Familie: Ihr Mann ist Ostberliner und nicht getauft.

Startseite