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Der Wolbecker Alexander Zakharov

So lebt es sich als Künstler: Schwimmen zwischen Steinen

Münster-Wolbeck

Wie lebt es sich als international bekannter Künstler, wild und frei zwischen Ausstellungen in Malmö, Miami und Moskau? Alexander Zakharov wohnt in Wolbeck und hat die perfekte Metapher gefunden: „Es ist ein Schwimmen zwischen Unterwassersteinen.“

Markus Lütkemeyer

Neuerdings Erotik: Alexander Zakharov stammt aus der Ukraine, lebt aber seit 1990 in Westfalen. Für seine nächste Ausstellung versucht er sich erstmals an erotischen Motiven. Auch in diesem Genre strahlen seine Bilder traumwandlerische Zuversicht aus. Foto: mlü

Natürlich müsse er nie zur Arbeit fahren, arbeitet nur nach seinem Rhythmus: „Künstler haben ein schönes Leben. Aber keine Garantien.“ Nun habe die Wirtschaftskrise die Szene erfasst. Eine Schweizer Galerie, bei der er ausgestellt hatte, musste schließen. „Man darf den Kopf nicht hängen lassen. Ich lebe noch.“

Seit zwei Jahren wohnt das Kind russischer Eltern in Wolbeck. „Ich wollte nie nach Deutschland“, gibt er unumwunden zu. Zakharov wurde 1957 in Kiew geboren, studierte zunächst Biologie, bevor er die Kunstakademie besuchte. Aber wie fasst man Fuß auf dem Kunstmarkt und schafft es, damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? „Glück braucht es schon. Aber auf das Glück muss man vorbereitet sein.“ Und dafür braucht es Fleiß und manchmal die richtige Strategie: „Ich versuche ästhetisch zu malen.“ Das gefalle den Kunden manchmal mehr als „harte Kunst“, meint er.

Seit 1990 lebt er der Liebe wegen im flachen Westfalen. Es erinnert ihn an die Weite im Land seiner Herkunft. Kunst wollte er schon immer machen. „Mein Urgroßvater war Künstler. Das war noch im russischen Zaren-Reich“, meint er und macht eine wegwerfende Handbewegung.

In seinem Leben spielte der Zusammenbruch der Sowjetunion eine große Rolle. „Auf einmal ein Boom – neue Firmen, neue Leute, das erste Mal durften wir reisen.“ Prompt eröffnete er mit seiner damaligen Künstlergruppe eine Ausstellung in Schweden. „Die Reise führte über Berlin, es war seltsam einfach durch die Mauer zu gehen.“ Später hingen seine Bilder in Bielefeld. Dabei lernte er seine Frau kennen. „Eine Ärztin in Telgte. Wenn es der Welt gut geht, kommen die Menschen zu mir, wenn es schlecht geht zu ihr.“ So hätten sie sich das Schicksal aufgeteilt, sagt er mit der gleichen traumwandlerischen Zuversicht, die auch seine Bilder ausstrahlen.

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