Interview mit Bezirksbürgermeister Rolf-Dieter Schönlau
„Stadt hat soziale Verpflichtungen“
Münster-Südost
Rolf-Dieter Schönlau ist erst der zweite Bezirksbürgermeister, den die SPD im Südosten Münsters stellt. Nach seiner Wahl bezeichnete er den Stadtbezirk als „einen der spannendsten“. Denn kein anderer Teil Münsters sei so im Wandel.
Im Gespräch mit dem WN-Redakteur Markus Lütkemeyer wagt er einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen.
Sind sie schon über die neue Ortsumgehung gefahren?
Rolf-Dieter Schönlau: Ich war bei der Eröffnung dabei, ansonsten muss ich gestehen: noch nicht.
Stichwort Ortskernneugestaltung. Wann erwacht Wolbeck aus dem Dornröschenschlaf?
Schönlau: Ich hoffe, dass es jetzt bald losgehen wird. Wir beginnen mit dem Marktplatz in Wolbeck und dem Kreisverkehr an der Kreuzung von Hiltruper Straße und Berler Kamp.
Im Stadtbezirk wurden in der Heidestraße, am Angelsachsenweg und auf dem Hof Buddenbäumer Flüchtlinge untergebracht. Wie steht es um die Willkommenskultur?
Schönlau: Es haben sich viele Freiwillige gemeldet, die Sprachkurse geben, die Behördengänge begleiten oder sie in Sportvereine mitnehmen. Die Kirchen und andere Organisationen haben sich zu einem ökumenischen Arbeitskreis zusammengefunden und das Sozialamt hat mitgespielt. Der Bezirksbürgermeister hat im Namen der Bezirksvertretung den Flüchtlingsfamilien Eintrittskarten für den Hiltruper Weihnachtscircus gespendet. Thomas Egbers, der Zirkusdirektor, ist uns preislich entgegen gekommen. Für die 50 jungen Männer von der Nieberdingstraße gab es einen Obstkorb. Der Inhaber des Gremmendorfer Fruchtmarktes hat uns dabei unterstützt. Das alles zeigt, dass es eine Allianz der Hilfsbereitschaft in Münsters Südosten gibt und da bin ich sehr froh drüber.
Zünglein an der Waage im Stadtteilparlament ist die Piratin Birgit Hemecker. Mit ihr stehen und fallen die Mehrheiten. Regieren letztlich die Piraten?
Schönlau: Nein. So läuft das nicht. Wir haben keine Koalition, sondern eine Kooperation vereinbart. Das schließt nicht aus, dass man im Rahmen einer guten Zusammenarbeit gelegentlich auch durchaus einmal unterschiedlicher Meinung sein kann. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man auch mit wechselnden Mehrheiten gute Beschlüsse fassen kann. Wir sind auch nicht immer unterschiedlicher Meinung mit der CDU. Beim Haushalt und in anderen Dingen gab es zum Beispiel einstimmige Beschlüsse. Man muss nicht immer Kontra sein. Anderseits muss ich schon sagen, dass die CDU ihre Rolle in der Opposition noch finden muss, das merkt man deutlich. Im nächsten Jahr ist Oberbürgermeisterwahl, das macht sich schon bemerkbar.
Ist nach der Ortsumgehung vor dem Ausbau des Albersloher Weges?
Schönlau: Da muss man ein Gesamtkonzept betrachten. Es geht auch um die Entlastung des Individualverkehrs durch Busse oder die Reaktivierung der Westfälischen Landeseisenbahn. Der Albersloher Weg in Gremmendorf ist bereits vierspurig ausgebaut, es geht jetzt um den Abschnitt bis zum Osttor. In dem Bereich wird nach den Prognosen der Stadt der Verkehr konstant bleiben. Wir sind deswegen der Meinung: da kann man es bei den zwei Spuren belassen. Wir sollten aber sehen, dass wir zumindest die Straße verschönern, renovieren und in einen Fahrrad- und Fußweg investieren.
Worüber reden wir im nächsten Jahresrückblick?
Schönlau: Das Thema Flüchtlinge wird uns weiterhin beschäftigen. In Angelmodde ist unser Sorgenkind der Clemens-August-Platz. In Gremmendorf hoffe ich, dass sich die Stadt bis Mitte des Jahres mit der Bima einigen kann über den Ankauf des Kasernengeländes. Ich würde mir wünschen, dass die Planungen auch ein Bürgerhaus vorsehen. Die Nahverkehrsanbindung: Da wird zu überlegen sein, wie man die Loddenheide besser anbindet. Auch die Nachtbusverbindung zum Hafen könnte perspektivisch ausgebaut werden, vielleicht nicht nächstes Jahr, aber noch in meiner Amtszeit.
Gibt es zum Lancier-Gelände neue Nachrichten?
Schönlau: Der Großteil ist zwar in der Hand eines Investors, aber es gibt am Rande noch einige als Gewerbegebiete ausgewiesene Grundstücke. Diese Flächen will die Stadt erwerben und umwidmen, weil ansonsten Abstände zwischen Gewerbegebiet und Wohnbebauung eingehalten werden müssten. Das wären dann verschenkte Flächen. Die Verhandlungen mit den Eigentümern laufen noch.
Ihre Wünsche für 2015?
Schönlau: In Wolbeck gibt es den Jugendbahnhof. So etwas würde ich mir für Gremmendorf wünschen. Außerdem müssen Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen in den Planungen berücksichtigt und entsprechende Wohnformen eingerichtet werden – die Chance gibt es auf dem Kasernengelände und bei den Britenhäusern. Ich hoffe, dass die Stadt das berücksichtigt, und nicht nur der Vermarktungsgewinn im Vordergrund steht. Die Stadt hat auch soziale Verpflichtungen und Aufgaben.
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