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Reaktionen aus der SPD und der Bürgerinitiative zur neuen Eschstraßen-Debatte

„Stillstand nicht hinnehmbar“

Münster-Wolbeck

Die Stadtverwaltung sieht keinen Spielraum für eine Neugestaltung des Wolbecker Ortskerns – und plant erneut einen Anschluss der Eschstraße an die Wolbecker Ortsumgehung. Die SPD will das nicht hinnehmen.

Von Markus Lütkemeyer

Als der Wolbecker Ortskern im Oktober 2021 gesperrt war, rollte eine Blechlawine durch die Nebenstraße. Aus Sicht der Verwaltung der Beweis, dass eine Verkehrsberuhigung erst nach dem Ausbau der Eschstraße möglich ist. Die SPD und die Bürgerinitiative widersprechen. Foto: mlü

Die Verkehrsexperten der Stadt Münster haben in dieser Woche ihren Standpunkt erneut klar gemacht: Ohne den Anschluss der Eschstraße an die Ortsumgehung Wolbeck sei eine Neugestaltung des historischen Wigbolds unmöglich. Im Sommer wird daher ein erneuter Anlauf für einen Bebauungsplan gestartet. Wie reagiert das aktuelle Ratsbündnis?

„Die Verkehrssituation in Wolbeck entwickelt sich zu einer unendlichen Geschichte“, ärgert sich die SPD. Das erste Planfeststellungsverfahren für eine Verbindung der Umgehungsstraße mit dem Ortszentrum stammt aus dem Jahre 2010. Die juristischen Auseinandersetzungen endeten 2017 mit dem Urteil des OVG Münster in letzter Instanz, das den Bebauungsplan als rechtswidrig erachtet hat: also nach mehr als sechs Jahren.

„Bei einem erneuten Bebauungsplanbeschluss werden wieder mehrere Jahre juristischer Auseinandersetzung bis zu seiner Rechtsgültigkeit verstreichen“, plädiert die SPD in einer Pressemitteilung auch weiterhin dafür, dass die Ortskerngestaltung vorgezogen wird – unabhängig vom Ausbau der Eschstraße.

Fehlender Grunderwerb

Sollte es der Planungsverwaltung diesmal gelingen, dass der Bebauungsplan Rechtskraft erlangt, stelle sich noch das Problem des Grundbesitzes. Nach wie vor befinden sich wesentliche Teile der erforderlichen Flächen nicht im Besitz der Stadt Münster. „In diesem Jahrzehnt“, so das Resümee der SPD-Ratsfrau und -Landtagskandidatin Sandra Beer, „wird an der Eschstraße kein Bagger rollen.“ Es müsse die Frage gestellt werden, ob weiterhin Planungskapazitäten der Verwaltung verschwendet werden sollen.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass für die Bürgerinnen, Bürger und Gewerbetreibende weitere zehn Jahre Stillstand herrscht! Sie dürfen erwarten, dass die Verwaltung mehr Kreativität entwickelt und alternative Vorschläge hört, um sinnvolle Lösungen zu finden.“ Das Beharren darauf, dass zuerst der Verkehr reduziert werden muss, bevor etwas passiert, komme einer Offenbarung gleich.

Auch die Bürgerinitiative „Rettet den Esch“ will sich der Einschätzung der Stadtplaner nicht beugen. Die Vorsitzenden Ernst Mackel und Bernhard Jauernick sprechen von einer „verqueren Strategie“ der Stadtverwaltung. Sie laute offenbar: „Wir müssen erst den Verkehr beruhigen, um den Verkehr beruhigen zu können“. Die Stadtverwaltung wolle nicht die Wünsche und Vorgaben der Politik umsetzen, „sondern ihr Ding durchziehen“.

Stadtverwaltung argumentiert mit Verkehrszählung

Ein Rückblick: Derzeit rollen täglich rund 8600 Fahrzeuge durch den historischen Ortskern von Wolbeck. Zahlreiche verkehrsberuhigende Maßnahmen sind aber erst ab 4400 Fahrzeugen pro Tag sinnvoll, argumentierten die städtischen Verkehrsplaner in einer Sitzung der Bezirksvertretung Südost am Dienstag. Sonst weiche der Verkehr einfach auf die Nebenstraßen aus.

Als Beispiel nannten sie die Sanierung der Münsterstraße im Oktober 2021, als selbst Fahrradfahrer auf der Dirk-von-Merveldt-Straße im Stau stecken blieben. „Die einzige Lösung ist unserer Meinung nach die Anbindung an die Eschstraße“, so Gerhard Rüller vom städtischen Tiefbauamt.

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