Aus der Heimatchronik von Heinrich Schmeken

Wie Wolbeck zur Ziege kam

Münster-Wolbeck

Die Ziege ist Wolbecks heimliches Wappentier. Wie es dazu kam, hat der Heimatchronist Heinrich Schmeken aufgeschrieben. Spoileralarm: Es hat auch etwas mit Rattenplagen und Schnurrbärten zu tun.

Von Iris Sauer-Waltermann

Das Ziegenbocksdenkmal am Marktplatz in Wolbeck Foto: isa

„Welches ist der höchste Feiertag?“, fragte eine Lehrerin im Jahr 1865 einmal im Unterricht. „Siegenbucksmaundag in Wolbeck“, soll die 13-jährige Sophie geantwortet haben. Dass der Ziegenbock und sein Ehrentag – der Ziegenbocksmontag – sowie später die gleichnamige Karnevalsgesellschaft „ZiBoMo“ im Wigbold traditionell eine große Rolle spielten, davon berichtet Heinrich Schmeken in seiner „Geschichte Wolbecks. Unsere Zeitung hat die Chronik, die 2020 vom örtlichen Heimatverein neu herausgegeben wurde, in Auszügen vorgestellt.

Ziegen wurde in früheren Zeiten besondere Heilkraft zugeschrieben. Man glaubte, dass der penetrante, scharfe Geruch Seuchen und Krankheiten bei Tieren und Menschen heilen konnte. Daher gingen laut Schmeken Ziegen etwa bei Soldateneinheiten voraus, um Rattenplagen abzuwehren. Um das Jahr 1900 soll es in Wolbeck über 230 Ziegen auf Höfen und in Haushalten gegeben haben.

Die Tiere waren auch das Hobby von Dr. Hermann Peters, der ab 1925 in Wolbeck eine Zahnarztpraxis führte. Während seiner Studienzeit in Münster hatte er sich mit dem „Ziegenbaron“ Alfred von Renesse angefreundet, der kranke Kinder mit Ziegenmilch heilte und der für seinen Humor und seine tollen Streiche bekannt war.

Die Wiedergeburt des Ziegenbocksmontags

Auch Hermann Peters, genannt „Pewo“ (Peters-Wolbeck) war kein Kind von Traurigkeit. 1952 zum Vorsitzenden des Heimatvereins gewählt, setzte er seinen Ehrgeiz daran, den schon existierenden, aber „etwas heruntergekommenen“ (so Schmeken) Ziegenbocksmontag wieder zu beleben.

Bis etwa 1950 nämlich waren Männergruppen am besagten Feiertag mit einem Ziegenbock betrunken durch den Ort gezogen. Sie sangen, gingen in die Häuser und „nahmen sich eigenmächtig Würste, Eier und Schnaps“, zitiert Schmeken ältere Wolbecker.

1954 wurde die KG ZiBoMo gegründet, der erste Umzug in neuer Form wand sich 1957 durch den Ortskern. Um Geld in die Vereinskasse zu spülen, ließ sich Pewo gegen 50 oder 100 Mark wiederholt seinen Spitzbart abrasieren. Das Geld trug auch zur Finanzierung des bekannten Ziegenbocksdenkmals bei, das 1959 aufgestellt wurde.

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