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Der alte jüdische Friedhof: Gedenkstein erinnert an ermordete Juden

Vom Hügel der zerstörten Burg, die Bischof Ludolf von Holte im 13. Jahrhundert errichten ließ, über den Drostenhof aus dem 16. Jahrhundert, den restaurierten jüdischen Friedhof und die alte Gartenbauschule berichten „stumme Zeugen“ bis heute aus Wolbecks bewegter Vergangenheit. 

Iris Sauer-Waltermann

Ein Gedenkstein aus Travertin erinnert an das traurige Schicksal der Wolbecker Juden. Foto: -isa-

Die Arbeitsgemeinschaft Wolbeck-Marketing des Bürgerforums lädt in ihrem Faltblatt „Wolbecker-Spaziergang“ alte Wolbecker und Neubürger dazu ein, sich näher mit der jahrhundertealten Historie des Ortes zu befassen. Die WN vollzieht den Rundgang nach.

Heute steht die zweite Station auf dem Programm, der jüdische Friedhof am Helmut-Pins-Weg. Wahrscheinlich wurde er im 18. Jahrhundert eingerichtet, nachdem sich die ersten Juden in Wolbeck niedergelassen hatten. Damals wurden die Wolbecker Christen noch auf dem Kirchhof der St.-Nikolaus-Kirche bestattet. Als man nach einem freien Platz für den jüdischen Friedhof Ausschau hielt, habe sich der Bereich angeboten, auf dem sich vormals der Befestigungswall der Stadt Wolbeck befunden habe, erläutert  der Heimatforscher Alfons Gernholt. Damit sei man auch der jüdischen Weisung entgegen gekommen, nach der sich die Lebenden nicht gemeinsam mit den Toten innerhalb der Stadtmauern aufhalten dürften.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Friedhof geschändet, die Grabsteine wurden beseitigt und das Areal verkauft.  „1953 erhielt die jüdische Kultusgemeinde den Teil des Friedhofs zurück, wo Bestattungen stattgefunden hatten“, erläutert Gernholt. Später fiel auch der restliche Teil  zurück an die jüdische Gemeinde, so dass der Friedhof heute wieder seine ursprüngliche Ausdehnung besitzt.

Der zentrale Gedenkstein wurde 1968 aufgestellt. Die Initiative dazu kam vom damaligen Wolbecker Bürgermeister Hubert Dammann, der Text stammt von Alfons Gernolt: „Zum Gedenken unserer jüdischen Mitbürger, die hier ihre Ruhestätte fanden und derer, die durch die Verfolgung in den Jahren 1933 bis 1949 ihr Leben lassen mussten.“ Angefertigt wurde der Stein vom Wolbecker Bildhauer Walter Grüntgens.

Im November 2006 wurde  auf Initiative der Bezirksvertretung Südost, des Bürgerforums und des Heimatvereins zusätzlich eine Glas-Stele aufgestellt, die die Namen von 28 jüdischen Mitbürgern auflistet, die zwischen 1933 und 1942 in Wolbeck lebten, dort aber nicht ihre letzte Ruhestätte finden konnten, da sie deportiert und ermordet wurden.

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