1. www.wn.de
  2. >
  3. Muenster
  4. >
  5. Steiniger Weg zur Ausbildungsstelle

  6. >

Neuntklässler suchen händeringend Praktikumsplätze

Steiniger Weg zur Ausbildungsstelle

Münster

In Münster suchen viele Betriebe sogar zum Ausbildungsjahr, das in diesem Sommer beginnt, noch Auszubildende. Wo das Problem liegt, zeigen Neuntklässler der Gesamtschule Münster-Mitte, die wegen Corona noch vor den Sommerferien dringend Praktikumsplätze suchen.

Von Karin Höller

Sie suchen wie viele ihrer Mitschüler der neunten Klasse wegen der Corona-Krise noch händeringend einen Praktikumsplatz (v.l.): Maria Clara, Meret und Hannes. Foto:

Betriebe suchen händeringend selbst für das ab dem 1. August beginnende neue Ausbildungsjahr noch Azubis. Die Arbeitsagentur meldet zum Stichtag 30. April immer noch 823 freie Ausbildungsstellen und nur 425 registrierte Bewerber in Münster. Und der DGB fordert angesichts des Bewerbermangels bereits die Schaffung von Wohnheimplätzen, um jungen Leuten in der hochpreisigen Stadt Münster eine Ausbildung schmackhaft zu machen.

Dabei liegt es nicht am mangelnden Interesse und Engagement der Jugendlichen, wie ein Besuch bei Neuntklässlern in der Gesamtschule Münster-Mitte zeigt. Sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr sind die Schülerpraktika ausgefallen.

Großer Frust bei Schülerinnen und Schülern

„Der Frust ist groß“, sagt Annette Kemper, Klassenlehrerin der 9a. „Viele Betriebe sind vorsichtig, vertrösten die Schülerinnen und Schüler auf einen späteren Zeitpunkt oder winken gleich ab.“ Hannes (16) hatte im vorigen Jahr einen Praktikumsplatz in einem großen münsterischen Hotel abgemacht. Doch dann kam Corona. Selbst der verschobene Praktikumstermin in diesem Jahr wurde wieder abgesagt. „Bevor ich eine Ausbildung beginne, will ich doch wissen, ob mir die Arbeit überhaupt liegt“, sagt Hannes. Einen Berufseignungstest hat er online auch schon gemacht. Aber theoretische Einschätzungen wie „Stärken in Kommunikation und Beratung“ ersetzen natürlich keine praktischen Erfahrungen.

Das findet auch Meret (15). Das große Feld der Medizin findet sie spannend, würde gern ein Praktikum bei einem Psychologen, in einer chirurgischen Praxis oder in der Radiologie machen. „Aber wegen Corona war bislang leider nichts möglich.“ Ihre Mitschülerin Maria Clara (16) gibt unumwunden zu: „Ich weiß noch gar nicht, was ich werden soll.“ Nur: „Interessant wäre etwas mit Menschen im sozialen Bereich.“ Der Praktikumsplatz, den sie sich in einem Jugendzentrum besorgt hatte, „wurde leider drei Tage vor dem Start abgesagt“. Frust macht sich auch langsam bei Neuntklässlerin Jette breit. Ob im Hotel, bei Ärzten oder im Labor – „ich habe viele Absagen bekommen“. Corona macht derzeit allen einen Strich durch die Rechnung.

Digitale Berufsberatung reicht nicht

Digitale Angebote der Berufsberatung der Agentur für Arbeit, die es nach wie vor auch in der Gesamtschule Münster-Mitte gibt, wie Wirtschafts-Lehrerin Jenny Delbrügge betont, könne die fehlenden Praktika jedoch nicht ersetzen.

Vielen Schülern laufe die Zeit davon, denn einige möchten im Sommer nächsten Jahres eine Ausbildung beginnen. „Sie müssen doch wenigstens einmal ausprobieren dürfen, ob der Beruf etwas für sie ist“, meint Klassenlehrerin Annette Kemper.

Deshalb habe man einen weiteren Anlauf gestartet und einen neuen Praktikumstermin für alle Neuntklässlerinnen und Neuntklässler vom 28. Juni bis 2. Juli angesetzt. Kemper: „Wer möchte, kann auch noch eine oder zwei Wochen in den Ferien dranhängen.“ Hannes, Maria Clara, Meret und Jette wären jedenfalls sofort dabei, beteuern sie.

Appell an Betriebe

„Jetzt müssen nur noch die Betriebe mitspielen“, hofft Fachlehrerin Jenny Delbrügge. Gesucht werden Praktikumsplätze aller Art – von handwerklichen Berufen bis hin zu akademischen, denn an der Gesamtschule Münster-Mitte sind alle Abschlüsse möglich.

Praktikumsplatz-Angebote nimmt die Gesamtschule Münster-Mitte ab sofort entgegen unter E-Mail:

kempera@gemm.ms.de oder unter

 0251/38 450 400

IHK hilft mit passgenauem Ausbildungsplatz

Corona fordert von Schülern einen hohen Selbstorganisationsgrad. „Beim Thema Berufswahl und Ausbildungsplatzsuche gibt es noch so viele Unsicherheiten“, stellt Sabine Mayer, Teamleiterin für Bildungspolitik und Ausbildungsberatung bei der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen fest. Deshalb gebe die IHK zusätzliche Unterstützungsangebote. 850 Gespräche zwischen insgesamt 260 registrierten Unternehmen und potenziellen Azubis seien im März über die Online-Plattform „Ausbildung sucht dich“ gelaufen. Immerhin, obwohl man sich über 1000 Gespräche erhofft hatte. Aktuell bietet die IHK mit ihrem Team „Passgenaue Besetzung“ Hilfe bei der Suche nach der passenden Ausbildungsstelle inklusive Bewerbungsunterlagen-Check und Tipps fürs Vorstellungsgespräch. „Die Schüler müssen nur den Mut haben, Kontakt aufzunehmen“, ermuntert Sabine Mayer – über den Chat www.ihk-nw.de/passgenau oder unter ‚ 0251/707-442 und -449. Die Online-Terminvereinbarung für ein digitales Beratungsgespräch läuft über www.ihk-nw.de/termin-passgenaue-besetzung. Zudem spricht die IHK die Eltern als wichtige Unterstützer bei der Berufsorientierung ihrer Kinder an. Die nächste Online-Veranstaltung unter dem Titel „Ausbildung sucht Nachwuchs! Sichere Zukunft für Ihr Kind!“ findet am 27. Mai um 18.30 Uhr statt. Und den Betrieben gibt die IHK Impulse zur Nachwuchsakquise mit dem Projekt INA.

Startseite