Debatte in der Bezirksvertretung

Studie zum Flyover bleibt weiter geheim

Münster

Über eine Stunde lang dauerte die Aussprache zum umstrittenen Flyover, der Radverkehrsbrücke an der Promenade, in der Bezirksvertretung Mitte. Danach hatte das Projekt auch nicht mehr Freunde als zuvor.

Klaus Baumeister

Rechts von diesem Überweg soll – wenn es so beschlossen wird – eine Radfahrerbrücke, der Flyover entstehen. Er soll die Bismarckallee mit der Promenade verbinden. Foto: Matthias Ahlke

Es war wie ein Kreuzverhör, das Gerhard Rüller, stellvertretender Leiter des städtischen Amtes für Mobilität und Tiefbauamt, am Dienstagabend in der Sitzung der Bezirksvertretung Mitte über sich ergehen lassen musste. Über eine Stunde lang dauerte die Aussprache zum umstrittenen Flyover, der Radverkehrsbrücke an der Promenade.

Rüller betonte, dass die von unserer Zeitung veröffentlichte negative Machbarkeitsstudie nur ein Vorentwurf zu der eigentlichen Machbarkeitsstudie im April 2021 gewesen sei, in der die Brücke dann befürwortet wird. An einer Stelle verhaspelte sich Rüller, sprach von der „neuen Studie“, Gelächter im Hauptausschusszimmer des Rathauses, wo die Sitzung stattfand.

Zwei Machbarkeitsstudien

Zur Erinnerung: Die Machbarkeitsstudie vom 26. November 2020, erstellt von einem Planungsbüro in Hilden, enthält auf 28 Seiten eine Analyse, ein Fazit und eine Empfehlung (zum Verzicht auf die Brücke), aber an keiner Stelle das Wort „Entwurf“.

Martin Honderboom, Sprecher der SPD in der Bezirksvertretung, kommentierte Rüllers Äußerungen so: „Die Botschaft hör’ ich schon, allein mir fehlt der Glaube.“ Der Grüne Gerwin Karafiol hielt dem stellvertretenden Amtsleiter vor, eine „Werbeveranstaltung für den Flyover“ zu inszenieren.

SPD-Bürgermeisterin: „Das macht mich misstrauisch“

Die SPD-Bürgermeisterin Maria Winkel sagte: „Das alles macht mich sehr, sehr misstrauisch.“ Sie frage nach, warum den Kommunalpolitikern die Machbarkeitsstudie vom 26. November nicht ausgehändigt werde. Rüller entgegnete, dass die Stadtverwaltung dazu keine Veranlassung habe, da der Entwurf nicht autorisiert sei.

Rüller begründete das Plädoyer der Stadtverwaltung für den Flyover damit, dass die Brücke in der Prognose von 5000 bis 6000 Radlern am Tag benutzt würde. Auf Nachfrage räumte er aber auch ein, dass an dem Knotenpunkt Aegidiitor bereits jetzt rund 30.000 Radler pro Tag gezählt werden. Im Nachgang zu dem Brückenbau werde man für die anderen Fahrbeziehungen ein zusätzliches „ebenerdiges Konzept“ schaffen. Eine Verbesserung der Verkehrssituation für Radler an dieser Stelle sei auf jeden Fall geplant.

Brückenbau allein reicht nicht

Anmerkung der SPD-Politikerin Marita Otte: „Wir bauen erst eine Brücke für 5000 Radler und kümmern uns dann um die 25.000 anderen.“ Oder wie Martin Grewer (Volt) im Hinblick auf die zehn Millionen Euro Investitionskosten meinte: „Das ist sehr viel Geld für die Lösung eines Teilproblems.“

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