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WN-Spendenaktion: Förderverein Zentrales Nervensystem

Stütze in schweren Zeiten

Münster

Wenn Menschen schwer erkranken, ist das nicht nur für sie, sondern auch für ihre Angehörigen schwer. Der Förderverein ZNS versucht die Belastung für Betroffene und ihre Liebsten zu lindern.

Von Martina Döbbe

Dr. Dorothee Wiewrodt (r.) vom Förderverein ZNS war immer eine wichtige Ansprechpartnerin und Stütze für Gisela Schnieders. Foto: Martina Döbbe

Ängste einfach aussprechen. Tränen nicht zurückhalten müssen. Aber auch Kraft schöpfen – um stark zu sein für alles, was da noch kommt. Es ist eine Achterbahn der Gefühle, die ein Mensch durchlebt, der schwer krank wird. Und nicht nur er. Angehörige, Familie, sie sorgen sich, fühlen sich ohnmächtig, hadern vielleicht ebenso mit dem Schicksal wie der Betroffene. Sie möchten Mut machen, unterstützen – und brauchen doch oft genug selbst Unterstützung. Gisela Schnieders hat all das erlebt. Als ihr Mann im November 2017 die Diagnose Hirntumor bekommt, bricht eine Welt zusammen. Er versucht, sachlich und gefasst damit umzugehen, sie lebt in ständiger Angst, wie geht es weiter?

Neun Tage nach dem Befund wird der bösartige Tumor entfernt – eine Woche später darf Heinz Schnieders das Universitätsklinikum verlassen. Da sind bereits erste Kontakte entstanden zum Förderverein ZNS (Zentrales Nervensystem). Die Begegnung mit anderen Patienten und deren Angehörigen, die der Verein anbietet – für Gisela Schnieders von Anfang an eine große Hilfe. „Ich hatte das Gefühl, nicht allein zu sein, es tut gut, sich mit anderen austauschen zu können.“

Durch Training Kraft geschöpft

Ihr Mann – immer schon ein sportlicher Mensch – entdeckt für sich das Sport-Programm, das der Förderverein speziell für Hirntumor-Patienten erarbeitet hat. Ralf Brandt, Sportwissenschaftler und Diplomtrainer, engagiert sich mit seinem Wissen: Betroffene trainieren unter seiner Anleitung und seinem „wachsamen Auge“, was sie sportlich können und dürfen – ganz individuell je nach persönlicher Verfassung. Erklärtes Ziel ist es, den Alltag körperlich besser meistern zu können und auch Lebensfreude durch diese Aktivitäten wiederzufinden. Für Heinz Schnieders genau das Richtige: „Daraus hat er Kraft geschöpft, es hat ihn motiviert und angespornt, nicht aufzugeben“, erinnert sich seine Frau.

Drei Projekte, ein Konto

Es folgen zwei relativ gute Jahre – dann der Rückschlag: Der Tumor ist wieder gewachsen. „In 90 Prozent der Fälle ist bei bösartigen Hirntumoren leider damit zu rechnen“, erläutert Dr. Dorothee Wiewrodt, Neurochirurgin, Psychoonkologin und Ansprechpartnerin im Förderverein ZNS. Auch für Gisela Schnieders. Denn alle Ängste kommen zurück, dieses Mal, das spürt sie, ist auch ihr Mann niedergeschlagen. „Er wollte stark sein, aber er war auch Realist. Er hat gemerkt, dass seine Kräfte nachlassen, dass er immer mehr auf Hilfe angewiesen ist.“

Dr. Dorothee Wiewrodt

Auch da kommt der Trainer des Fördervereins weiterhin, um Heinz Schnieders zu Hause zu mobilisieren, zu motivieren, mit ihm Übungen zu machen, um ihm ein bisschen Kraft zu geben. „Das waren für meinen Mann immer Momente der Freude.“ Die Familie – eine Tochter, zwei Söhne, Schwiegerkinder und Enkel – rückt emotional noch näher zusammen. Und Heinz Schnieders ist immer mittendrin. Das Pflegebett wird im Wohnzimmer eingerichtet, Pflegedienst und Palliativnetz unterstützen die Betreuung.

„Für Angehörige ist das schwer auszuhalten, man weiß, es geht ja immer nur noch in eine Richtung“, beschreibt Dr. Dorothee Wiewrodt die absolute Ausnahmesituation, die eine Familie dann meistern muss. Die sehr intensiven Gespräche mit ihr, der enge Kontakt über den Förderverein zu einer Frau, deren Mann ebenfalls Hirntumor-Patient ist, all das hilft Gisela Schnieders, diese Belastung anzunehmen. „Ich bin aufgefangen worden“, sagt sie dankbar.

Absolute Ausnahmesituation

Dankbar auch dafür, dass ihr Mann durch das große Netz der Hilfe bis zum Schluss zu Hause bleiben kann. Er stirbt wenige Tage nach seinem 71. Geburtstag im März diesen Jahres im Kreis seiner Familie. Diese bittet zu seiner Beerdigung ausdrücklich, statt Blumen und Kränzen für den Förderverein ZNS zu spenden. „Die Arbeit, die die Menschen dort leisten, ist so wertvoll“, betont Gisela Schnieders. Immer noch nimmt sie gern an den Treffen teil – jetzt als Angehörige, die für andere eine große Stütze sein kann. So, wie sie es selbst erfahren hat.

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