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Bundesentwicklungsministerin in der Ukraine

Svenja Schulze besucht Odessa: „Das ist schwer auszuhalten“

Münster

Es war ein geheimer Blitzbesuch in der Ukraine: Entwicklungsministerin Svenja Schulze aus Münster berichtet danach von schwer auszuhaltenden Eindrücken – und einer beeindruckenden Widerstandskraft der Ukrainerinnen und Ukrainer, die sie im Raum Odessa erlebt hat.

Svenja Schulze (M.) aus Münster, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, steht in der Nähe von Odessa vor einem von russischen Raketen zerstörten Umspannwerk neben Oleksandr Kubrakov (vorne l.), Vize-Premierminister der Ukraine und Wiederaufbauminister. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Es ist einer dieser überraschenden, weil streng geheim gehaltenen Besuche in diesen Kriegszeiten. Erst als Svenja Schulze am Freitag in Moldawien wieder sichereren Boden unten den Füßen hat, erfährt die Öffentlichkeit vom Kurztrip der Bundesentwicklungsministerin in die südukrainische Hafenstadt Odessa – weil die ukrainische Seite ansonsten besondere Angriffe der Russen befürchtet, wie die in Münster wohnende SPD-Politikerin am Telefon berichtet.

Am Freitagmittag sitzt sie im Dienstwagen, der sie vom Hauptstadt-Flughafen zurück ins Berliner Ministerium bringt – ganz frisch sind die Eindrücke aus einem Land, das sich seit mehr als einem Jahr eines russischen Angriffskriegs erwehren muss. „Das ist schwer auszuhalten“, antwortet Schulze auf die Frage, wie sie damit umgeht.

Zwischen Krieg und Élysée-Vertrag

Aber ihre Aufgabe in der Bundesregierung bringt so etwas mit sich – am Donnerstag im Kriegsgebiet, am Wochenende jetzt Deutsch-Französischer Ministerrat in Paris aus Anlass der Feierlichkeiten zu 60 Jahre Élysée-Vertrag. Dazwischen liegen inhaltlich Welten – und das mitten in Europa.

Schulze steht am Donnerstag in der Nähe von Odessa vor den Trümmern eines durch russische Raketen zerstörten Umspannwerks. Immer wieder breche die Stromversorgung im Land zusammen, berichtet die Ministerin nach ihrer Rückkehr. „Die Infrastruktur wird gezielt beschossen.“ Im Schutzkeller zu sitzen ohne Licht, sei schrecklich, „eine bedrückende Situation“.

Schulze von Widerstandskraft der Ukrainer beeindruckt

Von der Widerstandskraft der Ukrainer zeigt sich die Münsteranerin tief beeindruckt. „Jeden Tag im Krieg wird wieder aufgebaut.“ Ob dabei die vielfältige zivile Hilfe aus Deutschland ankommt, davon will sich die Entwicklungsministerin bei ihrer zweiten Reise seit dem Beginn des russischen Terrors gegen die Ukraine vor Ort selbst ein Bild machen.

Und sie werde wirklich gebraucht, ist sich Schulze nach dem Blitzbesuch sicher. Und sie komme an, gebe den Menschen Kraft. Abseits aller Debatten um Waffen-Lieferungen betont die 54-Jährige, „wie wichtig es ist, an die Menschen zu denken“. Zusätzliche 52 Millionen Euro für den Wiederaufbau sagt sie der Ukraine diesmal zu. Über 100 deutsche Kommunen würden direkt helfen, das sei wichtig.

Mit Waffenlieferungen an die überfallene Ukraine hat die Politikerin „keine Probleme“, wie sie auf Nachfrage sagt. „Die Welt hat sich verändert.“

Handy als Lebensversicherung

Schulze besucht unter anderem eine sogenannte Wärmestube in einer Schulaula. „Punkt der Unbesiegbarkeit“ stehe wörtlich übersetzt an der Tür, berichtet sie. „Zum Aufwärmen, zum Schlafen zum Handyaufladen.“ Letzteres ist quasi eine Lebensversicherung. „Übers Handy kommt der Alarm.“ Dieser warnt vor russischem Beschuss. Dann müssen die Schülerinnen und Schüler im Bunker weiter lernen.

Was machen all diese Eindrücke mit dem Menschen Svenja Schulze? Die Ministerin, eigentlich eine echte Frohnatur, stockt kurz. „Mich macht das demütig, wenn ich unsere Probleme sehe.“ Das erde einen sehr.

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