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Obdachlosen-Hilfe in der Wartburgschule

Tagestreff soll wieder eröffnen

Münster

Der Tagestreff für Wohnungslose in der ehemaligen Wartburgschule soll nun doch weiter betrieben werden. Nach einem gemeinsamen Vorstoß fast aller Ratsparteien lenkte die Verwaltung im Sozialausschuss am Mittwochabend ein.

Karin Völker

Der Wohnungslosentreff in der Wartburgschule soll nun doch über die Wintermonate betrieben werden. Foto: kal

Da waren sich einmal fast alle Parteien im Rat einig: Der Tagestreff für obdachlose Menschen in der früheren Wartburgschule am Coesfelder Kreuz soll doch über den Winter bis Ende März 2022 erhalten bleiben. Grüne, CDU, SPD, Volt und die Linke stellten dazu im Sozialausschuss am Dienstagabend einen entsprechenden gemeinsamen Antrag.

Doch die Verwaltung stellte sich zunächst quer. Es gebe keinen Weg , das Angebot, das nun ausgelaufen ist, kurzfristig weiter zu finanzieren, hieß es vonseiten der Sozialdezernentin Cornelia Wilkens und Frank Treudler vom Sozialamt. Die Politiker wollten dies nicht hinnehmen, wie Tobias Jainta (CDU) bemerkte. Grünen Fraktionschef Christoph Kattentidt äußerte sein Unverständnis darüber, dass es etwa möglich gewesen sei, ohne vorhergehenden Ratsbeschluss die Anschaffung von zusätzlichen Luftfiltern für Schulräume auf den Weg zu bringen, es hier aber offenbar keine Lösung geben solle.

Kosten könnten halbiert werden

Nach einer Sitzungsunterbrechung verfassten die Fraktionen einen Ergänzungsantrag, dessen Formulierung es der Verwaltung nun ermöglicht, zu prüfen, ob der Tagestreff sehr kurzfristig innerhalb der nächsten Tage wieder eröffnet werden kann. Die Kosten sollen aus außerplanmäßigen, nicht ausgegebenen Haushaltsmitteln gedeckt werden. Politiker verschiedener Fraktionen wiesen darauf hin, dass die Betriebskosten für die Einrichtung in etwa halbiert werden könnten weil ein Sicherheitsdienst nach Einschätzung des Trägers Arbeiter-Samariter-Bund nicht erforderlich sei.

Im Tagestreff in der früheren Wartburgschule konnten Obdachlose sanitäre Einrichtungen benutzen, sich duschen und Wäsche waschen, außerdem gab es täglich ein Mittagessen und weitere Gratis-Verpflegung.

SPD-Ratsfrau Maria Winkel

Die Verwaltung hatte die Schließung des Angebots auch damit gerechtfertigt, dass längst nicht nur Wohnungslose, sondern allgemein in prekären Verhältnissen lebende Menschen dort Hilfe gesucht hätten. Dies sei kein Grund, die Unterstützung nicht mehr zu gewähren, so die einhellige Einschätzung der Politiker. „Niemand, der es nicht nötig hat, wird sich in der Wartburgschule für ein Butterbrot anstellen“, sagte SPD-Ratsfrau Maria Winkel.

Der Träger hatte signalisiert, die Einrichtung „kurzfristig“, wieder zu eröffnen. Über das Ergebnis will die Verwaltung nun nicht erst in der nächsten Ratssitzung am 29. September, sondern bereits im Laufe der nächsten Woche informieren. Die Hilfsorganisationen, die das Angebot in der Wartburgschule organisieren, hätten signalisiert, den Betrieb innerhalb eines Tages wieder hochfahren zu können.

Schließung war auf viel Kritik gestoßen

Die Schließung des Treffs war in den vergangenen Wochen auf viel Kritik gestoßen. Im Sozialausschuss kam die stark gewachsene Zahl von Obdachlosen und von in sehr prekären Verhältnissen lebenden Menschen in Münster zur Sprache. Allein 800 Obdachlose seien den Trägern der Hilfseinrichtungen bekannt. Vieler andere campierten in Autos und Zelten im Hafengebiet, berichtete der CDU-Ratsherr Richard-Michael Halberstadt.

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