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Medizinisches Labor am Hafenweg

Technische Neuheit beschleunigt Auswertung der Corona-Tests

Münster

Im medizinischen Labor am Hafenweg, wo im Augenblick bis zu 800 Coronatests analysiert werden, könnte dank einer neu angeschafften Maschine die Kapazität verdoppelt werden. Damit die Maschine arbeiten kann, fehlt es aber an dafür notwendigen Zutaten.

Karin Völker

MVZ-Chef Prof. Paul Cullen (v.r.) , Markus Lewe und Hausarzt Dr. Hendrik Oen mit dem neuen Analyse-Automaten für Corona-Tests im MVZ-Labor am Hafenweg. Es fehlen allerdings spezielle Chemikalien, um ihn auszulasten. Foto: Oliver Werner

Es gibt viele Menschen, die in diesen Tagen unverzichtbare Arbeit leisten. Die 20 Frauen und Männer, die am Montagmittag in der Kantine des Medizinischen Labores Münster am Hafenweg sitzen, sind in gerade extra-wichtig. Sie werten die Corona-Tests aus, analysieren täglich bis zu 800 Abstriche, von Personen aus Münster und Umgebung, von denen angenommen wird, sie hätten sich am Virus Covid-19 infiziert.

Die ersten beginnen um 4 Uhr morgens, die letzten hören um 22 Uhr auf, erklärt Geschäftsführer Prof. Dr. Paul Cullen. Eigentlich hätten die spezialisierten Corona-Virus-Analytiker in den Räumen des Labors mit insgesamt 300 Mitarbeitern jetzt schon die tatkräftige Unterstützung eines neuen maschinellen Kollegen im Labor.

Chemikalien fehlen

„Ein großer Vorteil in diesen Zeiten“, sagt Cullen, mit der neuen Maschine könnte das Labor die Corona-Testkapazitäten in etwa verdoppeln. Allein, es fehlt an Zutaten, die der Apparat zum Arbeiten benötigt. Cullen beschreibt die notwendigen Chemikalien, fachsprachlich Reagenzien, als „Backmischung“, die hauptsächlich weltweit nur vom Chemie- und Pharmagiganten „Roche“ hergestellt werden.

„Wir stehen auf dem Schlauch. Bitte legen Sie bei der Landesregierung und bei allen wichtigen politischen Instanzen für uns ein gutes Wort ein, dass wir bei Lieferungen berücksichtigt werden“, bittet Cullen am Montag Münsters Oberbürgermeister. Markus Lewe ist gekommen, um sich bei den Labor-Mitarbeitern für ihren unermüdlichen Einsatz zu bedanken.

Antikröper-Test

Im MVZ-Labor wird auch der kurzfristige Einsatz von Tests vorbereitet, die Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus im Blut nachweisen. Sie ermöglichen es, auch Corona-Infektionen nachzuweisen, wenn im Rachen durch den Abstrich keine Viren mehr zu finden sind. So lässt sich ein Bild über die Verbreitung des Virus in der Bevölkerung gewinnen.

Täglich 500 Tests von Münsteranern

Bisher bekommt das münsterische Labor Reagenzien in nur kleiner Menge von einer Firma in Hamburg – mit ihnen kann die neue Analyse-Maschine immerhin für wenige Tage einmal den Dienst aufnehmen.

Bislang werden weiterhin die Menschen getestet, deren Mitarbeit, etwa im Gesundheitswesen, wichtig ist oder die durch die Infektion besonders gefährdet wären. Die Quote der Infizierten bei den ausgewerteten Tests, etwa 500 täglich stammen von Münsteranern, stieg von anfangs rund zwei auf bis zu 14 Prozent, erklärt Cullen. Mittlerweile sei diese Quote wieder etwas gesunken.

Hoffen auf warme Temperaturen

Mehr Tests, das wäre auch für Dr. Hendrik Oen, den Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe, ist das ein Wunsch. Rund 1500 Arztpraxen und 40 Krankenhäuser aus der Umgebung werfen in diesen Tagen ihren Abstrichproben in die extra gekennzeichneten Briefkästen des MVZ-Labors am Hafen. Einstweilen hofft Oen auf wärmere Temperaturen. Dann ebbt zwar die Corona-Infektion wohl nicht zwingend ab, aber die durch andere Erreger verursachten Erkältungskrankheiten. Oen: „Im Mai werde ich wohl jeden, der mit Husten in die Praxis kommt, testen können.“

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