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Europa-Freunde am Tag des Brexits

Trauer und Kampf für „rejoin“

Münster

Der Tag des Brexits ist für die etlichen Hundert Aktiven der Gruppe "York4Europe“ ein Tag der Trauer. Sie wollen weiter für Europa kämpfen. Das Motto lautet jetzt „Rejoin“.

Karin Völker

Renni Prelle hat sich gegen den Brexit engagiert. Foto: privat

In Münsters britischer Partnerstadt York versammeln sich am heutigen Abend Dutzende von Europa-Freunden – die eigentlich keinen Grund zum Feiern haben. „Jeder bringt etwas zu Essen mit, es wird Spezialitäten aus vielen EU-Ländern geben“, erzählt die Buchhändlerin Ulrike Bulle, die als Deutsche seit beinahe 22 Jahren in Großbritannien lebt.

Kampfgeist trotz Niederlage 

Die Gruppe „York4Europe“ hat seit dem Brexit-Referendum versucht, das Blatt zu wenden – „und ans Aufgeben denken wir auch jetzt nicht“, betont Ulrike Bulle. Das Motto laute jetzt „rejoin“, also Wiedereintritt, so Ulrike Bulle. Sie ist zudem entschlossen, mit ihrem britischen Mann und zwei Kindern, sieben und zehn Jahre alt, nach Deutschland zu ziehen. Bulle, am Telefon hörbar bewegt, erzählt, wie „zehrend“ die dreieinhalb Jahre nach dem so knappen Brexit-Votum für sie waren. Die Zukunft im Nicht-EU-Land-Großbritannien sieht sie für sich persönlich als bisher nur deutsche Staatsangehörige „düster“.

"Als ob jemand gestorben ist"

Auch für Renni Prelle, die als Deutsche ebenfalls seit 22 Jahren in York lebt, ist heute ein schwarzer Tag. „Ich fühle mich, als ob jemand gestorben ist“, beschreibt sie ihre Emotionen. „Ich werde am Freitag nur trauern, keine Zeitung lesen, keine Nachrichten hören“, sagt die Therapeutin, die sich wie Bulle bei „York4Europe“ engagiert. Prelle hat jetzt einen Antrag zur Einbürgerung in Großbritannien gestellt. Es heißt, dass, wer als EU-Bürger in diesem Jahr den Antrag stellt, die doppelte Staatsbürgerschaft behalten könne. Für die Rückkehr in die EU will sie weiter kämpfen.

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