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Hilfsaktion

Familie Hait sammelt mit CD-Projekt Spenden für die Ukraine

Münster

Elena Margolina-Hait und Dr. Boris Hait kommen gebürtig aus der Ukraine. Als der Krieg begann, wollten sie vor allem eins: Helfen. Gemeinsam mit Sohn Robert, der in Münster Medizin studiert, haben sie sich einem CD-Projekt gewidmet.

Von Simon Beckmann

Wollen mit ihrer CD Spenden für Krankenhäuser in Lemberg und junge geflüchtete ukrainische Menschen sammeln (v.l.): Robert Jonathan Hait, Elena Margolina-Hait und Dr. Boris Hait Foto: Simon Beckmann

Der 24. Februar hat für Dr. Boris Hait, seine Frau Elena Margolina-Hait und seinen Sohn Robert Jonathan Hait alles verändert. Denn als Russlands Staatsoberhaupt Wladimir Putin den Befehl gibt, in die Ukraine einzumarschieren, bricht über die Familie – das Ehepaar kommt gebürtig aus Lemberg im Westens des angegriffenen Landes – eine Ohnmacht herein.

„Viele Momente haben sich festgebrannt“, schaut Sohn Robert, der in Münster Medizin studiert, zurück. „Wir waren im Auto unterwegs und haben, nachdem wir davon erfahren haben, den ganzen Tag nur damit verbracht, alle möglichen Freunde und Bekannte in der Ukraine anzurufen und zu fragen, ob sie noch leben.“

Familie Hait mobilisiert das Umfeld

Surreal und befremdlich sei es auch gewesen, einer befreundeten Mutter zu sagen, dass sie ihre Tochter besser so schnell wie möglich in Richtung Westen schicken solle. Oder die Geschichte einer älteren Dame, die anstatt zu kochen nun mit ihrer Familie Molotow-Cocktails herstellte. Oder eine Freundin, die im Keller festsaß, weil oben die Bomben fielen. „Das ist einfach unglaublich“, kann es Boris Hait, der das Palliativzentrum im Christlichen Klinikum Unna leitet, immer noch nicht so wirklich fassen.

Das Gefühl der Ohnmacht schwindet nach den ersten Anrufen etwas. Die Familie will vor allem eines: Helfen. Also mobilisieren sie Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen und Bekannte. Vier Tage später macht sich der erste von den Haits organisierte Hilfstransport auf den Weg in Richtung Ukraine. Kurze Zeit darauf folgt ein Rettungswagen aus Unna – vollbepackt mit medizinischen Gerätschaften. Später dann ein weiteres Fahrzeug.

Unterkunft für geflüchtete Jugendliche

Zudem macht sich die Familie auf den Weg, um drei aus der Ukraine geflüchtete Jugendliche aus Prag abzuholen. „Zwei von ihnen sind eine Zeit lang bei uns untergekommen“, berichtet Margolina-Hait, die an der Hochschule für Musik in Detmold als Klavierprofessorin arbeitet.

Um Spenden zu sammeln, startet die Familie zudem ein besonderes Herzensprojekt, das sich mit dem Thema „Tod, Trauer und Trost“ auseinandersetzt. „Wir wollten schon lange eine CD machen, die dieses Thema literarisch und musikalisch aufgreift“, bemerkt Boris Hait. „Mit dem Kriegsbeginn war dann der Moment gekommen, dieses Projekt in die Tat umzusetzen.“

Persönliche Schilderung aus dem Alltag

Musikalisch sorgt dabei die erfahrene Konzertpianistin Margolina-Hait für die passenden Klänge von Bach, Mozart, Schubert, Nepomuceno oder Lyssenko und Skoryk. Dazu spricht ihr Ehemann die literarischen Texte etwa von Goethe, Saint-Exupéry, Nabokov, Tolstoi, Schewtschenko oder Swidsinskyj ein. Auch eine sehr persönliche Schilderung aus seinem Alltag auf der Palliativstation findet den Weg auf die CD.

Sohn Robert kümmert sich unterdessen um Konzeption, Logistik und Texte. „Er hatte auch die Idee, die Texte sowohl auf Deutsch als auch auf Ukrainisch einzusprechen“, sagt Boris Hait. Seine Frau ergänzt: „Mit der CD wollen wir den Tod entdämonisieren.“ Und Robert Hait erklärt, dass dieses musikalische Projekt geholfen habe, durch diese schwierige Zeit zu kommen: „Die CD ist die Rettung gewesen, um die Ohnmacht und Fassungslosigkeit in etwas Zielgerichtetes und etwas Gutes zu verwandeln.“

Die Erlöse aus den CD-Verkäufen sollen insbesondere Krankenhäusern in Lemberg sowie jungen, aus der Ukraine nach Deutschland geflohenen Menschen zugute kommen.

Die CD „Tod, Trauer und Trost“ hat der Familie geholfen, die Fassungslosigkeit in etwas Gutes zu verwandeln. Foto: Simon Beckmann
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