Tag der Pflegenden

Ulrike Wellkamp ist nominiert als Deutschlands beliebtester Pflegeprofi

Münster

Ulrike Wellkamp ist länger dabei als die Kliniktürme. Seit 45 Jahren arbeitet die Krankenschwester in der Uniklinik. Und traut sich kurz vor der Rente noch einmal in ein kleines Abenteuer.

Stefan Werding

„Immer dann, wenn wir wegen einer lebensbedrohlichen Blutung nachts in die Klinik mussten, haben wir so lange daran gearbeitet, bis wir dieses Leben gerettet haben. Das ist schon etwas Besonderes.“ Foto: privat

Als Ulrike Wellkamp ihre Ausbildung zur Krankenschwester gemacht hat, konnte sie den Türmen der Uniklinik beim Wachsen zusehen. Jetzt ist sie seit 45 Jahren Krankenschwester am UKM und für den Titel „Deutschlands beliebteste Pflegeprofis“ des Verbandes der Privaten Krankenversicherung nominiert – vorgeschlagen von „Matthias“. Unser Redaktionsmitglied Stefan Werding hat sie gefragt, ob sie ihren Job weiterempfehlen würde.

Wer ist Matthias?

Ulrike Wellkamp: Matthias arbeitet schon sehr lange mit mir in der Endoskopie. Er hat mich für den Pflegepreis vorgeschlagen. Für mich ist es sehr wichtig, dass unser Berufsstand hervorgehoben wird. Da ich schon so lange in dem Beruf bin, kann ich dazu ganz gut was sagen. Ich möchte allen, die heute überlegen, was sie werden wollen, weitergeben, dass mein Beruf sehr interessant ist. Das liegt mir am Herzen. Wir brauchen unbedingt Nachwuchs.

Sie sind schon 45 Jahre Krankenschwester und gehen Ende Juni in den Ruhestand.

Wellkamp: Ich glaub es selber nicht. Das ist wie ein Marathonlauf.

Bei einem Marathon geht man an seine Grenzen. Gehen Sie auch an Ihre Grenzen?

Wellkamp: Zwischendurch war es mal so. Ich hatte immer Phasen, in denen es sehr schwierig war. Ich glaube, das macht jeder von uns mal durch. Mein Beruf ist ein sehr anspruchsvoller Beruf. Wir haben vieles zu bewältigen. Gerade hier in der Uniklinik tragen wir dazu bei, dass die Entwicklung weitergeht. Das finde ich auch so toll an der Arbeit.

Ist das Immer-wieder-herausgefordert-werden vielleicht der Reiz Ihrer Arbeit?

Wellkamp: Bestimmt. Ich wohne in der Nähe der Klinik. Das war für mich sehr wichtig, weil ich bis vor kurzem Rufdienst gemacht habe. Wenn man nachts um 2 Uhr aus dem Bett geklingelt wird und dann heißt es: „Ab zur Klinik!“, ist das sehr anstrengend. Aber in solchen Nächten haben wir manche Leben gerettet.

Haben Sie Erinnerungen an Einsätze, die Sie nicht vergessen werden?

Wellkamp: Immer dann, wenn wir wegen einer lebensbedrohlichen Blutung nachts in die Klinik mussten, haben wir so lange daran gearbeitet, bis wir dieses Leben gerettet haben. Das ist schon etwas Besonderes, erfordert aber vom Arzt und der Assistenz – also auch von mir als Krankenschwester – höchste Konzentration mitten in der Nacht. Das macht den Beruf so interessant und sehr befriedigend. Auch wenn man danach ausgelaugt ist.

Würden Sie heute noch jemandem raten, in die Pflege zu gehen?

Wellkamp: Na klar. Dieser Beruf ist abwechslungsreich und voller Möglichkeiten. Jeder kann sich aussuchen, was er machen möchte: Chirurgie, Pädiatrie, Psychiatrie. Das möchte ich in den Vordergrund stellen. Ich würde aber natürlich auch vorwarnen und sagen: „Du musst Dich auf eine Arbeit einstellen, die sehr anstrengend ist.“ Soweit ich mich zurück erinnern kann, hat es Pflegenotstand gegeben. Das muss die Politik endlich in die Hand nehmen, das können die einzelnen Arbeitgeber nicht leisten.

Sind Sie von ihrem ersten Tag an immer in der Uniklinik gewesen?

Wellkamp: Ja, ich gehöre schon zum Inventar. Ich arbeite seit zig Jahren in der Endoskopie mit vielen Bereichen: Pädiatrie, Chirurgie, Innere Medizin, Pulmologie. Das ist schon sehr groß – und deshalb auch so interessant.

Wo wären sie denn jetzt, wenn Sie nicht dieses Interview führen würden?

Wellkamp: Dann wäre ich jetzt in der chirurgischen Endoskopie. Hauptsächlich führen wir Magenspiegelungen, Darmspiegelungen und Kontrastdarstellungen der Gallenwege und Pankreasgänge durch (Anm. der Redaktion: Bauchspeicheldrüse).

Das bedeutet, dass sich Ihre Patientinnen und Patienten in einer besonderen Situation befinden. Sie müssen fürchten, dass bei Ihnen gleich ein Krebs entdeckt wird.

Wellkamp: Ja, bei uns in der Uniklinik sind unsere Patienten oft sehr krank. Dann müssen wir klären, ob sich in ihrem Magen oder Darm ein Tumor befindet.

In der Debatte um die Situation der Pflegekräfte wird nicht nur über die physische Belastung durch Nachtschichten, Wechseldienste oder schweres Heben, gesprochen, sondern auch über den seelischen Druck, den Sie und Ihre Kolleginnen aushalten müssen. Was haben Sie in den 45 Jahren, in denen Sie als Krankenschwester arbeiten, für ihre seelische Gesundheit getan?

Wellkamp: Ich bin sehr viel gejoggt, wenn ich von der Arbeit gekommen bin. Damit konnte ich viel kompensieren. Ich bin viel bei Jazz-Konzerten gewesen und habe mir Kunst-Ausstellungen angesehen.

Sie haben in 45 Jahren nicht nur den Bau der Kliniktürme, sondern auch technische Fortschritte erlebt.

Wellkamp: Die Digitalisierung natürlich. Und am Anfang mussten wir die gebrauchten Geräte in eine Desinfektionsröhre einlegen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Das war hygienisch immer sehr schwierig und mit sehr viel Arbeit verbunden. Heute gibt es Maschinen dafür. Das war schon eine ganz großartige Entwicklung. Oder die Optik. Heute sind die Bilder aus der Endoskopie scharf. Wir können direkt in den Magen hineinschauen. Es ist faszinierend, was man heute alles sehen kann. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich damals meine Ausbildung in der Gynäkologie gemacht habe. Da rief ein Arzt über den Flur: „Komm mal schnell, da wird ein Ultraschalluntersuchung gemacht.“ Damals war es eine Sensation, dass man in den Bauch einer Frau hineinschauen und das Kind sehen kann.

Haben Sie mal ein Dankeschön für Ihre Arbeit bekommen?

Wellkamp: Vom Patienten ganz oft. Dann macht der Job auch mehr Spaß.

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