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Nachrichten Münster

Ums Plattdeutsche verdient gemacht: Ehrung für Heinz Withake

Maria Meik

Münster - Plattdeutsch ist seine Muttersprache - sein Lebenselixier. Heinz Withake ist bodenständig, mit viel Humor gesegnet, ein geschätztes Original in der Kirchenlandschaft. Unverkennbar ist die Atmosphäre bei den Maiandachten auf Plattdeutsch und der Prozession zum Erntedank im Mühlenhof, genauso wie beim Erntedankgottesdienst in St. Lamberti.

Für seine Verdienste um „Plattdeutsch in der Kirche“ erhält Heinz Withake, Geistlicher Rat im Ruhestand und seit 2006 Rektor der Brüdergemeinschaft der Canisianer, den Rottendorf-Preis 2010. Der Westfälische Heimatbund hat ihn für die Auszeichnung vorgeschlagen, die der Geistliche am 7. Oktober auf Haus Nottbeck bei Oelde bekommt.

„Ich war überrascht, als ich den Anruf der Stiftung erhielt“, sagt Withake, dessen Wiege in Hopsten-Breischen stand - dem Wallfahrtsort, zu dem es jedes Jahr im August viele Gläubige in die St. Anna-Kapelle zieht. Der 69-Jährige wuchs in einem reinen Frauenhaushalt auf einem Kotten in Nähe eines Bauernhofes auf. Mit drei Schwestern, seiner Mutter Ottilie und seiner Oma. Seinen Vater Franz, der im Krieg gefallen ist, kennt er nur von Erzählungen. Hochdeutsch lernte Withake erst in der Schule. Und seine Mutter brachte ihm bei, was er zu sagen hatte, wenn er mal für kleine Jungs müsste: „Fräulein, darf ich austreten?“

Die Arbeit war hart auf dem Lande. Die Heuerleute hatten die Verpflichtung, beim Pflanzen und Ernten Hand- und Spanndienste zu leisten. Wasser wurde aus dem Brunnen geholt, und „ich habe meiner Mutter bei der Arbeit am Abend mit der Petroleumlampe geleuchtet. Elektrisches Licht haben wir erst 1948 gekriegt“, erinnert sich der Priester. Ein Lehrer hatte seiner Mutter empfohlen, den Jungen aufs Gymnasium zu schicken, der bei Westfalia Hopsten als „ruppiger Verteidiger“ dem runden Ball hinterherjagte. „Ich habe in Schläppkes gespielt und erst mit 16 Fußballschuhe bekommen.“

1951 startete er in der ältesten Schule der Stadt Rheine - dem Gymnasium Dionysianum - und machte 1960 sein Abitur. „Es war eine gute Zeit. ich hatte Glück, fühlte mich wohl, und die Verbundenheit in unserem Dorf war groß. Ich merkte, dass ich mit dem, was ich kann, etwas bewirke. Meine religiöse Prägung bedeutete mir was. Das war der Ausschlag für meine Laufbahn. Ich musste es probieren, es hat gepasst“, erzählt der 69-Jährige, für den es eine Verlockung, ein Reiz war, Priester zu werden. Auch mit Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil.

Withake studierte in Münster Theologie, belegte bei Joseph Ratzinger und Walter Kasper Dogmatik. 1966 wurde er vom damaligen Bischof von Münster, Joseph Höffner, zum Priester geweiht.

Es war ein starkes Gefühl für ihn, mit der modernen Theologie und den modernen Kirchenbildern etwas zu gestalten. Nach seinen Stationen als Kaplan in Beckum und als Religionslehrer in Recklinghausen war er sieben Jahre BDKJ-Diözesanjugendseelsorger, bevor er in der Hauptabteilung Schule und Erziehung beim Generalvikariat ein neues Tätigkeitsfeld beackerte.

Der Geistliche Rat - „das ist der übriggebliebene Titel aus der Schulabteilung“ - weiß im Ruhestand seine Zeit gut auszufüllen. Er ist im Bundesvorstand der Katholischen Elternschaft Deutschland und im Kirchenfoyer tätig. Zudem springt er gerne für Pfarrer Laufmöller in St. Stephanus ein. „Der Beruf des Priesters ist so schön, weil es nach dem Hauptberuf Platz gibt zum Weitermachen. Zur Begegnung mit Menschen und zum Liturgiefeiern.“

1974 hat er seine erste Messe auf Plattdeutsch gehalten. Den Anstoß gab der niederdeutsche Autor und Schauspieler Hannes Demming. Für den Seelsorger ist es wichtig, dass die Messen in seiner Muttersprache, „wirkliches frommes Beten, keine Aufführungen sind und keine Folklore“. Die Gebete in dieser kraftvollen Sprache seien erdnah, ehrlich und authentisch.

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