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Hackerangriff aus den USA

Uni-Drucker spucken Nazi-Pamphlete aus

Münster

Hakenkreuze, Nazi-Sprüche. Plötzlich spucken Uni-Drucker Hasstiraden aus. Münsters WWU wurde Opfer einer Hackerattacke – vermutlich aus den USA.

Günter Benning

Drucker sind gefährdet, wenn sie in halb-öffentlichen Netzen arbeiten. Foto: dpa

Die Papiere trugen Hakenkreuze und krude Aufforderungen, für die „weiße Vorherrschaft“ zu kämpfen. 50 Drucker der Uni Münster spuckten sie unvermittelt aus: Mehrere Blätter Nazi-Propaganda mit antisemitischen Floskeln. Unversehens war die WWU Opfer eines amerikanischen Hackerangriffs geworden.

Uni-Sprecher Norbert Robers: „Wir haben die Papiere sofort vernichtet.“ Nun versuche man, die Netzwerkdrucker noch besser abzusichern als bisher. Was vielen nicht bewusst sein dürfte: Drucker, die in Netzwerken eingesetzt werden, sie ähnlich anfällig für Hackerangriffe wie Computer. „Aber in der Regel“, so Robers, „sind sie weniger gut geschützt.“ Auch deshalb, weil ja immer mehrere Benutzer auf sie zugreifen wollen.

Ende März drehten bereits Hacker zahlreiche Uni-Drucker in den USA um. An mindestens zwölf Universitäten spuckten Drucker unerwünschte Fracht aus. Hinter den Angriffen soll ein gewisser Andrew Auernheimer stehen, berichtet das Magazin Fortune. Er soll in einem Online-Post erklärt haben, er wollte die Gefahren des Netzwerk-Druckens offenlegen. Zudem wolle er zeigen, wie gefährlich der Trend zum „Internet der Dinge“ sei.

Auch in Deutschland sind von der Hacker-Attacke gleich mehrere Universitäten betroffen. „Hackerangriffe gibt es bei uns regelmäßig“, sagt Sprecher Norbert Robers. Eine eigene Sicherheitsgruppe versuche ständig, die Angriffe aus dem Netz abzuwehren.

Tatsächlich liefen allerdings viele Hackerangriffe automatisiert. „Jeder versucht, die Tür zuzuhalten“, so Robers, „und die Hacker versuchen, hereinzukommen.“ Mehrfach habe es größere Probleme gegeben, gibt der Uni-Sprecher zu.

Kein Wunder, ohne Internet läuft an der Uni gar nichts. In allen Instituten gibt es LAN- und WLAN-Netze. Jeder Student und Mitarbeiter der Uni hat Zugang zu einem Teil des Systems. Soviel Offenheit erfordert natürlich hohe Sicherheitsstandards.

Dabei sind die Drucker, die eher als Peripherie-Geräte ohne persönlichen Nutzer angesehen sind, die Schwachstellen im System. Was für gilt, dürfte aber in Zukunft für viele andere Geräte des Alltags gelten, die auf verschiedene Arten und Weisen Daten ins Internet transportieren. Etwa GPS-Geräte in Autos, Sensoren in Kühlschränken oder die Überwachungssoftware in Häusern. Hacker und Geheimdienste können an vielen Stellen wichtige Informationen abgreifen.

Andrew Auernheimer soll 2014 aus Amerika geflohen sein, nachdem ihn ein Gericht wegen Computer-Kriminalität verurteilt hatte. Er lebe heute in Ost-Europa, wie es heißt. In einem Blog soll er erklärt haben, er teste nur die „erste Instanz“ einer massenhaften Printer-Beeinflussung. In seinen Tweets beleidigt Auernheimer Juden, Frauen und Schwarzen-Aktivisten in den USA.

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