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Hermann Twiehaus verschenkt einen Schatz

Uni nimmt Sammlung für bare Münze

Münster

Wer Münzen sammelt, sollte sich auf sizilianische Münzen der Antike spezialisieren, denn etwas Besseres gibt es nicht. Hermann Twiehaus hat in 50 Jahren 1400 solcher Münzen angehäuft – und verschenkt jetzt seine Sammlung!

Sammler Hermann Twiehaus aus Köln (l.) und Rektor Prof. Johannes Wessels präsentieren einen winzigen Teil der wertvollen Sammlung antiker Münzen, die nun der Universität gehört. Foto: Oliver Werner

Was soll das sein, ein Tintenklecks? Auch ein ausgestanzter Papierschnipsel wäre denkbar, oder die Rückenflosse einer Lachsforelle. Auf Prof. Achim Lichtenbergers sehnigem Archäologenfinger wirkt das Ding jedenfalls winzig. Nie im Leben ist das eine Münze!

Doch. Sogar eine Silbermünze. Auf der einen Seite ist eine Figur abgebildet, die nur ein gewiefter Numismatiker als Adler identifizieren kann. Auf der anderen Seite finden sich drei Punkte, die den Wert des Fitzelchens angeben: drei ­Onkia, also 0,25 Litra oder 0,05 Drachmen.

Drei dieser Münzlein ergäben ungefähr einen Obolus, was im 5. Jahrhundert vor Christus dem Tagelohn eines Arbeiters entspräche. Was man sich heute dafür kaufen könnte, interessiert echte Kenner und Liebhaber nicht, denn für sie ist so ein 2500 Jahre altes Artefakt schlicht unbezahlbar.

Sammler und Experte: Hermann Twiehaus

Hermann Twiehaus ist Kenner, Liebhaber und Sammler noch dazu. Die kleine Münze aus Agrigent, die Prof. Lichtenberger im Archäologischen Museum der Universität einer staunenden Öffentlichkeit präsentiert, gehört zu seiner Sammlung.

Als Pharmaziestudent half Twiehaus Anfang der 60er-Jahre einem griechischen Kommilitonen dabei, sich in Deutschland zurechtzufinden. Ohne zu ahnen, dass dieser Georgios Korrés einer der bedeutendsten Archäologen seiner Generation werden würde. Durch ihn kam Twiehaus zur Numismatik, Spezialgebiet: sizilianische Münzen des 5. bis 3. Jahrhunderts vor Christus.

Archäologiemuseum übernimmt Münzsammlung Foto: Oliver Werner

Klingt völlig abgefahren. Ist es aber nicht, denn Sizilien gilt als Münz-Eldorado des Mittelmeerraums. Was die sizilianischen Münzstempelschneider dieser Zeit hervorbrachten, gehört zu den Spitzenleistungen antiker Kunst. Sie machten aus dem zweidimensionalen Bildträger Münze ein dreidimensionales Kunstwerk, schufen feinste Dreiviertelporträts, lebensechte Pferdegespanne oder eben einen Adler auf einer Minimünze von der Größe eines halben Fingernagels.

Ausstellung in Vorbereitung

Seine Sammlung mit 1400 sizilianischen Münzen aus Gold, Silber und Bronze vermachte Sammler Twiehaus nun der Universität Münster. In der Erwartung, dass sie hier sorgsam bewahrt, fleißig erforscht und vor allem ausgestellt wird. Selbst­verständlich! Das versichern Rektor Prof. Johannes Wessels und Museumsleiter Prof. Lichtenberger bei Unterzeichnung der Schenkungsurkunde. Und Kustos Dr. Helge Nieswandt stellt umgehend eine repräsentative Ausstellung sizilianischer Münzen für 2024 in Aussicht. Wer jetzt schon einen Blick darauf werfen möchte: Hermann Twiehaus hat seine Schätze digitalisiert.

Über den Wert der Sammlung dringt übrigens nichts an die Öffentlichkeit. Was für ihn spricht. 

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