1. www.wn.de
  2. >
  3. Muenster
  4. >
  5. Unregelmäßigkeiten sollen bis nach Gievenbeck reichen

  6. >

Abrechnungen bei Corona-Tests

Unregelmäßigkeiten sollen bis nach Gievenbeck reichen

Münster

Mehr abgerechnet als getestet? Bei einem Unternehmen soll es laut Medienberichten Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen von Corona-Tests geben. Eine Spur führt auch nach Gievenbeck.

Klaus Baumeister

In verschiedenen Testzentren (hier ein Symbolbild) soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Foto: Björn Meyer

Ein möglicher Abrechnungsskandal in Corona-Testzentren wirft seine Schatten offenbar auch bis Münster, genauer gesagt bis Gievenbeck. Nach Informationen des Recherchenetzwerkes WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung steht ein Unternehmen, das 54 Testzentren in 36 deutschen Städte betreibt – mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen – in der Kritik.

Dieses Unternehmen soll nach den vorliegenden Recherchen weitaus mehr Tests abgerechnet als durchgeführt haben. Laut den Angaben des Recherchenetzwerkes wurden beispielsweise in Köln an einem Standort gut 80 Menschen am Tag getestet, aber 977 Tests dem Ministerium gemeldet. Bei einer Kontrolle in Essen waren es laut Rechercheverbund 1743 abgerechnete Bürgertests, obwohl an dem besagten Standort nur 550 Menschen gesichtet wurden.

Mehr Tests gemeldet als durchgeführt

In diesem Zusammenhang verweisen WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung auch auf eine Recherche am 14. Mai in Gievenbeck. In der Zeit zwischen 8 Uhr morgens und 19 Uhr abends hätten gut 100 Menschen die Testzelte aufgesucht. Ans Ministerium habe das Unternehmen aber 422 Test gemeldet.

Noch etwas anderes hat die Journalisten nach den vorliegenden Informationen stutzig gemacht: Bei 3600 gemeldeten Tests innerhalb einer Woche in Gievenbeck habe es keinen einzigen positiven Fall gegeben. In Essen seien sogar gut 12 000 Tests ausnahmslos negativ gewesen, heißt es in dem vorliegenden Bericht weiter.

Rein rechnerisch, so die Angaben des Ministeriums, kämen auf 350 negative Tests ein positiver. An einem konkreten Tag seien es auch schon mal 1:700 gewesen. Aber 3600 Tests oder gar 12 000 Tests ohne einmal Corona?

Zuständigkeiten nur vage geregelt

Der Rechercheverbund führt diese Unregelmäßigkeiten darauf zurück, dass die behördlichen Grundlagen für die Corona-Tests sehr kurzfristig und überhastet geschaffen worden seien und es deshalb keine funktionierenden Kontrollen gebe, zumal laut Gesetz keine Angaben zu den Getesteten übermittelt werden dürften. Auch seien viele Zuständigkeiten nur vage geregelt, zugleich aber würden sich auch viele Betreiber außerhalb des medizinischen Sektors in diesem Geschäftsfeld tummeln.

Startseite
ANZEIGE