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Botschafter der Republik Moldau

„Unsere territoriale Integrität steht an erster Stelle“

Münster

Mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine rückte auch das Nachbarland, die Re­publik Moldau, ins Licht der Weltöffentlichkeit. Der Botschafter des Landes war am Pfingstwochenende in Münster und äußerte sich zu der Lage in seinem Land.

Von Wolfram Linke

Ein Mann transportiert in ländlicher Umgebung Brennholz mit seinem Fahrrad, in der Nähe der Grenze zwischen Moldau und der Ukraine. Foto: dpa

Mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine rückte auch das Nachbarland, die Re­publik Moldau, ins Licht der Weltöffentlichkeit. „Wir sind besorgt“, sagte Aureliu Ciocoi, Botschafter Moldaus, am Pfingstwochenende in Münster. Niemand habe es für möglich gehalten, dass so ein Konflikt „in der Nachbarschaft zur EU möglich ist“. Sorgen bereitet Ciocoi, dass noch immer 3500 russische Soldaten in seiner Heimat stationiert sind, „die überwiegend ein Munitionslager bewachen“. Bereits 1999 habe Russland schriftlich erklärt, seine Truppen abzuziehen und das Depot aufzulösen.

Die Republik Moldau sei schon jetzt vom Krieg indirekt massiv betroffen, betonte der Botschafter. „Wir haben über 400 000 Flüchtlinge aufgenommen, von de­nen noch 100 000 in der Republik sind.“ Der Rest sei weiter in Richtung Rumänien und anderer Länder abgewandert. Es sei für das kleine Land eine große Herausforderung, die Flüchtlinge im Land zu versorgen. Allein dafür beliefen sich die Kosten pro Tag auf rund eine Million Euro, so Ciocoi.

Der neue Botschafter der Republik Moldau, Aureliu Ciocoi. Foto: dpa

Der Konflikt mit Transnistrien, einer abtrünnigen Region, die von Moskau unterstützt wird, sei auf gutem Wege, diplomatisch gelöst zu werden. Für die Republik Moldaus „stehen die territoriale Integrität und der europäische Gedanke an oberster Stelle“, so der Botschafter.

Dramatisch werde die Situation für sein Land, wenn die Russen die ukrainische Hafenstadt Odessa angreifen: „In dem Grenzgebiet zu Moldau leben zweieinhalb Millionen Menschen, das würde einen neuen, riesigen Flüchtlingsstrom auslösen“, erläutert der 54-Jährige. Weil Russland Odessa blockiert, hat Moldau derzeit keinen Zugang mehr zum Schwarzen Meer.

Hilfe erhalte sein Land aus der EU – und hier besonders von Deutschland. Am 1. März habe Moldau die Aufnahme in die EU beantragt. „Gespräche dazu“, so der frühere Ministerpräsident, „laufen auf allen Ebenen.“

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