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Großeinsatz am Hauptzollamt

Uran-Paket: Viele Ungereimtheiten

Münster

Die uranhaltigen Steine, die am Montag am Hauptzollamt einen Großeinsatz auslösten, hätten vermutlich gar nicht auf dem Postweg verschickt werden dürfen. Das sagte am Dienstag der Strahlenschutz-Experte der Universität.

Martin Kalitschke

Der Alltag kehrte am Dienstag in das Hauptzollamt auf der Loddenheide zurück. Foto: Matthias Ahlke

Die uranhaltigen Mineralien, die am Montag am Hauptzollamt einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst hatten, durften vermutlich gar nicht in einem ganz normalen Postpaket verschickt werden. Dass dies dennoch geschah, ist nach Einschätzung des Strahlenschutz-Experten der Universität, Joachim Kremerskothen, „eigenartig“ und werfe viele Fragen auf.

Das Zollamt war evakuiert worden, nachdem Geigerzähler-Messungen ergeben hatten, dass der Inhalt radioaktiv strahlt. Entgegen ersten Berichten überschritt die Strahlung den Grenzwert nicht nur leicht, sondern „deutlich“. Dies berichtete am Dienstag das Ordnungsamt. Das Paket befindet sich laut Zollamt nun in der Uniklinik, die über strahlungssichere Räume verfügt. Wie Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner berichtet, enthält es mehrere zigarettenschachtelgroße Behälter, von denen zwei radioaktiv strahlen. Das Paket sei in den USA abgeschickt worden, Empfänger: ein Radiologie-Doktorand an der Uniklinik. Die Einrichtung betonte am Dienstag, dass sie mit der Bestellung nichts zu tun habe.

Radioaktive Stoffe in den USA zu bestellen und diese auf dem Postweg zu erhalten – dies sei „nicht der normale Weg“, wundert sich Kremerskothen, stellvertretender Leiter der Stabsstelle Arbeitsschutz an der Universität. Benötigen Uni-Wissenschaftler für ihre Forschungen radioaktives Material, dann werde dies von einem dafür zuständigen Beauftragten bestellt. Und zwar nicht in den USA, sondern bei Spezialfirmen in Deutschland. Diese lieferten dann das Material innerhalb weniger Tage in Sicherheitsboxen, die von extra gekennzeichneten Gefahrgutfahrzeugen transportiert werden. „Da ist wohl an vielen Stellen etwas verkehrt gelaufen“, kommentiert Kremerskothen die Paketlieferung aus den USA – zumal das Urangestein offenbar auf dem Luftweg nach Deutschland gelangte, bei dem es „noch extrem schärfere“ radioaktive Kontrollen gebe.

Der Doktorand ist nach Informationen unserer Zeitung inzwischen befragt worden, habe aber zur Klärung der Fragen nicht viel beitragen können. Ob er sein Paket jemals erhalten wird, ist noch unklar. Derweil nahm das Zollamt seine Arbeit wieder wie gewohnt auf.

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