Zum Wohnmobil umgebaut

US-Schulbus fährt jetzt durch Münster

Münster

Amerikanisch unterwegs: Ein Original-Schulbus aus den USA fährt neuerdings durch Münster. Wolfgang und Birgit Wilbois haben ihn im Internet gekauft und in ein Wohnmobil umgebaut.

Martin Kalitschke

Das Ehepaar Wilbois hat einen amerikanischen Schulbus gekauft. Foto: kal

Der Schulbus hat Gegenden gesehen, von denen man zurzeit nur träumen kann. Viele Jahre ist er durch die US-Metropole Miami gefahren, hat in Vierteln mit so klangvollen Namen wie „Coconut Grove“ und „Little Havana“ im Auftrag der „Kiko y Kika“ Company Schulkinder eingesammelt – und nach dem Unterricht wieder nach Hause gebracht.

Als er eines Tages nicht mehr benötigt wurde, machte er seine bislang größte Reise: von Florida, USA, nach Münster, Germany. Nun ist er hier auf den Straßen unterwegs – allerdings, so sieht es das Gesetz vor, nur noch mit zwei Passagieren: Wolfgang und Birgit Wilbois.

Schulbus im Internet entdeckt

Die beiden Münsteraner lieben Wohnmobile, und sie waren schon öfter in den Staaten, wo die gelben Schulbusse bis heute zum Straßenbild gehören. „Als wir uns entschlossen, ein eigenes Wohnmobil anzuschaffen, stellten wir schnell fest, dass die ziemlich teuer sind“, sagt Wolfgang Wilbois (53).

Im Internet stießen sie auf die Filme eines Bloggers, der einen amerikanischen Schulbus in ein Wohnmobil umbaute. Schnell stand für das Ehepaar Wilbois fest: „Das wollen wir auch.“

Die beiden recherchierten im Internet und entdeckten eine Seite, auf der ausgemusterte Schulbusse verkauft wurden. „Und das für gar nicht mal so viel Geld.“ 7000 Dollar sollte ein Bus aus Miami kosten. Die beiden schlugen zu, kurz darauf wurde das Gefährt von Jacksonville, Florida, in Richtung Bremerhaven verschifft.

Zwei Monate später nahmen die beiden ihr Fahrzeug in Empfang. Für Kenner: ein Thomas Vista 3600-Modell, 7,3 Liter, V8-Dieselmotor, 190 PS, acht Meter lang. Der Bus wurde 1998 gebaut und hatte Platz für 43 Kinder. Die Sitze waren übrigens noch drin, als der Bus in Deutschland eintraf.

TÜV hat Fahrzeug bereits zugelassen

Drei Jahre ist das jetzt her, seitdem haben Wolfgang und Birgit Wilbois das Gefährt restauriert und umgebaut, vor wenigen Wochen wurden sie fertig. Inzwischen ist der Schulbus ordnungsgemäß zugelassen, er hat erfolgreich den TÜV absolviert (in einem Jahr muss er wieder vorgeführt werden), auch die ersten Fahrten hat das Wohnmobil – das ist es nun offiziell – bereits hinter sich. „Er schafft 105 Stundenkilometer“, berichtet Birgit Wilbois (56). Der Spritverbrauch ist, nun ja, nicht gering: „Rund 25 Liter auf 100 Kilometer.“

Das Ehepaar Wilbois im gemütlichen Schlafbereich ihres Wohnmobils. Foto: kal

Der Umbau wurde komplett am PC geplant, ein Freund, der bei einer Software-Firma arbeitet, half dabei. Die 43 Sitzplätze flogen raus, Sitzecke, Küche und ein geräumiger Schlafbereich wurden eingebaut. Alles gemütlich und auch etwas stylish, kein Wunder, Birgit Wilbois hat einen Blog („Tischlein deck dich“), der sich mit den schönen Dingen des Lebens beschäftigt.

Bei der Restaurierung viele Münzen entdeckt

Während der Arbeiten kam einiges ans Tageslicht – unter anderem Schlüsselanhänger und eine Handvoll Kleingeld, natürlich US-Münzen. Sie hängen nun eingerahmt über der Windschutzscheibe. Vieles haben die beiden selbst gemacht, anderes machen lassen. „Alles Maßarbeit“, sagt sie.

Ostern waren Wolfgang und Birgit Wilbois in Rheinland-Pfalz, auch an die Nordsee sind sie mit ihrem Schulbus schon gefahren. Im August soll es, wenn es die Coronalage zulässt, ins Baltikum gehen. Längst ist ihnen der Schulbus, der einst durch Miami fuhr, ans Herz gewachsen.

„Am schönsten sieht der Bus aus“, schwärmt Birgit Wilbois, „wenn es dunkel ist und die Lichterketten leuchten.“

Startseite