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Jakob Reichmann bereut und löscht Facebook-Eintrag

Verbaler Fehltritt im Netz: CDU-Nachwuchspolitiker steht in der Kritik

Münster

Im Überschwang seiner Gefühle hat sich Jakob Reichmann, Kommunalpolitiker der CDU-Ortsunion Gremmendorf, nach dem Sieg der deutschen Fußball-Nationalelf bei der WM gegen Portugal zu einem peinlichen verbalen Ausrutscher im sozialen Online-Netzwerk Facebook hinreißen lassen. „Deutschland, Deutschland über alles“ – seiner Begeisterung verlieh er mit der Textzeile aus der ersten Strophe der deutschen Nationalhymne Ausdruck. Es ist nicht das erste Mal, dass der Nachwuchspolitiker unangenehm auffiel.

Mirko Ludwig

Etwas Patriotismus gehört zum Fußball wie das Tor. Allerdings nicht die erste Strophe des Deutschlandliedes.  Foto: dpa

Die beiden ersten Strophen der deutschen Nationalhymne werden bei offiziellen Anlässen nicht mehr gesungen, da diese in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur politisch missbraucht wurden. „Deutschland, Deutschland über alles“ gehört zu den geschmähten Sätzen.

Eine Reaktion erfolgte prompt, so war unter anderem der münsterischen SPD der Fauxpas von Jakob Reichmann nicht entgangen.

„Bei einem solchen Ereignis wie der Fußball-Weltmeisterschaft geht es insbesondere auch um Fairness, Toleranz und Völkerverständigung. Wer öffentlich verkündet, Deutschland stehe über allem (in der Welt), der lässt stattdessen längst vergessen geglaubte Großmachtsfantasien wieder aufleben, oder zeigt zumindest ein äußerst fragwürdiges Geschichtsverständnis. Mit einer gesunden sportlichen Rivalität hat dies auf jeden Fall nichts mehr zu tun“, kommentierte Mathias Kersting auf der Internet-Homepage der münsterischen SPD den Facebook-Eintrag des politischen Kontrahenten.

Kersting weiter: „Die CDU Münster scheint nach wie vor ein starkes Problem am rechten, nationalistischen Rand zu haben. Ich fordere deshalb den Kreisvorsitzenden Rickfelder und die Ortsunion Gremmendorf auf, sich unmissverständlich von diesem Gedankengut und auch von Herrn Reichmann zu distanzieren.“

Foto: Screenshot

Der 18-jährige Jakob Reichmann hat den kritisierten Facebook-Eintrag inzwischen gelöscht, gestand seinen verbalen Fehltritt ein und bereut sein Gefühlsausbruch. „Ich wollte mit diesem Post KEINEN verletzen, diskriminieren oder sonst irgendwie benachteiligen oder ähnliches. Rassistisches oder gar nationalsozialistisches Gedankengut weise ich von mir. Ich wollte damit lediglich positive Emotionen im Zusammenhang des WM-Spiels gegen Portugal zum Ausdruck bringen“, schrieb Reichmann in einem neuen Facebook-Eintrag.

Bereits 2012 war der Schüler als Mitglied des Jungen Union zusammen mit weiteren politischen Mitstreitern negativ aufgefallen: Die Nachwuchspolitiker ließen sich nach einer Vorstandswahl mit einer schwarz-weiß-roten Flagge (die Farben der Fahne des Kaiserreiches) im Hintergrund fotografieren, was viel öffentliche Kritik nach sich zog.

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