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Berufsorientierungsmesse der Kreishandwerkerschaft

Viele Chancen aufs persönliche Ding

Münster

Handwerk – das ist heute mehr als je zuvor. Die große Vielfalt eines Bereichs, den immer noch viele angehende Berufstätige unterschätzen, war am Mittwoch auf der Berufsorientierungsmesse des Handwerks im Preußenstadion zu erfahren.

Von Björn Meyer

Maurer, Friseure, Bäcker und Orthopädietechniker – wie groß die Vielfalt im Handwerk ist, zeigten auf der Berufsorientierungsmesse „Mach dein Ding im Handwerk“, die im VIP-Bereich des Preußenstadions stattfand, alleine 17 Innungen. Foto: Björn Meyer

In der Schulklasse seines Sohnes interessiere sich eigentlich niemand für das Handwerk, sagt Stefan Raddant, Obermeister der Innung für Elektrotechnik, am Mittwochvormittag.

Raddant steht zu dieser Zeit an einem von 17 Ständen verschiedener Innungen auf der Berufsorientierungsmesse „Mach dein Ding im Handwerk“. Mangelndes Interesse am Handwerk kann man hier auf den ersten Blick nicht erkennen. Hunderte Schüler von Haupt-, Real- und Gesamtschulen bekommen die Gelegenheit, sich ganz unterschiedliche Berufe nicht nur aus nächster Nähe anzuschauen, sondern auch einmal selbst Hand anzulegen – und diese Chance wird genutzt.

Betriebe suchen potenzielle Fachkräfte

„Es wurden heute so viele Gewinde geschnitten, der Akkuschrauber ist leer“, sagt Carina Bücker, Feinmechanikerin der Westfälischen Wilhelms-Universität lachend. Auch an anderen Ständen herrscht Hochbetrieb. Melanie Lohmann, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Münster, zieht schon am Vormittag ein zufriedenes Fazit.

Auch wenn man nach zwei Jahren Pause in diesem Jahr lange gezögert habe, die Schulen hätten sofort mit großem Interesse auf das Angebot reagiert. „Ich glaube, in den vergangenen beiden Jahren ist klar geworden, wie wichtig es ist, rauszukommen und praktisch etwas zu machen. Das hat gefehlt.“ Zumal, das betont Lohmann, viele Betriebe Auszubildende und damit potenzielle Fachkräfte suchen.

Die Entdeckung eines Talents

Ein Problem des Handwerks, das wird an diesem Tag in Gesprächen deutlich: Viele Jugendliche scheuen sich offenbar davor, die Schule zu früh zu verlassen – nach dem Abitur aber glaubten viele, dass der vorgezeichnete Weg nicht ins Handwerk führe, sagt auch Lohmann achselzuckend.

Wenige Meter weiter steht ein junger Mann, der ein Beispiel dafür ist, dass es eben doch Sinn machen kann, genauer abzuwägen. Er habe nach dem Abitur nur gewusst, dass er etwas Praktisches machen wolle, erzählt Levin Schnell. Eine angefangene Ausbildung als Physiotherapeut aber habe ihn nicht überzeugt.

Schließlich kam er über ein Praktikum an den Beruf des Steinmetzes. „Ich kannte diesen Beruf vorher gar nicht“, gesteht Schnell. Doch aus einer ersten Bekanntschaft wird Liebe – und die Entdeckung eines Talents. Mit seiner Gesellenarbeit, einem – halbseitig skelettierten – Widderkopf wurde Schnell Bundessieger. Längst ist die Erkenntnis gereift: „Der Beruf ist super vielseitig“, verrät Schnell, alles, was mit Natursteinen zu tun habe, sei Sache des Steinmetzes – von Treppen über Grabsteine bis hin zu Restaurierungen.

Große Vielfalt im Handwerk

Auch andere Berufe präsentieren sich an diesem Tag vielschichtig. Orthopädietechniker Felix Lohberger zeigt etwa, wie mittels 3D-Technik moderne Prothesen gefertigt werden. „Es gibt einfach eine riesige Vielfalt im Handwerk“, betont Sabine Deckenbrock, stellvertretende Kreishandwerksmeisterin – gerade in Münster, wo Berufe von weit über 30 Innungen vertreten seien.

„Etwas in der Hand haben, etwas herstellen und am Ende des Tages das Ergebnis zu sehen, vielleicht ist das ja doch für den einen oder anderen interessanter als nur ein Job im Büro“, sagt Sabine Deppenbrock.

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