1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Vier Wochen durchhalten für einen sorglosen Sommer

  6. >

Bewertungen der Lockerungen der Corona-Maßnahmen

Vier Wochen durchhalten für einen sorglosen Sommer

Münster

Die Corona-Zahlen so hoch wie nie - und alle reden von Lockerungen. Uniklinik-Chef Friedrich und Ärztekammerpräsident Gehle warnen: Bis Ende April sollten die Menschen sich noch schützen, dann käme ein ruhiger Sommer. Immerhin: Den Send sehen die Mediziner entspannt.

Von Gunnar A. Pier

Freiluftveranstaltungen wie die münsterische Riesenkirmes Send, die am Samstag erstmals seit zwei Jahren eröffnet wurde, bereiten dem UKM-Direktor vergleichsweise wenig Sorgen. Foto: Helmut Etzkorn

Masken auf und Veranstaltungsverbote bis auf Weiteres – so restriktiv wollen Alex W. Friedrich, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Münster (UKM), und Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, gar nicht sein. Vier Wochen aber sollten die Menschen noch mit den Corona-Maßnahmen aushalten, rieten die beiden Mediziner am Freitag vor Medienvertretern – „dann bekommen wir einen ruhigen Sommer.“

Dass Nordrhein-Westfalen das Loslassen von den Corona-Regeln noch um zunächst zwei Wochen verschiebt, hat Friedrich mit Erleichterung aufgenommen. Die Infektionszahlen sind so hoch wie nie, was zu vielen neuen Patienten und Corona-bedingten Ausfällen in der Klinik-Belegschaft führt.

„Der Druck ist weiterhin hoch“, betonte der Ärztliche Direktor. Alleine an seiner Klinik fielen derzeit über 600 Mitarbeitende wegen Corona aus, zudem wurden am Wochenende vergleichsweise viele Patienten aufgenommen: „Jeder hier geht an den Rand dessen, was möglich ist.“

Das Wochenende war schwierig

Das Wochenende war offenbar schwierig für die Kliniken. „Viele Patienten konnten wir nicht einfach eben aufnehmen“, so Friedrich. Weil es nicht genügend Isolierzimmer für die hohe Zahl an neuen Patienten gibt, „mussten wir erst Kapazitäten schaffen.“ Die Vorsichtsmaßnahmen sind unverändert hoch. „Krankenhäuser können sonst zu Turbinen der Epidemie werden“, erklärte der UKM-Chef.

Alex W. Friedrich, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Münster (UKM - l.) und Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Foto: UKM

„Dienstplan auf Zuruf

Und das bei der Vielzahl krankheitsbedingter Ausfälle. „Viele arbeiten nach einem Dienstplan auf Zuruf“, verdeutlichte Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe – in etwa nach dem Motto: Mal sehen, wer heute noch gesund ist und zur Arbeit kommt. Gerade in mittleren Kliniken sei es mitunter unmöglich, einzelne Abteilungen aufrechtzuerhalten, „wenn zwei Mediziner sich gleichzeitig krank abmelden.“

Zudem fürchtet der Mediziner, dass die „normale“ Grippe noch einmal grassieren könnte, wenn die Menschen sich nicht mehr recht schützen. Die Gefahr sei Ende Mai gebannt, wenn der „respiratorische Winter“ vorbei sei.

Und was ist mit dem Send?

Bei aller Vorsicht: Freiluftveranstaltungen wie die münsterische Riesenkirmes Send, die am Samstag erstmals seit zwei Jahren eröffnet wurde, bereiten dem UKM-Direktor vergleichsweise wenig Sorgen. Wo Menschen „durchströmten“, wie er sagt, sei ein gutes Hygienekonzept notwendig, „aber da gibt es nach zwei Jahren Pandemie super Experten“. „Dramatisch anders“ sei es, „wenn 1000 Menschen in einem Raum schreien und singen“.

Entspannung Ende April

Ab Ende April, vermuten Gehle und Friedrich, entspanne sich die Corona-Lage vorerst und Lockerungen seien angesagt. Dennoch mahnt Gehle: „Als vernunftbegabter Mensch sollte man auch im Sommer Maske tragen“. Und Friedrich betont: „Wir brauchen den Sommer, damit sich die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen erholen können“. Man müsse „ja kein Prophet sein, um zu sagen, dass Corona im Herbst zurückkommt.“

Vierte Impfung?

Spätestens dann sei es Zeit für eine vierte Impfung mit einem angepassten Impfstoff, der auf die Delta- und Omikron-Varianten spezialisiert ist. Bei den über 70-Jährigen und den besonders Gefährdeten sei das schon jetzt ratsam. „Für alle anderen glaube ich, wäre eine vierte Impfung derzeit zu früh“. Denn der jetzt aufgefrischte Impfschutz halte vermutlich nicht über den Winter. Er halte November für einen guten Zeitpunkt.

Startseite
ANZEIGE