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Interview mit Frank "Monte" Montenbruck

Vom Spüler zum Schauspieler - Karrierestart im Münster-Tatort

Münster - Frank Montenbruck ist das Paradebeispiel eines Quereinsteigers. Er war Krankenpfleger, Wachmann und Spüler – und ist nun bei seinem Traumberuf angelangt: der Schauspielerei. Sein Mitwirken beim „Büroteam“ in der Comedyserie „Stromberg“ bescherte ihm neue Rollenangebote.

Mirko Ludwig

Frank Montenbruck im Interview mit den WN im Café "Teilchen & Beschleuniger". Foto: Oliver Werner

Der 46-Jährige lebt in Köln, ist seiner Heimatstadt im Herzen aber weiterhin verbunden, sagt der gebürtige Münsteraner. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Mirko Ludwig wirft Montenbruck einen Blick zurück – und in die Zukunft.

Alles andere als ein „Dunkler Fleck“ war für Sie wohl das Casting für den gleichnamigen ersten Münster-„Tatort“ vor knapp zwölf Jahren …

Frank Montenbruck: Danach war mir klar: Schauspielerei ist meine Welt, das will ich in Zukunft machen.

Plausch mit dem „Papa“: „Monte“ (Frank Montenbruck, l.) im Gespräch mit Stromberg (Christoph Maria Herbst). (Foto: privat) Foto:

Aber mit dieser Welt betraten Sie auch Neuland.

Montenbruck: Ich bin von Natur aus neugierig, deshalb ging ich einfach mal zu dem Casting hin, als ich davon hörte. Anzug rausgeholt, mich herausgeputzt, Fotos gemacht und eine kleine Rolle erhalten. Trotzdem: Der Münster-„Tatort“ war mein Karrierestart.

War die Schauspielerei vorher schon mal ein Thema für Sie?

Montenbruck: Viele lachen darüber, wenn ich das erzähle: Wochenlang hat mich ein Traum verfolgt, in dem ich irgendwann auf einer Bühne stehe und eine Goldene Kamera überreicht bekomme. Vielleicht bin ich ein Spinner, das ist mir aber egal. Was kann ich dafür, wenn ich das nächtelang geträumt habe…? Immer wieder dieser Traum: Ich bekomme die Goldene Kamera. Und der Traum lebt weiter.

Können Sie von der Schauspielerei ihren Lebensunterhalt bestreiten?

Montenbruck: Ja, mittlerweile schon. 2004 wurde ich für „Stromberg“ gecastet. Was dann kam, ist ja bekannt: fünf Staffeln und zum Abschluss der Kinofilm. Währenddessen bekam ich immer mehr Rollen im Fernsehen und in der Werbung angeboten.

Der Spagat zwischen Arbeiten für Film und Fernsehen sowie Werbung ist für Sie ...

Montenbruck: … unverzichtbar, weil ich sonst als Schauspieler gar nicht überleben könnte.

Werbe-Video mit Frank Montenbruck und Olivia Jones:

Wie wichtig war für Sie rückblickend Ihr Mitwirken bei „Stromberg“?

Montenbruck: Es war das große Sprungbrett für meine Karriere. Christoph-Maria Herbst sagte zum Beispiel, dass sich einige Charaktere – darunter auch meine Wenigkeit – in der Serie herauskristallisiert und mehr aus ihrer Rolle gemacht hätten.

Der Abschluss der TV-Reihe war ...

Montenbruck: ... auch für mich natürlich schade. Obwohl es die Erfolgsserie schlechthin war, haben wir uns aber immer gesagt: Wenn es am schönsten ist, hören wir auf.

War es wirklich das Ende – oder dürfen sich die Fans noch Hoffnung auf eine Fortsetzung machen?

Montenbruck: Ja, das war definitiv der Abschluss! Da brauchen sich die Fans auch keine stille Hoffnung mehr zu machen.

Man kennt Sie aus „Stromberg“ überwiegend textlos, fokussiert auf Mimik und Gestik. Ist das kennzeichnend für den Schauspieler Frank Montenbruck?

Montenbruck: (grinst): Nein. Ich kann auch sprechen, wie man jetzt ja auch hört. Schließlich spiele ich ja auch Hauptrollen. Das war bei „Stromberg“ so gewollt und hatte seinen Grund. Ich hatte nur spezielle Sätze. Mein Auftauchen, ein bestimmter Blick – das kam gut an bei den Fans.

Was bleibt von der Stromberg-Zeit?

Montenbruck: Freundschaften sind nicht direkt entstanden, jeder geht natürlich sein Weg und macht sein Ding weiter. Wenn man sich wiedertrifft, ist das sehr freundschaftlich und herzlich, es wird viel gequatscht.

Welche Projekte stehen jetzt an?

Montenbruck: Wie es aussieht, werde ich dieses Jahr noch wieder in Münster drehen – entweder für eine „Wilsberg“-Folge oder einen „Tatort“. Es wäre aber eine tolle Sache, wieder dort zu drehen, wo alles angefangen hat.

Und sonst noch?

Montenbruck: Es steht noch ein Filmprojekt des Regisseurs und Schauspielers Frank Bröker mit Tom Gerhardt und Ralf Richter an, in dem ich eine Hauptrolle spielen soll. Eine Komödie. Ein größeres Projekt ist „Small People in a Big City“, ein Jugend- und Erwachsenenfilm mit internationalem Ambiente. 2015 sind Dreharbeiten in Berlin, München und New York geplant. In New York sind allein zehn Drehtage vorgesehen, wenn das klappt, wäre es natürlich der Burner. Insgesamt sollen es 80 Drehtage werden. Wir suchen noch weitere Sponsoren, damit die Dreharbeiten finanziell abgesichert sind.

Welche Rolle werden Sie spielen?

Montenbruck: Willy Bold, einen zerstreuten, verwirrten und nervösen Doktor, der für die Mafia arbeitet. Eine solche Rolle ist ebenso eine reizvolle Aufgabe wie der Büromensch bei „Stromberg“. Ich freue mich nach zehn Jahren Comedy jetzt auch mal auf was Neues.

Wie viel von Frank Montenbruck steckt in dieser Figur?

Montenbruck: Ich muss zugeben: zerstreut – ein wenig. Ich will auch oft Dinge schnell erledigt haben, werde auch schnell mal nervös.

Öfter verlegten Sie Ihren Wohnort von Münster nach Köln - und umgekehrt…

Montenbruck: Beruflich gesehen ist Köln als Wohnort der Favorit, weil ich von dort besser zu Drehorten komme. Aber mit dem Herzen hänge ich natürlich an Münster. Es tut mir schon ein wenig weh, auf Facebook Fotos aus meiner Heimatstadt Münster zu sehen, während ich in der Großstadt Köln bin. Mit der rheinischen Mentalität komme ich nicht so gut zurecht, da bin ich eher der zurückhaltende Münsterländer.

Wie können Sie als Vater Familie und Beruf in Einklang bringen?

Montenbruck: Ich möchte natürlich so viel Zeit wie möglich mit meiner kleinen Tochter verbringen, zum Glück habe ich auch eine wunderbare Freundin, die mir sehr den Rücken frei hält. Meine Tochter steht übrigens zurzeit auch für eine ZDF-Serie vor der Kamera, mehr darf ich aber erstmal noch nicht verraten. Entdeckt worden ist sie auf Fotos, die ich bei Facebook gepostet hatte.

Welches berufliche Zwischenfazit würden Sie ziehen?

Montenbruck: Ich war ja vorher in Münster Krankenpfleger im Maria-Hötte-Stift in der Nähe des Kappenberger Damms, wo ich aufgewachsen bin, danach Wachmann bei einem Medikamentenherstellers in Gelmer. Auch als Spüler im „Großen Kiepenkerl“ in Münster habe ich gearbeitet. Wichtig ist mir, dass ich mir das, was ich heute bin und was ich alles gemacht habe, selbst erarbeitet habe. Das habe ich alles selbst auf die Beine gestellt.

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