Mordprozess gegen 52-Jährigen

Von hinten mit Gurt erdrosselt

Münster

Zwei Zeugen, ein Bericht eines Rechtsmediziners: Am fünften Verhandlungstag im Mordprozess, bei dem sich ein 52-jähriger Münsteraner für den Tod seiner Ehefrau verantworten muss, führte das Schwurgericht die Beweisaufnahme fort. Ein Arzt stellte die Obduktionsergebnisse vor.

Pjer Biederstädt

Knapp sechs Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer 47 Jahre alten Frau aus Münster muss sich der Ehemann (l., hier beim Prozessauftakt) wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der Angeklagte soll seine Ehefrau am 5. Juli 2015 in der gemeinsamen Wohnung mit einem Gurt erdrosselt haben. Vor Gericht wird er von Verteidiger Stephan Kreuels (r.) vertreten. Foto: Pjer Biederstädt

Tagebuchschreiber wissen, dass es manchmal nicht leicht fällt, die Geschehnisse vom Vortag zu erinnern. Wie schwer es ist, genaue Abläufe eines Tages von vor fast sechs Jahren aus dem Gedächtnis abzurufen, erlebt das Schwurgericht im Mordprozess gegen einen 52-jährigen Münsteraner.

Am 5. Juli 2015 soll der Angeklagte seine Frau in der gemeinsamen Wohnung am Kappenberger Damm getötet haben, jetzt sollen sich die Zeugen an den Tag aus ihrer Sicht erinnern.

Wie lagen die Personen im Zimmer? Sah es aus, als habe es einen Kampf gegeben? War der Angeklagte barfuß? Bei vielen Fragen nach Details zum Tatort müssen ein Feuerwehrmann und ein Notarzt am Mittwoch passen. Genau wie viele andere Zeugen zuvor. „Keine Rechtfertigung nötig“ – die Vorsitzende Richterin weiß um die Tücken, die die lange Zeitspanne zwischen Tat und Prozess mit sich bringt. Die Schilderungen des Tattages der beiden Ersthelfer decken sich weitestgehend mit denen der bereits gehörten Zeugen.

Angeklagter war lange verhandlungsunfähig

Mehr Erkenntnisse bringt am fünften Verhandlungstag der Bericht des Rechtsmediziners, der damals sowohl den Angeklagten untersucht als auch dessen verstorbene Ehefrau obduziert hat. Die Strangmarke am Hals des Opfers, so der Arzt, lasse auf ein Erdrosseln von hinten mit einem Gurt, nicht auf ein Erhängen schließen.

Die Schnittverletzungen am Handgelenk des Angeklagten habe dieser sich selbst zugefügt. Für einen Suizid seien sie jedoch nicht tief genug gewesen. Der Angeklagte soll damals versucht haben, sich mit einem Klebstoff-Tabak-Gemisch zu töten. Wegen der entstandenen Verletzungen war er lange verhandlungsunfähig, sodass der Prozess erst Jahre später beginnen konnte.

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