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Reaktionen auf den Stau an der Bahnhofstraße

Von „konzeptlos“ bis „sehr gut“

Münster

Die durchgehende Busspur zwischen Ludgeriplatz und Landeshaus sorgt seit Anfang der Woche für Stau, vor allem auf der Bahnhofstraße. Die Reaktion unserer Leser fallen am zweiten Tag nach der Berichterstattung gemischt aus. Eine Auswahl.

Von Pjer Biederstädt

Weil den Bussen an der Bahnhofstraße im Zuge der Verkehrsversuche eine Spur zugeschlagen wurde, wird die Stelle zum Nadelöhr für den Individualverkehr. Foto: Oliver Werner

Die Diskussion reißt nicht ab – im Gegenteil. Nach der Berichterstattung über den Stau an der Bahnhofstraße, ausgelöst durch die Reduzierung einer Fahrspur für den Individualverkehr im Zuge der Verkehrsversuche, erreichen die Redaktion weiter zahlreiche Reaktionen auf allen Kanälen. Eine Auswahl.

„Der ÖPNV braucht eigene Busspuren, um ihn gegenüber dem privaten Pkw-Verkehr attraktiver zu machen. Diese Stärkung ist nötig, wenn man eine neue, ökologisch orientierte Verkehrspolitik will“, schreibt Prof. Dr. Rüdiger Horstmann. Und weiter: „Wenn wir doch den Klimawandel nur halbwegs so ernst nehmen würden wie die Pandemie, dann würden wir zumindest das Ergebnis des Pilotprojektes abwarten, bevor wir auf die Barrikaden gehen.“

Verkehrsversuche ohne Wert?

Winfried Skreczek, der nach eigenem Bekunden seit Jahrzehnten mit dem Bus fährt, hatte bislang nicht das Gefühl, dass der Busverkehr zu langsam gewesen sei und eine eigene Spur benötige. „Das Einzige, was durch den Versuch geschaffen wird, ist ein höheres Abgasaufkommen.“

„Münster braucht eine Verkehrswende, die umweltfreundlich ist und die Menschen mitnimmt. Doch die jetzigen Verkehrsversuche sind konzeptlos und kontraproduktiv, da sie nur bereits vorhandene Widerstände und Vorbehalte fördern“, schreibt Rüdiger Sagel, Sprecher der Naturfreunde Münster. Er meint, dass die Verkehrsplanung der Stadtverwaltung unkoordiniert, die Verkehrsversuche ohne Wert seien. „Wer bei gleichzeitigem Ausbau der Umgehungsstraße und der Brückenbauwerke, der Sperrung der Wolbecker Straße/Ring sowie der Baustelle Bremer Platz noch Verkehrsversuche unternimmt, muss sich fragen lassen, was das bringen soll“, so Sagel.

Ausgewogenes Stimmungsbild

Johann Schulz ist da anderer Meinung: Auch wenn es zusätzlichen Aufwand bedeute, das Auto stehenzulassen, so könne man auf diesem Weg einen beträchtlichen Beitrag zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels leisten. Er fahre morgens mit dem Rad bis zur Mondstraße, um von dort mit anderen im Auto weiter zur Arbeit zu fahren. „Das bedeutet pro Tag sicherlich 40 Minuten extra. Aber die sind mir unser Planet wert“, so Schulz.

Video in Kooperation mit dem WDR:

Einen anderen Aspekt beleuchtet Agnete Geißdörfer: „Dass die Anlieger offenbar nicht in die Planung des Verkehrsversuchs einbezogen wurden, ist ein Unding“.

Annette Laubersheimer gibt an, aus gesundheitlichen Gründen auf ihr Auto angewiesen zu sein. Es sei „schockierend, wie engstirnig und rücksichtslos die Herrschaften der Verkehrspolitik“ den Menschen die Mobilität nehme, „nur um sich als klimafreundlich dazustellen“.

Joachim Schulz

Joachim Schulz findet den Verkehrsversuch gut. „Es muss einmal irgendwo angefangen werden, den überbordenden Individualverkehr einzudämmen.“

Beate Freff, Bauingenieurin für Straßen- und Verkehrsbau, beobachtet die Verkehrspolitik nach eigener Darstellung seit langer Zeit. Sie befürwortet den Verkehrsversuch. „Trotzdem müsste sich die Stadt Gedanken darüber machen, Verkehrskonzepte über die Stadt hinaus mit anderen Städten und Kommunen des Münsterlandes zu erstellen.“

Während sich in den Zuschriften, die uns am Freitag per Mail erreicht haben, Befürworter und Gegner des Verkehrsversuchs die Waage hielten, zeigt sich auf Facebook ein anderes Bild: In rund 300 Kommentaren überwiegen deutlich die Kritiker. Genau andersherum stellt es sich auf Twitter dar.

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