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„Verfahren war nicht sauber“

Warum Georg Hundt trotzdem für den Namen „Schlossplatz“ kämpft

Münster

Im März gründete sich die Bürgerinitiative „Pro Hindenburgplatz“, Ende Juni folgte dann die Bürgerinitiative „Schlossplatz!“. Nachdem WN-Redakteur Klaus Baumeister am 23. Juni den Sprecher der Hindenburgplatz-Befürworter, Stefan Leschniok, interviewt hat, folgt jetzt ein Gespräch mit Georg Hundt, Sprecher der Schlossplatz-Freunde.

Klaus Baumeister

Foto: Matthias Ahlke

 Herr Hundt, bekannt sind Sie in Münster als Betreiber der Radstation. Was hat Sie zur Bürgerinitiative „Schlossplatz!“ geführt?

Hundt: Ich lebe seit 32 Jahren in Münster und habe die Stadt über das Projekt Radstation sehr gut kennengelernt. In den 1990er Jahren, als dieses Parkhaus geplant wurde, gab es große, anhaltende Vorbehalte in der Bevölkerung. Inzwischen hat ein grundlegender Bewusstseinswandel stattgefunden.  Hier sehe ich Parallelen zur Hindenburg-Debatte, die ja ebenfalls seit den 1990er Jahren geführt wird. Wenn ich auch bei diesem Thema zu einem Bewusstseinswandel in Münster beitragen kann, so würde ich mich sehr freuen. Ich möchte mich engagieren, um die Stadt vor Schaden zu bewahren.

Haben Sie mit einer so heftigen Debatte gerechnet?

Hundt: Genau betrachtet, ist die Debatte zweigeteilt. Da gibt es zum einen die historische Debatte, die meines Erachtens ausgestanden ist. Die heutige Geschichtsschreibung besagt eindeutig, dass Hindenburg dazu beigetragen hat, dem NS-Staat zum Durchbruch zu verhelfen. Nachdenklich stimmt mich aber der andere Teil der Debatte. Ich meine das Verfahren, wie es zum Namen Schlossplatz gekommen ist. Teile der Bevölkerung fühlen sich politisch missbraucht und halten den Prozess der Bürgerbeteiligung für überflüssig beziehungsweise undemokratisch. Das hat für Unmut gesorgt.

Foto:

Wie gehen Sie mit diesem Unmut um?

Hundt: Man muss diesen Unmut zulassen. Das Verfahren war nicht sauber, und alle Verantwortlichen sollten klar zu erkennen geben, dass sie den Schuss vor den Bug verstanden haben. Jetzt aber ist die Situation eine neue: Sollten wir als Münsteraner tatsächlich im Jahre 2012 einen innerstädtischen Platz, der jetzt Schlossplatz heißt, nach dem zweiten Reichspräsidenten benennen? Das schadet dem Ansehen der Stadt und ist für mich nicht tragbar.

Wie wollen Sie auf die Anhänger des Namens Hindenburgplatz zugehen?

Hundt: Da muss man differenzieren. An die echten Hindenburg-Anhänger kommen wir nicht ran. Wir müssen einfach akzeptieren, dass ein Teil der Bevölkerung ein sehr positives Hindenburg-Bild hat und daran nicht rütteln möchte. Die historischen Fakten werden ignoriert. Dieser harte Kern der überzeugten Hindenburg-Anhänger ist in Münster aber nicht mehrheitsfähig. Deshalb möchten wir in erster Linie mit jenen Münsteranern ins Gespräch kommen, die im Wesentlichen das Prozedere der Umbenennung kritisieren und eigentlich mit Schlossplatz gut leben können.

Der Platz trug 85 Jahre den Namen Hindenburgs. Was wäre schlimm daran, wenn er ihn behält?

Hundt: Die ganze Debatte wäre etwas entkrampfter, wenn wir anerkennen würden, dass alles seine Zeit braucht und auch alles im Fluss ist. Vor zwei Jahren hat die Gemeinde Königsbronn ein Denkmal für Georg Elser enthüllt. Elser stammt aus dieser Gemeinde und wurde weltberühmt durch sein misslungenes Attentat auf Hitler. Natürlich kann man fragen, warum Elser erst 65 Jahre nach seiner Ermordung durch die Nazis die ihm zustehende Ehre erfahren hat. Aber jetzt gibt es das Denkmal. Wenn die Königsbronner 65 Jahre für diesen Schritt benötigt haben, ist es auch nicht schlimm, dass die Münsteraner für die Änderung eines Straßennamens 85 Jahre benötigt haben. Wichtig ist nur, dass man dann auch dabei bleibt. Man stelle sich nur einmal vor, wie wir heute über Königsbronn reden würden, wäre per Bürgerentscheid das Denkmal wieder abgerissen worden.

Die Bürgerinitiative „Pro Hindenburg“ existiert seit fünf Monaten, die Bürgerinitiative „Schlossplatz!“ seit vier Wochen. Ein Nachteil für Sie?

Hundt: Das glaube ich nicht. Wir haben wenig Zeit, deshalb konzentrieren wir uns auf das Wesentliche. Wir steuern auf eine klare Entscheidungssituation in Münster zu.

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