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Reiserückkehrer in der Corona-Pandemie

"Was heute ein Ferienort ist, kann morgen schon Risikogebiet sein"

Münster

 Zahlreiche Reiserückkehrer melden sich in diesen Tagen im Gesundheitsamt in Münster an. Das sei zwingend erforderlich, sagt der Leiter Dr. Norbert Schulze Kalthoff: "Niedrige Inzidenzwerte geben eine trügerische Sicherheit."

 

Zahlreiche Reiserückkehrer müssen sich beim Gesundheitsamt anmelden.. Foto: dpa (Symbolbild)

Das Corona-Team im Gesundheitsamt der Stadt Münster arbeitet aktuell wieder unter Hochdruck. 2600 Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrer hatten sich laut einer städtischen Pressemitteilung allein über das vergangene Wochenende beim Gesundheitsamt angemeldet, am Dienstag- und Mittwochmorgen kamen dann jeweils über 800 neue Meldungen hinzu.

"Im Gesundheitsamt bekommen wir die Reisefreudigkeit der Münsteranerinnen und Münsteraner in den Sommerferien deutlich zu spüren", sagt dessen Leiter Dr. Norbert Schulze Kalthoff in der Mitteilung. Dass nun auch die deutschen Urlaubshochburgen Spanien und Niederlande zu Hochinzidenzgebieten erklärt wurden, erhöhe den Druck auf das "Team Corona" zusätzlich: "Aber: Je mehr Menschen sich nach ihrer Reise bei uns entsprechend der Bundesregelungen zurückmelden und testen lassen oder in Quarantäne begeben, desto niedriger fällt auch das Risiko weiterer Ansteckungswellen in Münster aus."

Stadt bittet um Rück- und Vorsicht auf Reisen

"Trotz des bereits erheblichen Arbeitsaufkommens durch die Einreiseverordnung ist von weiteren Münsteranern auszugehen, die ohne die vom Bund verlangte Meldung heimgekehrt sind", heißt es in der Mitteilung. Daher bittet die Stadt erneut um Rück- wie Vorsicht auf Reisen – denn eine einzelne unbemerkte Infektion könne schnell zur Kettenreaktion führen. 

Infos für Reiserückkehrer

Mehr als 20 Mitarbeiter des Gesundheitsamtes betreuen nach städtischen Angaben aktuell das Thema "Reise-Rückkehr". Kurzfristig könne dafür noch weiteres Personal aus anderen Corona-Tätigkeitsfeldern abberufen werden – in Abhängigkeit der aktuellen Infektionslage. Schon jetzt, Ende Juli, habe sich im Vergleich zu 2020 die Zahl der gemeldeten Reiserückkehrenden nahezu verdoppelt.

Regina Dittmer

"Es sind allerdings nicht per se Urlaubende, die sich bei uns melden", sagt Regina Dittmer, Leiterin der Corona-Fachstelle. "Vielfach handelt es sich dabei auch um Münsteraner, die im Ausland arbeiten und pendeln – oder eine Wochenendbeziehung über die Bundesgrenzen hinweg pflegen wollen." Dies trifft nun in besonderem Maße auf die Niederlande und Spanien zu. "In den letzten beiden Tagen vor deren Hochstufung haben wir über 1400 Rückmeldungen erhalten", so Dittmer. "Offenbar wollten viele Reisende schnell zurück und so die zehntägige Quarantäne umgehen."

Das Corona-Team hat allein durch die Reiserückkehrer viel zu tun. Foto: Stadt Münster/Amt für Kommunikation

"Zwingend erforderlicher" Arbeitsaufwand

Meldungen im Einreiseportal können von den Gesundheitsämtern deutschlandweit nur teilautomatisiert ins interne System implementiert werden. "Da die Meldungen oftmals auch Anhänge (Tests, Impfnachweise) enthalten, ist die händische Bearbeitung zwingend nötig", teilt die Stadt mit. Bis zu 1000 Meldungen pro Tag müssten händisch bearbeitet werden. Fehlen aber nötige Anhänge, erfolgen weitere persönliche Kontaktaufnahmen.

"Das Arbeitsaufkommen ist entsprechend enorm – aber zwingend erforderlich", sagt Norbert Schulze Kalthoff. "Was heute ein Ferienort ist, kann morgen schon Risikogebiet sein. Aktuell niedrige Inzidenzwerte geben leider eine trügerische Sicherheit, die mit Schnelltests allein nicht abgesichert werden kann."

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