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Mordprozess gegen 52-Jährigen

Was in Brasilien passiert ist, bleibt in Brasilien

Münster

Mühsame Motiv-Suche: Am siebten Verhandlungstag im Mordprozess gegen einen 52-jährigen Münsteraner, der 2015 seine Ehefrau laut Anklage erdrosselt haben soll, wurde die Beweisaufnahme fortgesetzt. Zwei Freunde des Angeklagten sollten helfen, die Hintergründe zur Tat zu beleuchten – waren aber ungewöhnlich wortkarg.

Von Pjer Biederstädt

Knapp sechs Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer 47 Jahre alten Frau aus Münster muss sich der Ehemann (l., hier beim Prozessauftakt) seit dem 19. April 2021 wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der Angeklagte soll seine Ehefrau am 5. Juli 2015 in der gemeinsamen Wohnung am Kappenberger Damm mit einem Gurt erdrosselt haben. Bisher hat der Angeklagte zu den Vorwürfen geschwiegen. Vertreten wird er von Verteidiger Stephan Kreuels (r.). Foto: Pjer Biederstädt

Der Angeklagte schweigt bislang zum Tatvorwurf, er habe seine Ehefrau heimtückisch erdrosselt. Die Angehörigen machen von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Die Geschehnisse liegen fast sechs Jahre zurück. Oder kurz gesagt: Die Aufklärung des gewaltsamen Todes der damals 47-Jährigen ist mühsam. Umso mehr dürfte die 2. Große Strafkammer Hoffnungen in die Vernehmung zweier Freunde des Angeklagten gelegt haben. Doch statt bahnbrechender Erkenntnisse gab es Ernüchterungen.

Denn bei der Klärung der Frage, welche Konflikte zwischen dem Ehepaar zum Tod der Frau und zum Suizidversuch des Angeklagten geführt haben könnten, konnten die Zeugen kaum helfen. Oder sie wollten nicht.

Welche Rolle spielt die Sekte?

Zwei Stunden und 43 Minuten lang löcherten die Vorsitzende Richterin und der Staatsanwalt einen guten Freund des Angeklagten. Einsilbige Antworten führten immer wieder zu Nachfragen. Über die Tat habe er nie mit seinem Freund gesprochen, versicherte er. „Das ist schwer glaubhaft“, sagte der Staatsanwalt.

Auf der Suche nach Konfliktpotenzial zwischen den Eheleuten standen zwei Aspekte im Fokus. Erstens: Hatte der Angeklagte während zweier Reisen mit Kumpels nach Brasilien Kontakt zu Prostituierten? Getreu dem Motto „Was in Brasilien passiert ist, bleibt in Brasilien“ gaben die Zeugen wortkarg an, davon nichts zu wissen. Auf dem Laptop des Angeklagten hatten Ermittler allerdings Google-Anfragen zu „Recife Nutten“ gefunden.

Zweitens: Vielleicht liegt das Motiv aber auch in der Sekten-Mitgliedschaft der Getöteten, die sich durch die dort propagierten Normen stark verändert haben soll, wie der Zeuge beteuerte.

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