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Adventszeit im Wandel

Was Weihnachtsmarkt-Besuchern wichtig ist

Münster

Was ist den Besuchern der Weihnachtsmärkte in der Zeit vor dem Fest wichtig? Unsere Zeitung hörte sich bei Besucherinnen und Besuchern um.

Carla Wollweber

Hannah (4.v.l.) und ihre Freundinnen verbinden mit dem Advent vor allem die schöne Dekoration und das gemeinsame Bummeln über den Weihnachtsmarkt – natürlich nicht ohne Glühwein. Foto: Carla Wollweber/Matthias Ahlke

Die münsterischen Weihnachtsmärkte sind gefüllt mit Glühwein trinkenden Menschen, Geschäfte werben mit besonderen Angeboten für Geschenkideen, und an jeder Ecke wird für Weihnachten dekoriert – es ist unverkennbar Advent. Für die meisten Münsteraner bedeutet das einerseits Besinnlichkeit und Zeit mit der Familie, andererseits aber auch Geschenke-Stress und eine überlaufene Innenstadt.

Geschenke und Glühwein 

Darüber hinaus werden häufig auch Glühwein und die schöne Dekoraktion mit der vorweihnachtlichen Zeit verbunden, wohingegen die eigentliche Bedeutung des Advents kaum noch in den Köpfen verankert ist. Vor allem bei den jüngeren Generationen spielen häufig der gemeinsame Weihnachtsmarktbesuch mit Freunden und der Kauf von Geschenken eine große Rolle.

Durch verlockende Angebote wie den „Black Friday“ Ende November steigt der Konsum in den Wochen vor Weihnachten in den letzten Jahren immer weiter an. Und das, obwohl der Advent eigentlich eine Buß- und Fastenzeit war, um sich auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Das Wort Advent stammt aus dem Lateinischen („adventus“) und steht für die Ankunft des Herrn. Die Kirche legte im Laufe der Zeit vier Adventssonntage als Symbol für das Warten auf die Erlösung fest, später entwickelte sich der Brauch der Adventskalender.

Heiligabend früher und heute 

Im Gegensatz zu heute wurde aber vor Heiligabend kaum geschmückt, und Süßigkeiten gab es auch nur wenige. „Wenn überhaupt“, erinnert sich Albert (82), Stadtführer. „Ich denke da an sehr schöne Kinderzeiten zurück, die nichts mit Konsum oder Dekoration zu tun hatten, sondern mit Besinnlichkeit und Ruhe.“ Wie viele andere ältere Münsteraner sieht Albert die Entwicklung des Advents zunehmend negativ. Er findet es schade, dass viele Jugendliche gar nicht mehr über die religiöse Bedeutung Bescheid wissen. „Aber das muss man halt tolerieren“, sagt er.

Auch ohne das Hintergrundwissen ist aber auch bei Münsters jüngeren Bürgern oft der Drang zur Entschleunigung vorhanden, und die Familie steht in der Adventszeit, neben Glühwein und Dekoration, eindeutig im Vordergrund. Die Studentin Helena (21) versucht vor Weihnachten immer, etwas Ruhe in den Alltag einzubringen. „Advent bedeutet für mich, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Natürlich kauft man Geschenke, aber diesen Massenkonsum, wie am Black Friday, finde ich persönlich inzwischen auch völlig überzogen“, erzählt sie. „Es sollten doch eigentlich die Dinge im Vordergrund stehen, die nicht materiell sind“, bestätigt auch ihr Freund Piet (19), ebenfalls Student.

Unabhängig vom Alter haben die Münsteraner aber eins gemeinsam: Einen Adventskalender besitzt nach eigenen Angaben fast jeder; oft sogar mehrere. Petra (42) hat einen mit Schokolade und einen mit Parfümproben. „Dafür wird man nie zu alt“, gibt sie lachend zu.

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