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Missbrauchskomplex von Münster

Weitere Anklage gegen Adrian V. und 50-Jährigen aus Hannover

Münster

Die Staatsanwaltschaft Münster hat im Rahmen des Missbrauchsfalls von Münster weitere Anklage erhoben. Der mutmaßliche Haupttäter Adrian V. aus Münster und ein 50 Jahre alter Mann aus Hannover müssen sich wegen weiterer Vorfälle vor Gericht verantworten. Es geht um drei Vorfälle, die sich im Juni und November 2019 jeweils in einer Wohnung in Hannover ereignet haben sollen. 

Die Staatsanwaltschaft in Münster. Foto: Oliver Werner

Bei der Wohnung in Hannover soll es sich - wie schon bei dem Vorwurf in einer anderen Anklage - um die Wohnung der beiden weiteren gesondert verfolgten Tatverdächtigen aus Hannover handeln.

Mutmaßliches Opfer der Ereignisse, die nun Gegenstand der Anklage sind, soll der heute elf Jahre alte Junge aus Münster sein, bei dem es sich laut Staatsanwaltschaft um den Sohn der Lebensgefährtin des Angeschuldigten aus Münster handelt.

Vorfälle 2019 in Hannover

Dem Angeschuldigten aus Hannover werden in der Anklageschrift zwei Straftaten vorgeworfen: Er soll bei einem Aufenthalt in der Wohnung in Hannover Ende Juni 2019 sexuelle Handlungen an dem Jungen vorgenommen haben. Zu einem schweren sexuellen Missbrauch durch diesen Angeschuldigten soll es hierbei nicht gekommen sein, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Münster. Bei einem anderen Treffen im November 2019 soll der Angeschuldigte das Kind jedoch schwer sexuell missbraucht haben.

Dem Angeschuldigten aus Münster wird im Zusammenhang mit diesen beiden Vorfällen zur Last gelegt, den Jungen nach Hannover mit dem Wissen gebracht zu haben, dass es dort zu möglichen sexuellen Missbrauchshandlungen an dem Jungen kommen könnte. Der Münsteraner soll diese nun angeklagten Geschehnisse gebilligt und nicht verhindert haben. Hierzu wäre er nach rechtlicher Bewertung der Staatsanwaltschaft aufgrund des ihm von der Kindesmutter seit Jahren entgegengebrachten Vertrauens und seiner daraus resultierenden Verantwortung für den Jungen verpflichtet gewesen.

Adrian V. nahm Vaterrolle ein

Nach den der Staatsanwaltschaft bislang vorliegenden Erkenntnissen hatte der Angeschuldigte mit Einverständnis der Mutter faktisch die Vaterrolle für ihren Sohn übernommen. Der 27-jährige Angeschuldigte ist daher verdächtig, zu den angeklagten Taten des Hannoveraners durch Unterlassen Beihilfe geleistet zu haben. Zudem soll der Angeschuldigte Mitte Juni 2019 ebenfalls in der Wohnung in Hannover einmal den Jungen schwer sexuell missbraucht haben.

Die Angeschuldigten haben sich auch zu diesen Tatvorwürfen nicht geäußert. Der Verdacht gegen die beiden Männer hat sich nach der Auswertung eines bei Durchsuchungen sichergestellten, passwortgeschützten Mobiltelefons, das von der Polizei decodiert wurde, ergeben. Dieses soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dem Angeschuldigten aus Münster gehören.

Die Ermittlungen in dem Gesamtsachverhalt sind noch nicht abgeschlossen. Die Angeschuldigten befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft - das Landgericht Münster hat über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden.

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