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Prozess im Missbrauchsfall Münster

Weiteres Geständnis und neue Beschuldigte

Münster

Im Prozess um den schweren sexuellen Kindesmissbrauch hat nun auch der Angeklagte Marco S. aus Hannover ausgesagt. Außerdem nahm die Kammer am Montag Videomaterial aus der Kinderhauser Gartenlaube in Augenschein.

Pjer Biederstädt

Foto: dpa/Rolf Vennenberd

Im Missbrauchskomplex von Münster hat Marco S. aus Hannover am Montag als zweiter Angeklagter nach Enrico L. ein Geständnis abgelegt. Der 35-Jährige hat am Landgericht Münster unter Ausschluss der Öffentlichkeit eingeräumt, dass er an der Vergewaltigung vom Ziehsohn des Hauptangeklagten Adrian V. und des fünfjährigen Sohnes des Angeklagten aus Staufenberg in der Kleingartenanlage in Münsters Norden beteiligt war, hieß es am Rande des Prozesses.

Außerdem nahm das Gericht am Montag – ebenfalls hinter verschlossenen Türen – Videoaufzeichnungen aus der Gartenlaube in Augenschein. Der Verteidiger der ebenfalls angeklagten Mutter von Adrian V. versuchte, dies zu verhindern, doch dem Antrag kam die Kammer nicht nach. Das Interesse der Strafverfolgung habe deutlich überwogen, sagte ein Gerichtssprecher.

Männer in Österreich festgenommen

Unterdessen führten die Ermittlungen der „EK Rose“ zu Festnahmen von zwei weiteren Männer in Österreich, wie deutsche und österreichische Behörden mitteilen. Kriminalbeamte in Münster hatten demnach auf einem Handy von Adrian V. Bilder von Missbrauchshandlungen eines bis dahin unbekannten 44-Jährigen an einem ebenfalls unbekannten Jungen entdeckt.

Die Angeklagten im Hauptprozess

  • Adrian V. steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Er soll über lange Zeit wiederholt Kinder, vornehmlich den Sohn seiner Lebensgefährtin, sexuell missbraucht haben. Zudem bot er den Jungen anderen Männern zum Missbrauch an. Aufnahmen davon verbreitete er.
  • Carina V. war Eigentümerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, die regelmäßig Tatort der Missbrauchstaten war. Sie soll die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.
  • Enrico L. aus Schorfheide soll beim Treffen im April in Münster dabei gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, im August 2018 einen damals neunjährigen entfernten Verwandten und 2020 unter anderem seinen eigenen Sohn (7) missbraucht zu haben.
  • Tobias S. aus Staufenberg soll seinen Sohn (5) mehrfach missbraucht und zum Treffen im April in Münster mitgebracht haben. Zudem missbrauchte er ein Mädchen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um seine Tochter (5) gehandelt hat.
  • Marco S. aus Hannover soll an schwerem sexuellem Missbrauch beteiligt gewesen sein. Der 35-Jährige soll unter anderem vom 24. bis zum 26. April 2020 beim Treffen mit den anderen Angeklagten in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus dabei gewesen sein.

Die Identitäten konnten geklärt werden. Weitere Ermittlungen führten zu einem 24-jährigen Deutschen. Beide Männer werden beschuldigt, einen Jungen (10) gemeinschaftlich und einen weiteren Jungen (9) unabhängig voneinander missbraucht zu haben. Die Beschuldigten räumten die Taten in Vernehmungen ein.

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