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Heizen mit Holz

Wenn der Kaminofen zur Feinstaub-Falle wird

Das Heizen mit Holz erfreut sich in Herbst- und Wintermonaten nach wie vor großer Beliebtheit. Bei einigen Wetterlagen kann das aber zu Belästigungen der Nachbarn führen, mahnt die Stadt Münster – und weist auf eine Problematik mit Feinstaub hin.

WN

Das knisternde Feuer ist für viele der Inbegriff für Gemütlichkeit und eine warme Wohnatmosphäre. Foto: dpa (Symbolbild)

An einem Adventsabend vor dem heimischen Kaminofen zu sitzen, ist für viele Menschen ein wohliges Gefühl. Doch was für einen selbst ein Ausdruck von Gemütlichkeit ist, kann für die Umgebung zur Belastung werden, mahnt die Stadt Münster in einer Pressemitteilung. Bei dunstigen Wetterlagen mit wenig Wind und kaum Luftaustausch könnten Kaminöfen zu Rauch- und Geruchsbelästigungen führen. Die Verwaltung empfiehlt daher, an solchen Tagen auf das Verbrennen von Stückholz oder Kohle in privaten Haushalten ganz zu verzichten.

Kaminöfen als Feinstaubquelle

Doch nicht nur verärgerte Nachbarn sind ein Grund, sich über den richtigen Einsatz von Kaminöfen Gedanken zu machen. Für die Umwelt spielt der ausgestoßene Feinstaub eine große Rolle. Der Einfluss von Kaminöfen auf die Luftqualität im Winterhalbjahr lässt sich sogar wissenschaftlich belegen. Eine entsprechende Untersuchung der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster vor einigen Jahren zeigte, dass durchschnittlich 20 Prozent der Feinstaubbelastung in der Luft durch Holzöfen verursacht wurden. Untersuchungen in Wohngebieten anderer Städte dokumentieren ähnliche Werte.

Studienleiter Prof. Dr. Otto Klemm bezeichnete die Kaminöfen gutes Beispiel für ein Missverhältnis in Deutschland: „Einerseits ist das Heizen mit Holz in offenen Feuerstellen ein überholter technischer Standard. Andererseits investiert die Gesellschaft in moderne Filter für Autos und Industrieanlagen, um gerade die Feinstaubbelastung zu senken. Vor dem Hintergrund ist die neu geschaffene Feinstaubbelastung unnötig und absurd.“ Der Profesoor plädierte dafür, „vernünftigerweise auf das gemütliche Kaminfeuer zu verzichten“, auch wenn es „zweifellos schön“ sei.

Heiz-Tipps vom Umweltamt

So weit geht Münsters Stadtverwaltung nicht, legt aber nahe: „Grundsätzlich sollten Kaminöfen umweltfreundlich und mit einem guten Abzug der Rauchgase befeuert werden, damit die Luft nicht mit zusätzlichem Feinstaub belastet und Ärger mit der Nachbarschaft vermieden wird.“

Praktische Tipps dafür – von der Holzlagerung bis zur Beschickung des Kamins und Regelungen des Immissionsschutzes – hat das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit in der Broschüre „Draußen behaglich – Drinnen ärgerlich?“ (pdf) zusammengestellt.

Lesen Sie hier Tipps und Tricks für Kamin und Ofen von einem Bezirksschornsteinfeger

Alten Öfen droht Stilllegung

Wer zwischen 1985 bis 1994 einen Ofen im Haus installiert hat, muss sich bald um einen Nachweis zu den Grenzwerten seiner Anlage bemühen. Hält sie die aktuellen Grenzwerte nicht ein, muss sie bis Ende 2020 stillgelegt und ausgetauscht oder mit Staubfiltern nachgerüstet werden.

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