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Treffen der Tätowierer

Wenn Kunst unter die Haut geht

Münster

Ob als Erinnerung an eine Reise oder als Zeichen der Verbundenheit mit der eigenen Schwester: Tattoos haben bei vielen Menschen eine wichtige Bedeutung. Und genau das ist auch jenen Tätowierkünstlern wichtig, die die Kunst unter die Haut bringen.

Von Maria Conlan

Jahrestreffen des Vereins Tätowierkunst im Sputnik-Café. Dabei gaben die Protagonisten Einblick in ihre Arbeit und ihren Ehrenkodex. Foto: Maria Conlan

Tätowieren ist eine Kunstform, dafür setzt sich der Verein „Tätowierkunst“ ein. Auch als Freiberufler möchten sie anerkannt werden und führen bereits Verhandlungen mit der Künstlersozialkasse.

Am Sonntag trafen sich über 60 Vereinsmitglieder aus ganz Deutschland zu ihrem Jahrestreffen im Sputnik-Café am Hawerkamp. Ab 18 Uhr gab es zwei Vorträge, einmal von Christa Appel per Zoom. Sie beleuchtete kulturhistorisch Tätowierungen. Aus der Praxis berichtete anschließend der Künstler und Tätowierer Till Pulpanek von seinem persönlichen Werdegang.

Tätowierungen als Zeichen der Zugehörigkeit

Manfred Kohrs gründete bereits 1977 den Verein, um Tätowieren als Erscheinungsform der bildenden Kunst anerkennen zu lassen. Über gut vernetzte 300 Mitglieder zählt der Verein inzwischen.

Die Kunst des Tätowierens ist mindestens so alt wie Höhlenmalerei, nämlich über 45 000 Jahre. Naturvölker aller Kontinente kennen Tätowierungen, außer den Aborigines in Australien, die auf Körperbemalung spezialisiert sind. Tätowierungen stehen als Zeichen für Zugehörigkeit, Selbstbestimmung und Ini­tiationsritus.

Aus der Ecke der Kriminellen und Außenseiter hat sich Tätowieren zur populären Kunst entwickelt, gerade in den letzten 50 Jahren. In der Kunst der 70er-Jahre erfuhr Tätowierung durch Künstler wie Valle Export, Timm Ulrichs, Santiago Sierre und Wim Delvoye Aufwind. Appel erwähnte das Münsteraner Skulptur-Projekt 2017, wo die Aktion „Not Quite Underground“ mit einem eingerichteten Tattoo-Studio großen Zuspruch erfuhr.

Tätowierkünstler stellen Zeichnungen aus

Pulpaneks künstlerischer Werdegang mit abgeschlossenem Kunststudium in Düsseldorf bis zum Tätowierer korrespondierte mit seiner Liebe zum Expressionismus: Vereinfachung, aufs Wesentliche reduzieren und Ausdruck von Emotionalität.

Parallel zum Jahrestreffen stellten Tätowierkünstler Zeichnungen aus: Vanni Prison, Olli Rose und Jens Gössling. Bei den Gesprächen wurde die Begeisterung der Tätowierer für ihre Kunst spürbar. Sie arbeiten nach einem Wertecodex, nehmen ihre Kunden sehr ernst und hinterfragen verantwortungsvoll deren Motivation und Wünsche.

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